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Gelesen. Alafenisch.

Salim Alafenisch: Die acht Frauen des Großvaters. Zürich: Unionsverlag, 2015.

In offenkundiger Erzählfreude stellt Alafenisch die uns fremde Kultur der Beduinen des alten Palästina vor, zeigt dabei die Funktionsweise (beispielsweise von angebahnten Eheverbindungen) wie auch Probleme, Konflikte und Lösungsstrategien der Kultur auf. Die Vielehe des Großvaters ist dabei Zentrum einer umfänglich angelegten Schilderung der Lebensumstände eines ganzen Stammes über Jahrzehnte. Die mündliche Erzähltradition offenbart sich in repetitiven Elementen, die allerdings auf der Handlungsebene auch den ritualhaften Charakter wiederkehrender Vorgänge kennzeichnen.

Auch wenn Alafenisch immer die Sympathie für das Erzählte anzumerken ist, ist es der gutmütige, teilweise burschikose Spott, der der westlich geprägten Leserin die Lektüre erträglich macht; etwa wenn geschildert wird, dass der sehnsüchtig erwartete (und allein drei Ehen erfordernde) erste Sohn des Großvaters, nach dem Propheten Mohammed benannt und von der Mutter als künftiger Löwe des Stammes bezeichnet, zunächst von den anderen Frauen und schließlich vom ganzen Stamm nur »Gewandscheißer« gerufen wird …

Wochenende.

Gestern groß eingekauft, Linzer Schnitten gebacken; abends in vollständiger Familienrunde (Kind 1 besucht aus Studienort die Daheimgebliebenen, Kind 2 ist erfreut) Pride gesehen, dabei zu drei Vierteln Salat (2 Convenience-Grünzeugbüdel, Paprika, Apfel, Kidneybohnen, Thunfisch, Schafskäse, Wurzeln und Standard-Rotweinessig-Olivenöl-Gewürzwürze), zu einem Viertel Suppe aus dem Chemiebaukasten (Yum Yum!) gegessen.

Heute nach dem Frühstück (mit Geburtstagskuchenkerze und Ranunkelstrauß) für abends Tomatensuppe gekocht, Eier-Käse-Salat und Kräuterbutter bereitet – dabei Nirvanas MTV Unplugged in Endlosschleife; während Herzallerliebste weiteren Kuchen backt und andere Vorbereitungen tätigt, Wohnzimmer gesäubert und gar Staub gewischt (an den sichtbaren Stellen), Bücherstapel durch Kombinieren niedrigerer zu höheren zumindest quantitativ reduziert.

Später kommen die Freunde, haben Bücher, Platten, Blümchen und Kinder mitgebracht (letztere nehmen sie hinterher wieder mit); es wird viel gegessen, viel erzählt; Wein und Bitter Lemon, Hipsterbrause und Leitungswasser konsumiert, ein Spaziergang durch Wind und Matsch und Nieselregen unterbricht kurz das Gelage, weitere liebe Menschen melden sich aus Winsen (an der Aller), Rom (am Tiber) und von anderen Orten … später noch ein paar Seiten im von Patti Smith empfohlenen Astragalus von Albertine Sarrazin gelesen, dann Sleaford Mods gehört.

Gute Nacht, Freunde.

Gelesen. Pratchett.

Antiquariat in GdańskTerry Pratchett: The Truth. London: Corgi: 2000.

Es ist immer gut, wenn man auch ein paar ungelesene Bücher im Regal stehen hat: so auch dieser Band, den ich 2008 bei einem Besuch im nebenstehend abgebildeten Antiquariat in Gdańsk für – wie das Preisschild in Warnfarbe ausweist – 18 Złoty erworben hatte. Andere Bücher drängelten sich vor dieses, und so blieb es bis zur jetzigen Terry-Pratchett-Gedächtnislektüre ungelesen.

Gelesen. Vann.

David Vann: Dreck. Übertragen von Miriam Mandelkow. Berlin: Suhrkamp, 2013.

Gewalt und Küchenpsychologie, Sex und Isolation, Schmutz und Esoterik. Keine Hoffnung angesichts der familiären Ausgangssituation des Experiments (Mutter, Sohn) und reaktionsbeschleunigender Wärmezufuhr (Tante, Cousine; Klima in allen semantischen Facetten).