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Hofstadter-Lektüre.

Zu Thomas Raus Artikel über Gödel, Escher, Bach schrieb ich:

Oh ja, ich erinnere mich (und habe von verschiedenen Lektürevorgängen nach wie vor einige Merk- und Lesezeichen in meinem Exemplar) sowohl an begeistertes Entdecken mir bislang fremder Denkgebiete als auch fast ebenso begeistertes Nochnichtverstehen (und einige von der gemeinsamen Lektüre angestoßene Gespräche). Der Schutzumschlag allerdings kommt mir unbekannt vor – kann es ein, dass Deine Ausgabe nicht die Verlagsausgabe bei Klett-Cotta, sondern eine Buchclubausgabe ist?

Schriftsteller gegen Überwachung.

Unter dem Motto »Die Demokratie verteidigen im digitalen Zeitalter« sprechen sich Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus aller Welt gegen die Überwachung aus:

Ein Mensch unter Beobachtung ist niemals frei; und eine Gesellschaft unter ständiger Beobachtung ist keine Demokratie mehr. Deshalb müssen unsere demokratischen Grundrechte in der virtuellen Welt ebenso durchgesetzt werden wie in der realen.

Auch Du kannst den Aufruf lesen und solltest unterzeichnen.

Warum es trotzdem sinnvoll ist, dem Koalitionsvertrag zuzustimmen.

In meiner Partei stellt sich den Genossinnen und Genossen nach Abschluss der Verhandlungen die Frage, ob sie denn dem zwischen CDU, CSU und SPD ausgehandelten Koalitionsvertrag zustimmen sollten oder nicht.

Dagegen sprechen erhebliche Bedenken, weil kaum eine der Forderungen der SPD ungerupft die Koalitionsküche verließ. Am Beispiel des der Partei besonders wichtigen Mindestlohnes ist dies zu zeigen: er wird nicht sofort (oder mit Beginn des Jahres 2014), sondern erst 2015 eingeführt, zudem gilt eine Übergangsfrist, in der die Tarifpartner über die Lohnhöhe entscheiden, bis dann schließlich 2017 der Mindestlohn von 8,50 € (die dann weniger wert sein werden als heute) gelten soll. Das ist alles nicht gut. Aber: wenn wir nicht zustimmen, wird es diesen Mindestlohn gar nicht geben.

So wie in Bezug auf diese Regelung ist es mit allen Forderungen der SPD: entweder wir akzeptieren die Kompromissformel oder wir erhalten gar nichts. Ich halte den Kompromiss, den Sigmar Gabriel und seine vielen Mitstreitenden ausgehandelt haben, für alles andere als großartig – aber für eine Partei, die bei der letzten Wahl nur knapp 26 % der Wählerstimmen hat einsammeln können, für ordentlich.

Jeder, der politisch tätig ist und nicht nur an den Handelnden herummäkelt, weiß, dass in der Politik nie das Maximum erreicht wird (und wenn ich mir die vergangenen Jahre so ansehe, bin ich häufiger sehr froh darüber gewesen), sondern immer nur ein Machbares. Das für die SPD unter den gegenwärtigen Bedingungen Machbare steht im Koalitionsvertrag; wir sollten ihn daher absegnen.

Dass die Regierung von uns trotzdem Gegenwind bekommen muss, ist klar: Vorratsdatenspeicherung geht gar nicht, die Energiewende muss ebenso beschleunigt werden wie die Inkraftsetzung einer Finanztransaktionssteuer, die Überwachung muss breit gesellschaftlich thematisiert und schließlich untersagt werden etc. – viele, viele kleine und große Themen sind es, die viel zu zaghaft angefasst wurden und die eine Forcierung verdienen. Aber wenn die öffentliche Meinung dies verdeutlicht, wird sich Frau Merkel danach richten.

Würde der Koalitionsvertrag nicht angenommen werden, müsste die SPD in die Opposition gehen (Wozu? Wir wollen doch gestalten, nicht maulen!), denn eine rot-rot-grüne Koalition ist unter anderem aufgrund vorheriger Aussagen nicht möglich. Die CDU würde allein regieren (nichts würde besser, alles schlechter als im Koalitionsvertrag) oder sich einen anderen Partner wählen (siehe Hessen). Zudem müsste sich die SPD eine neue Spitze suchen. Im Falle einer Neuwahl hätte die SPD schlechtere Chancen als bei der letzten Wahl.

Auch wenn das Herz dagegen sprechen mag – die politische Vernunft stimmt für die große Koalition.

Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD.

Der Koalitionsvertrag kann nun gelesen werden.

Juli Zeh hat schon mal das Notwendige zu den dort niedergelegten Absichten zur Vorratsdatenspeicherung gesagt.

Dass es ein Verfassungsgerichtsurteil gegen die Vorratsdatenspeicherung gibt, scheint die Koalitionäre nicht zu stören.

Gelesen. Ortkemper.

Hubert Ortkemper: Medea in Athen. Die Uraufführung und ihre Zuschauer. Frankfurt am Main: Insel, 2001.

Dass das vor zwei Wochen in der Buchhandlung bestellte Werk, obschon bereits 2001 aufgelegt, noch immer in der (sicher nicht üppig bemessenen) ersten Auflage erhältlich ist, zeigt, wie groß das Interesse ist …

Da ich gerade in meinem Deutschkurs Christa Wolfs Medea. Stimmen unterrichte, lese ich mich mal wieder ein wenig in die Umgebung ein. Natürlich sollen die S des Kurses mit erhöhtem Anforderungsniveau auch die Medea des Euripides lesen, und dessen Uraufführung im Jahr 431 (vor unserer Zeitrechnung) wählt Ortkemper zum Ausgangspunkt für eine Untersuchung athenischen Lebens der Zeit. Fast nebenbei liefert er eine gut lesbare Übersetzung der Medea, die immer wieder unterbrochen wird von kurzen Kapiteln über einen (meist im Text erwähnten) Aspekt des damaligen Alltagslebens und eine damit verbundene historische Person – einen der Zuschauer der erwähnten Premiere.

Kapiteltitel lauten dann zum Beispiel »Perikles oder Die Politik«, »Alkibiades oder Die Jugend«, »Herodot und Thukydides oder Die Geschichte« und so fort. Neben der Einfühlung in die Stimmung und Lebensweise sowie der Lieferung historisch belegter Fakten trägt Ortkemper durch kenntnisreiche Auswahl von Anekdoten und Ausschnitten aus literarischen und philosophischen Werken der griechischen Antike zur Verdeutlichung des Bildes bei.

Kein »spannendes«, kein Buch, das man nicht auch mal weglegen könnte, keines, das einen vom Nachtschlaf abhielte. Aber eines, das ganz unspektakulär viel, viel Wissen ausbreitet für den, der lernen möchte.

Buch bei Amazon angucken.

Herbstlauf.

Ich hab’s ihm ja schon erzählt: wenn man dieser Tage in unserer Gegend auf nassen Wegen übers Land und zwischen den Feldern läuft, die Sonne gleißt ein herbstlich gefärbtes Sein, die Luft ist nach dem gestrigen Regen (und weil der Winter naht) so kühl und frisch wie lange nicht mehr, dann möchte man eigentlich gar nicht aufhören mit dem Laufen (nimmt dann aber doch eine Abkürzung, weil Volker zum 11-Uhr-Tee kommt).

(Dass der Herbst in der Literatur immer für das nahende Ende, den bedrohlichen Niedergang o. ä. steht, ist ja auch vollkommen falsch. Schreibt mal wer rasch eine Rehabilitation des Herbstes?)

[…] und die Freude, die mich dabei erfüllte, war so brennend und traf mich mit solcher Wucht, dass sie sich von Schmerz nicht unterscheiden ließ. Was ich erlebte, schien mir von immenser Bedeutung zu sein. Immenser Bedeutung.

(S. 290 in Knausgårds Sterben, das ich gerade (fälschlicherweise nach Lieben, dem ich aber zuerst begegnete) lese, weil Matthias freundlicherweise auf sein Erstleserecht verzichtet.)

Gelesen. Lyon/Bauman.

Zygmunt Bauman und David Lyon: Daten, Drohnen, Disziplin. Berlin: Suhrkamp, 2013.

Auch wenn mir David Lyon in diesem E-Mail-Interview ein wenig zu beflissen virtuell bauchpinselnd um Zygmunt Bauman herumtänzelt, ist das Büchlein derzeit durchaus lesenswert.

Bei Amazon angucken (Schwenzelscher Werbelink).

(Ich habe es übrigens zufällig während der Suche nach etwas völlig anderem bei meinem örtlichen Buchhändler gefunden und weiß schon, warum ich möglichst häufig innerlich scheubeklappt auf geradem Wege Richtung Abholfach steuere.)