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Doctorows »Little Brother« und die Schule

Herrn Raus Artikel »Cory Doctorow, Little Brother« kommentierte ich

»Ist 8 zu früh?« – Ich befürchte das, ja. Kind 2 (just 8. Klasse) liest es hier zuhause gerade (und ist angetan), aber ich habe schon vorher überlegt, ob’s die richtige Lektüre ist. Nicht so sehr wegen der oben genannten Bedenken, sondern eher wegen der Darstellungen staatlicher Gewalt (bis hin zum Waterboarding), die, wie wir wissen, nicht unrealistisch sind, als verbindliche Lektüre aber zu Problemen führen können. Die anderen Schwächen des Buches halte ich des aufklärerischen Impetus wegen – denn der steht im Vordergrund und nicht das Literatur schaffen Wollen – für verzeihlich.

Nicht-viel-Leser unter den S werden aber vermutlich eher überfordert sein, und da hilft es vermutlich auch wenig, dass die meist weniger lesenden Jungs durch Technikbeschreibungen geködert werden.

Vielleicht nicht als Klassenlektüre, sondern als eines von mehreren Büchern zur Auswahl in Gruppen zu lesen und zu präsentieren (o. ä.)?

Dienstherr und Lehrkraft …

Zu Tom Jorks Artikel Von Wut und Protest und Demotivation kommentierte ich in etwa:

Du schriebst: »Das Schul-”Leben” käme zum erliegen, wenn Lehrer nur noch “Dienst nach Vorschrift” täten. Und genau diese Konsequenz muss allen klar gemacht werden, die mit ihrer Politik jede Motivation und Identifikation mit dem Schulbetrieb zu ersticken versuchen, indem sie demotivieren.« –

Das haben wir uns auch gedacht, als in Schleswig-Holstein Ende der 90er Jahre (ich war gerade im Referendariat und betrachtete das Ganze daher eher noch von außen) ein “KLAUS” genanntes Maßnahmenpaket, das die Lehrkräfte als nachteilig empfanden, ins Werk gesetzt wurde, und beschlossen, keine Sonderleistungen mehr zu erbringen.

Was wir allerdings gemerkt haben: dass Schule auch den Lehrkräften nur Freude bereitet, wenn sie mehr tun als sie müssen. Der Beschluss der Lehrerkonferenz, nurmehr Dienst (nach Vorschrift) zu tun und sich nicht mehr zu verausgaben, wurde daher in der Praxis von eben den Lehrkräften, die ihn, wenn ich mich recht erinnere, mit großer Mehrheit gefasst hatten, ignoriert.

Die Ministerien wissen und verlassen sich darauf, dass Lehrkräfte immer mehr tun werden als sie müssen. Wir sind eben stets nur Revoluzzer.

Gelesen. Handke.

Peter Handke: Der kurze Brief zum langen Abschied. Frankfurt am Main: Suhrkamp Taschenbuch, 1974.

Einen wahrlich guten Text Handkes las ich in meiner Schulzeit einmal, denn dieses Buch stand in der Bücherei, die ich meist mehrmals wöchentlich aufsuchte; ganz kurz war er, eine »Prüfungsfrage« für ein juristisches Examen imaginierend, und es lohnt sich für dich, nach ihm zu suchen, denn er steht für Einiges, was Literatur ausmacht und was ich in fast allen späteren und anderen Texten Handkes, die ich las, vermisste, obwohl andere Qualitäten nicht abzustreiten waren.

Hier: Re-Lektüre wegen eines der Erwähnung des Titels in der Beschreibung eines Bildes, das ich für eine Folie brauche, die die Buchhändler zur Unterfütterung warenkundlichen Wissens im Bereich Kunst zu sehen bekommen werden …