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Auseinandersetzung um Lehrkräfteausbildung in Schleswig-Holstein.

Unsere Ministerin für Bildung und Wissenschaft hat einen Entwurf eines Lehrkräftebildungsgesetzes Schleswig-Holstein (LehrBG) vorgelegt.

Unser Landesverband Schleswig-Holstein/Hamburg des Fachverbands Deutsch im Deutschen Germanistenverband hat dazu eine klare Einstellung: Deutschlehrer fordern differenzierte Lehrerausbildung – der Germanistenverband wendet sich gegen das Einheitslehrer-Konzept der schleswig-holsteinischen Landesregierung.

Gelesen. Barker.

Pat Barker: Tobys Zimmer. Übertragen von Miriam Mandelkow. Zürich: Dörlemann, 2014.

In zwei Abschnitte ist das Buch geteilt: einen, 1912 spielend, in dem die eines Tages über das Erlaubte hinausgehende Liebe der jungen Malerin Elinor Brooke zu ihrem Bruder Toby geschildert wird, und einen zweiten, in dem Elinor 1917 erfährt, dass ihr Bruder als »vermisst, vermutlich gefallen« wohl nicht aus dem Krieg zurückkehren wird. Um seinen Tod rankt sich ein Geheimnis, das nach und nach aufgedeckt wird.

Thematisiert werden neben psychischen Verwerfungen, die das Ereignis zwischen den Geschwistern mit sich bringt, die Ausbildung Elinors, ihre Selbstwerdung (zu der natürlich das jungenhafte Kürzen der Haare, aber eben auch ein allgemein damals für Frauen ungewöhnlich selbstbewusstes Auftreten gehören), die freundschaftlichen und amourösen Beziehungen, in denen sie sich bewegt, die Ausbildung Elinors an der Kunstschule Slade, vor allem aber auch Elinors Umgang mit Tobys Tod.

Mir scheinen diese Aspekte teilweise recht formlos nebeneinander zu stehen, obwohl sie für sich genommen stilistisch fein ausgeführt sind; offenbar aber ist dieses Buch als einzelnes aber gar nicht abschließend zu beurteilen, denn es bewegt sich in einem in den Werken Barkers öfter besuchten Figurenkosmos (Elinor und ihr Freund Paul beispielsweise spielen auch in Life Class wichtige Rollen), und auch der Erste Weltkrieg als lebensbedeutsamer Einschnitt wurde schon in früheren Werken Barkers in Zentrum gestellt. Es gälte also im Umkreis weiter zu lesen.

Schon im Nachwort der Autorin findet sich ein Hinweis auf den im Buch fiktionalisierten, aber tatsächlich existenten Kunstlehrer an der »Slade School of Fine Art«, Henry Tonks, dem sie später in einem Hospital wieder begegnet, in dem vor allem Gesichtsverletzungen von Kriegsopfern behandelt werden. Hier dokumentiert er zeichnerisch, was junge Männer sich im Krieg gegenseitig antaten. Zeichnungen des realen Tonks finden sich [nur klicken, wenn du weißt, was du tust] hier.

(Abbildungen wie diese, allerdings in fotografischer Form in Ernst Friedrichs Krieg dem Kriege, ließen mich den Kriegsdienst verweigern. Es sollte uns mit Sorge erfüllen, dass das Buch, nachdem es jahrzehntelang immer wieder neu aufgelegt wurde, momentan, da gelangweilte Zeitgenossen angesichts der Krise in der Ukraine einen dritten Weltkrieg herbeifaseln wollen, nicht lieferbar ist.)

Doch auch literarische Spuren werden in verschiedenste Richtungen gelegt; so ist schon der Titel eine Reminiszenz an Virginia Woolfs Jacobs Raum (in dem Erinnerungen an Woolfs Bruder Thoby (!) verarbeitet werden), die Bloomsbury Group findet sich auch in Anspielungen wieder. Das Antigone-Motiv spielt ebenso eine Rolle wie das des Inzests, zu Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit gibt es eine Verbindung, und letztlich hat die Handlung eben auch etwas Kriminalistisches.

Es bleibt zu hoffen, dass Dörlemann mehr von Barker übersetzen lässt.

Buch bei Amazon angucken.

Erörterungen im Deutschunterricht (und im Abitur).

Zu Thomas Raus Artikel Mit dem Erörtern werde ich nicht richtig warm schrieb ich in etwa:

Gehe mir Deiner Haltung zum Thema völlig d’accord. Im Zentralabitur hatten wir als Lehrkräfte die zwei Alternativthemen auszuwählen, zwischen denen die S ihrerseits wählen durften. Das moderne-Medien-Essaythema (genauer: Fernsehen vs. YouTube) haben wir sofort ausgeschlossen, dafür u. a. das Goethes Faust betreffende ausgewählt. Zwar scheint zunächst einmal Faust schwieriger als der modernde-Medien-Kram, doch bei Faust wissen wir unsere S durch Wissen und Verständnis gewappnet: das Thema ist vorbereitet, sie haben gelernt und sie sollten Gutes schreiben können. Zu YouTube vs. Fernsehen, aus dem hohlen Bauch behandelt, wird es schwierig für die S, wirklich Sinnvolles zu schreiben, das über eigene Befindlichkeiten hinausgeht …

Virtuelles Museum der deutsch-dänischen Grenzregion.

Nach Renovierung neu eröffnet wurde das Virtuelle Museum der deutsch-dänischen Grenzregion, das nach Zielgruppen (z. B. Touristen, Schülerinnen und Lehrkräfte) und thematisch geordnet (z. B. Gesellschaft oder Kultur) den Zugriff auf informierende Texte und digitalisierte historische Zeugnisse eines früher zwischen Dänemark und Deutschland umkämpften Landstrichs erlaubt.

Das Ganze gibt’s natürlich auch auf Dänisch.

Übersetzung von Graphic Novels – Alison Bechdel.

Die Besonderheiten und Schwierigkeiten des Übersetzens von Comics werden in einem Interview Isabel Bogdans mit Thomas Pletzinger und Tobias Schnettler besprochen – am Beispiel des neuen gezeichneten Romans Wer ist hier die Mutter? der hier geschätzten Alison Bechdel: Wie übersetzt man eigentlich … Alison Bechdel?