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Übersetzung von Graphic Novels – Alison Bechdel.

Die Besonderheiten und Schwierigkeiten des Übersetzens von Comics werden in einem Interview Isabel Bogdans mit Thomas Pletzinger und Tobias Schnettler besprochen – am Beispiel des neuen gezeichneten Romans Wer ist hier die Mutter? der hier geschätzten Alison Bechdel: Wie übersetzt man eigentlich … Alison Bechdel?

Fürstenfelde.

Erfolgreiche Bücher, erzählt man, seien auch auf piratischen Seiten herunterzuladen. Mir tut das leid (für die Herunterlader), denn es macht natürlich viel mehr Laune, das echte Buch zu lesen. Saša Stanišić reagiert auf die Situation bezüglich seines Romans Vor dem Fest folgendermaßen –



– und eröffnet das zum Buch gehörige Blog. Mir ist das sympathisch.

(Ansonsten hoffe ich natürlich, dass Luchterhand den Setzfehler der ersten Auflage, (außer im ersten Kapitel) statt echter Kapitälchen falsche zu nutzen, beizeiten repariert. Ein wesentlicher Grund für das gedruckte Buch ist die Herstellungsqualität, zu der auch die Einhaltung typografischer Standards gehört …)

Gelesen. Loest.

Erich Loest: Nikolaikirche. München: Deutscher Taschenbuch, 1997.

Mitbringsel aus der Connewitzer Verlagsbuchhandlung. Konnte mich wegen akuter Literaturüberlastung und Zeitmangels für gar nichts entscheiden, als ich kürzlich dort stöbern durfte – habe dann den Loest mitgenommen, weil ich Nikolaikirche schon immer mal lesen wollte. Hat sich aber nicht bewährt: sozialistischer Realismus, angewandt auf das Rumoren vor 1989 und – vor allem – die Reaktion der Vertreter der sichernden Organe: das verspricht nicht nur literarische Langeweile, das erfüllt die Norm auch noch.

Muss also nochmal nach Leipzig, was Gutes kaufen.

Thomas Bader (1942–2014).

Thomas Bader ist tot.

Er war der Inhaber der – nein, er war die Freiburger Buchhandlung zum Wetzstein, über die ich hier schon einmal schrieb. Ein Buchhändler vom alten Schlag. Der, der mich zum Buchhändlern brachte und nach wie vor das Idealbild der anderen, der Literatur und Ästhetik verpflichteten Buchhandlung prägte, fern dem Mainstream, in der eigenes Wissen und Können Sortiment wurde, stets klar und wach im Urteil, bei allem Traditionsbewusstsein auch immer wieder neugierig und daher für die Kunden anregend.

Danke, Herr Bader.

Gelesen. Hanff.

Helene Hanff: 84 Charing Cross Road. Übertragen von Rainer Moritz. Hamburg: Atlantik, 2014.

Ein Buch für Leser, die nachempfinden möchten, wie es war, als 1949 ff. eine an Literatur und schönen Büchern interessierte Amerikanerin ein englisches Antiquariat anschrieb, um fürderhin über 20 Jahre Bücher von dort zu beziehen, weil die heimischen Ausgaben ihr zu schlampig hergestellt erschienen. Über eine Buchsendung freut sie sich zum Beispiel so:

[…] die Stevenson-Ausgabe ist so schön, dass sie mein Bücherregal aus Orangenkisten beschämt. Ich fürchte mich fast davor, solche schweren cremefarbenen Velinseiten anzufassen. Da ich an das kalte weiße Papier und an die steifen Pappumschläge amerikanischer Bücher gewöhnt bin, wusste ich gar nicht, was es für eine Freude sein kann, ein Buch zu berühren. [Ebd., 9]

Der Briefwechsel, zuerst steif und förmlich, wird rasch vertrauter und freundschaftlicher, weitet sich schließlich auf die Familien der Angestellten des Londoner Antiquariats aus, endet dann aber leider mit der Auflösung der Firma.

Eine angenehme Lektüre, die bei aller Leichtigkeit unsere Art mit Büchern zu handeln (und vielleicht auch unsere Art zu kommunizieren und zu leben) in Frage stellt.

In einer hübschen Neuausgabe erschienen bei Atlantik, einem Imprint von Hoffmann und Campe.

Buch bei Amazon angucken.

Was ist eine berufliche Schule?

Anlässlich mir gerade wieder zu Ohren gekommener Missverständnisse stelle ich fest, dass offenbar gerade unter Kolleginnen und Kollegen am Gymnasium unzutreffende Vorstellungen existieren, was denn nun so eine Berufliche Schule sei. Das ist verständlich, weil Gymnasiallehrer, die sich nicht unterwegs mal verirren, im Regelfall nur Gymnasium und Universität kennen lernen. So ähnlich ging es mir auch: als nach meiner Ausbildung zum Gymnasiallehrer keine Stellen mit meiner Fächerkombination frei waren, bewarb ich mich an meiner jetzigen (beruflichen) Schule, kannte das System aber gar nicht. Als ich dann eingestellt wurde, brauchte ich so einige Zeit, bis ich die Strukturen überblicken konnte.

Ich möchte daher hier kurz einmal vorstellen, wie eine solche Schule aufgebaut sein kann, und ich werde immer wieder auf unsere Schule zurückgreifen (und auf diese verlinken, stelle aber ausdrücklich fest, dass dieser Artikel keine offizielle Information darstellt!): zum einen, weil ich sie am besten kenne, vor allem aber, weil sie als Schule im ländlichen Raum nicht so stark spezialisiert ist wie so manche großstädtische Schule und daher vielgestaltiger ist als diese.

Unsere Schule beispielsweise versammelt unter ihrem organisatorischen Dach in vier Schulgebäuden (ein Hauptstandort und drei Außenstellen (500 m, 6 bzw. 35 km entfernt)):

  • die eigentliche Berufsschule für gewerbliche oder kaufmännische Berufe (verpflichtender Unterricht, den die Auszubildenden während ihrer dualen Berufsausbildung besuchen – entweder an ein bis zwei Berufsschultagen pro Woche oder aber im Blockunterricht für 5 oder 6 Wochen pro Schulhalbjahr)

  • berufsvorbereitenden Unterricht (z. B. für schulpflichtige S, die bislang noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben (Ausbildungsvorbereitendes Jahr) und für S, die das erste Ausbildungsjahr ganz in der Schule verbringen (Berufsgrundbildungsjahr))

  • Berufsfachschule Typ I (ein- bzw. zweijährige fachbezogene Schulbildung für S mit Hauptschulabschluss, die zum Mittleren Schulabschluss führen kann)

  • Berufsfachschule Typ III (zu Berufsabschlüssen führende fachlich ausgerichtete schulische Bildungsgänge, deren Voraussetzung entweder der Hauptschul- oder der Realschulabschluss ist)

  • Fachoberschule (Klasse 12) (führt für S mit besonderen Eingangsvoraussetzungen zur Fachhochschulreife)

  • Berufliches Gymnasium (führt die S, die eine Sekundarstufe I absolviert haben, zum Abitur, also zur Allgemeinen Hochschulreife)

  • die Berufsoberschule (13. Klasse) führt zu einer fachgebundenen, unter bestimmten Bedingungen auch zur allgemeinen Hochschulreife

Daneben existieren noch kleinere Bildungsgänge, zum Beispiel Abendunterricht für Auszubildende, die sich während ihrer Ausbildungszeit die Fachhochschulreife erarbeiten.

Die Lehrkräfte unterrichten nie in allen Schularten, sondern stets nur in zweien oder dreien – beispielsweise arbeite ich seit einigen Jahren mit einem Schwerpunkt auf meinen Fächern Deutsch und Philosophie am Beruflichen Gymnasium (das ist ausschließlich Sekundarstufe II, also Oberstufe), aber weiteren Stunden im Berufsschulunterricht, vor allem für Buchhändler an der Landesberufsschule (Blockunterricht für alle Buchhandelsauszubildenden Schleswig-Holsteins).

Der größte Teil der Lehrkräfte an berufsbildenden Schulen hat einschlägige berufliche Vorbildung, also im Regelfall mindestens eine Ausbildung absolviert, deshalb sind unsere Referendarinnen und Referendare meist auch ein paar Jahre älter als die an allgemeinbildenden Schulen. Daneben gibt es so einige Seiteneinsteiger, die ursprünglich beispielsweise aus technischen oder naturwissenschaftlichen Studiengängen stammen und danach häufiger mehrere Jahre in der sogenannten freien Wirtschaft arbeiteten. Gerade am Beruflichen Gymnasium ist der Anteil der Lehrkräfte, die ursprünglich für das Lehramt am Gymnasium studierten, sehr hoch.

Habt Ihr noch Fragen?