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Neue Essay-Themen: Arendt, de Waal, Kleist, Beck, Bachmann.

Beim aktuellen Essay-Durchgang (diesmal ausschließlich für meinen Kurs im 13. Jahrgang) greife ich auf die Themen des Bundeswettbewerbs zurück (Themen 1–4) und ergänze nur um drei weitere Denkanlässe, sodass die S die Möglichkeit hätten, ihre Arbeit auch an solchen außerhalb der Schule messen zu lassen.

Hier sind die Themen dieses Halbjahres zum Nachlesen.

Gelesen. Espedal.

Tomas Espedal: Wider die Kunst. Die Notizbücher. Übertragen von Hinrich Schmidt-Henkel. Berlin: Matthes & Seitz, 2015.

Trauer- und Erinnerungsbuch eines Menschen, der seiner Tochter Mutter und Vater sein muss und will. Immer wieder verschmelzend die Rollen und Generationen in Erinnerung und Erleben. Reflexionen über die Funktion des Autors und den Schreibprozess. Herbstlich.

Wie geht’s weiter mit der Schule? (5)

Wahrscheinlich ist es das Alter.

Wenn ich die Diskussionen um den Vorschlag der Bundesbildungsministerin, viel Geld für technische Ausstattung in die Hand zu nehmen und auszugeben, so lese, dann fällt mir auf, wie wenig mich die Argumente für und wider noch interessieren. (Ja, die Investitionen sind nötig, möglicherweise sollte endlich das Kooperationsverbot fallen, nein, wenn WLAN installiert wird, sind die Schultoiletten nicht sauberer, das Mobiliar immer noch rott und die Wände versparkt. – Die greisen Lehrervertreter wollen das Geld nicht, weil es Das Böse in die Schulen bringen könnte, die Digitalisierungsapologeten fürchten um ihren Alleinvertretungsanspruch, ihre Exklusivität. Und so weiter. Ja, und so fort.) Das mag – Alter, eben! – damit zusammenhängen, dass ich sie so oder ähnlich schon viele Male gehört habe. Vor allem aber damit, dass sie in ihrer Pauschalität meist ebenso falsch sind wie diese Aussage.

Jede Meinungsäußerung geht vom ureigenen Standpunkt aus, verabsolutiert ihn und sieht nicht die hundertdrei anderen möglichen. Das eigene Fachwissen und die Vertrautheit mit der je eigenen Situation (die Frau Wanka nun einmal nicht kennen kann, und dann können wir ihr mal so richtig zeigen, wie beschränkt so eine Bundesministerin ist und wie unterschätzt und großartig Die Unbekannte Lehrkraft) werden zur Waffe, an deren Macht wir uns berauschen. Dann wird berechnet, wie wenig Geld mehrere Milliarden sind, wenn wir sie auf einzelne Schüler_innen umrechnen – und das gar als ernsthaftes Argument gegen die Investition betrachtet.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass den Schulen das Geld schaden wird. Wenn Ihr es nicht wollt, werdet Ihr es nicht nehmen müssen. Wenn es Geld für unsere Schule gibt, werde ich probieren, etwas für unsere Abteilung abzubekommen und es nach Beratung mit den Kolleg_innen sinnvoll auszugeben. Wir stehen technisch schon ganz gut da. Aber wir könnten noch besser sein. Wir werden auch mit diesem Geld (wie mit früher ausgegebenem) etwas gestalten, was sich in der Praxis bewähren muss. Wir werden uns die Ergebnisse ansehen: mit einigen Lösungen werden wir scheitern, anderes wird echte Verbesserungen bringen. Und so geht’s wieder von vorn los – wir kennen das doch alle vom täglichen Unterrichten, oder nicht?

Mann, Mann, Mann.

Aber wahrscheinlich ist es das Alter.

Gelesen. Brod.

Max Brod: Tycho Brahes Weg zu Gott. Frankfurt am Main: Suhrkamp Taschenbuch, 1978.

(Mein peinlichster Moment damals im Buchhandel: als ich in der Fachbuchabteilung nach einer Monografie über Tycho Brahe gefragt wurde und nicht wusste, wie sein Vorname geschrieben wird. (Nachname reichte zum Glück auch zum Bibliografieren.))

Gelesen. Barker.

Pat Barker: Die Straße der Geister. Übertragen von Matthias Fienbork. München: Deutscher Taschenbuch, 2002.

Wie die Verleihung des Man Booker Prize 1995 andeutet, ist der dritte Band der Trilogie der stärkste – literarisch in der Zeichnung der Figuren, die immer differenzierter wird, sowie in der Verschränkung von Erinnerungen an die anthropologische Forschung Rivers’, in der gerade der Umgang mit Gewalt und Tod eine zentrale Rolle spielte, mit der Kriegserfahrung Priors und Owens, die zum gänzlich unnötigen, aber gesellschaftlich geforderten Tod der beiden führt, und inhaltlich in der Darstellung des Grauens des Ersten Weltkriegs.