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Herbstlauf.

Ich hab’s ihm ja schon erzählt: wenn man dieser Tage in unserer Gegend auf nassen Wegen übers Land und zwischen den Feldern läuft, die Sonne gleißt ein herbstlich gefärbtes Sein, die Luft ist nach dem gestrigen Regen (und weil der Winter naht) so kühl und frisch wie lange nicht mehr, dann möchte man eigentlich gar nicht aufhören mit dem Laufen (nimmt dann aber doch eine Abkürzung, weil Volker zum 11-Uhr-Tee kommt).

(Dass der Herbst in der Literatur immer für das nahende Ende, den bedrohlichen Niedergang o. ä. steht, ist ja auch vollkommen falsch. Schreibt mal wer rasch eine Rehabilitation des Herbstes?)

[…] und die Freude, die mich dabei erfüllte, war so brennend und traf mich mit solcher Wucht, dass sie sich von Schmerz nicht unterscheiden ließ. Was ich erlebte, schien mir von immenser Bedeutung zu sein. Immenser Bedeutung.

(S. 290 in Knausgårds Sterben, das ich gerade (fälschlicherweise nach Lieben, dem ich aber zuerst begegnete) lese, weil Matthias freundlicherweise auf sein Erstleserecht verzichtet.)

Gelesen. Lyon/Bauman.

Zygmunt Bauman und David Lyon: Daten, Drohnen, Disziplin. Berlin: Suhrkamp, 2013.

Auch wenn mir David Lyon in diesem E-Mail-Interview ein wenig zu beflissen virtuell bauchpinselnd um Zygmunt Bauman herumtänzelt, ist das Büchlein derzeit durchaus lesenswert.

Bei Amazon angucken (Schwenzelscher Werbelink).

(Ich habe es übrigens zufällig während der Suche nach etwas völlig anderem bei meinem örtlichen Buchhändler gefunden und weiß schon, warum ich möglichst häufig innerlich scheubeklappt auf geradem Wege Richtung Abholfach steuere.)

Zehn Minuten Kränzler.

Auf unserer Fachverbandstagung »Schreiben. Neue Aufgabenformate im Abitur und der Weg dorthin« habe ich als Empfehlung an die werten Kolleginnen und Kollegen ein Kurzreferat zu Lisa Kränzlers Nachhinein gehalten. Das Papier findest Du hier.

Der Lauf um den See musste sturmfolgenbedingt leider verlegt werden: zu viele Bäume lagen noch quer über den Weg …

Buchhändler meines Vertrauens (1).

Timo Off hat mal zur Blogparade aufgerufen, und da gerade unterrichtsfreie Zeit ist war (Herbstferien haben nur Schülerinnen und Schüler, denn irgendwer muss ja die 19 Gedichtinterpretationen (Deutsch) und 39 Essays (Philosophie) durchsehen und benoten sowie sich auf die neue Unterrichtseinheit zu Christa Wolfs Medea. Stimmen vorbereiten), fühle ich mich gemeint.

Meine ersten Bücher wurden mir nicht in städtischen Buchhandlungen, sondern eher in dörflichen Schreibwarenläden gekauft. Es waren meist fragwürdige Inhalte, illustriert mit Bildern, deren dem Zeitgeschmack entsprechende wuchtige Niedlichkeit im Angesicht heutiger Kinderbücher kaum mehr vorstellbar ist. Nicht Oetinger, sondern Pestalozzi, Boje oder PEB stand auf den meisten dieser Bücher, wenn überhaupt ein Verlag genannt wurde; auch Pixi-Bücher gab es.

Meine liebste Buchhandlung war dann im Grundschul- und frühen Sekundarschulalter die Buchabteilung bei Karstadt (vor dem Aufkommen der Filialisten übrigens größte Buchhandlung Deutschlands), denn dort waren stets alle Reihen der Schneider-Bücher verfügbar, die Serie Geheimagent Lennet des geheimnisvollen Leutnant X ebenso wie Jo Pestums Kinderkrimis um Privatdetektiv Luc Lucas. Beratung war in dieser Zeit für mich nicht notwendig, alle für mich interessanten Reihen kannte ich, und da die für mich adäquaten Titel durch blaue Rückenbeschriftung (die Mädchenbücher trugen rosarot) gekennzeichnet waren, war die Gefahr des Fehlgriffs klein (die Mädchenserien Dolly, Tina und Tini, Trixie Belden, Hanni und Nanni las ich dann in den Sommerferien bei meiner Cousine).

Die Buchhandlungen meiner Schulzeit waren dann vor allem die Buchhandlung Schneider sowie Lipsius & Tischer in Kiel, die es inzwischen beide nicht mehr gibt – einer der Gründe für diese Entwicklung ist sicher die damalige Buchhandlung Weiland (heute Hugendubel), die den Filialbuchhandel nach Kiel brachte und es mit damals gänzlich ungewohnten Flächen am Alten Markt den alteingesessenen Buchhändlern schwer machte ... Beratung allerdings brauchte ich immer noch nicht, denn das Stöbern in einer Menge von Büchern ist das eine Entscheidende, Ratschläge von Freunden das andere.

Wie besonders eine Buchhandlung sein kann, habe ich in der Freiburger Buchhandlung zum Wetzstein erfahren, in der ich für meine Zeit im Süddeutschen Stammkunde war: eine Buchhandlung mit klar literarischer und allgemein geisteswissenschaftlicher Ausrichtung mit (für mich zu) hochpreisigem Antiquariat (aber ohne Kochbücher, medizinische Ratgeber und ähnliche Bereiche), in der ich Ransmayrs Die letzte Welt und Arno Schmidts Romane in den schönen Ausgaben bei S. Fischer entdeckte (hier ein paar fotografische Eindrücke). Was im Wetzstein in den Regalen stand, war lesenswert, dessen konnte man gewiss sein – und mehr als einmal habe ich erlebt, wie Kunden, die beispielsweise nach nicht ins Sortiment passenden Schmonzetten aus Bestsellerlisten fragten, freundlich, aber bestimmt an Rombach, Walthari und andere Mitbewerber verwiesen wurden. Auch hier schätzte ich in erster Linie die Zurückhaltung des Inhabers Thomas Bader, der zwar sehr genau wahrnahm und sich merkte (vor den Tagen von Warenwirtschaftssystemen und Kundendatenbanken), welche Vorlieben die letzten Lektüren prägten und durch gezieltes Vorlegen von ein, zwei Titeln diese Vorlieben stärken oder einen passenden Anstoß in eine andere Richtung geben konnte, im Regelfall aber schlicht durch die Auswahl des Sortiments, mithin die Bestückung der Regale und Auslagetische wirkte: der gute Buchhändler feilt mit jeder Bestellung fürs Sortiment an der Profilierung desselben; um aber dergestalt ein gutes Sortiment zusammenstellen zu können, braucht man ein profundes Wissen und großes Interesse an den jeweiligen Spezialthemen. Der Kunde kann in einer solchen Buchhandlung folglich ohne Beratung bleiben und stöbern, denn es gibt zwar Bücher, für die er sich derzeit nicht interessiert – aber keinen Mist. Übrigens wurde in dieser Buchhandlung Pfeife geraucht.

(Teil 2 folgt mal bei Gelegenheit, aber da die unterrichtsfreie Zeit – husch! – schon wieder vorbei ist, will ich vorm Einsendeschluss zumindest einen ersten Teil liefern.)

Hamburg.

2013-10-19_145251 Gestern wurden wir von einem freundlichen einheimischen Paar durch ausgewählte Teile Hamburgs geführt.

Haben bei Violas Gewürze berochen (der Laden funktioniert so fantastisch wie es die Website derzeit nicht tut), bei Mutterland reingeschaut, in der Kaffeerösterei Burg Schokolade eingekauft und derlei mehr. Die Grindelhochhäuser (aus der Ferne) und das umgebaute Straßenbahndepot (aus der Nähe) beguckt. Eine Buchhandlung besucht: Stories – ein feines Sortiment (gleich wieder einige Titel gemerkt, die dringend gelesen werden, aber leider noch warten müssen), an dem der Vorgang des für die Kunden Auswählens spürbar wird (alles perfekt gestylt – auch die Website).

2013-10-19_151132 Nach U-Bahn-Fahrt ins Schanzenviertel die Rote Flora mal in echt und nicht nur in der taz gesehen, auf der Grenze zwischen Altona und Hamburg gestanden. Zwischendurch im Schanzenstern einfach und gut gegessen. Auf dem Gartendeck wird nicht nur Kind 1 deutlich: selbst das Gärtnern ist in Vierteln wie diesen politisch (anderswo natürlich genauso, nur ist es dort nicht ganz so offensichtlich) – ebenso wie die Aufnahme von Flüchtlingen nebenan. Mit dem Schiff noch nach Finkenwerder und zurück gefahren. Hamburg hat schon was.

Apfelernte.

Da wir noch Apfelmus aus dem letzten Jahr haben und für die Eigenverwertung als Apfelkuchen noch genügend übrig bleibt, habe ich heute 47 Kilo Äpfel zum Mosten gebracht und Apfelsaft geholt.