Skip to content

Gelesen. Taylor.

Dennis E. Taylor: We are Legion. (We are Bob). Worldbuilders, 2016.

Selbstreplizierende virtuelle Entität in Raumschiff (brain in a flying vat) entdeckt fremde Welten, hilft nach dem großen Showdown übrig gebliebenem kleinen Teil der Menschheit beim Finden einer Ersatzwelt, spielt anderswo Gott für eine Horde frühhumanoider Wesen … amüsante Science-fiction mit ausführlichen popkulturellen Referenzen.

Brodowin.

Die Herbstferien nutzten wir unter anderem auch für einen Aufenthalt von drei Nächten in der Schorfheide – ganz abgesehen davon, dass wir in der Nähe Verwandte besuchen wollten, ist die Schorfheide nicht zu weit weg, zudem alles andere als überlaufen.

2018-10-05_100340
 

Wir lasen vom Ökodorf Brodowin, wo wir auf jeden Fall unser Lager aufschlagen wollten, und fanden dort Unterkunft in der Ferienwohnung von Siegi’s Landhauspension (nur echt mit Apostroph), die wir schon mal weiterempfehlen können. Besonders gefallen hat uns der hochterrassenartige Balkon, von dem aus man morgens früh schon, mit einem Tee am Tisch sitzend, über die Apfelbäume des Gartens blicken und den Duft des Herbstes spüren kann. Siegis Mann wiederum presst aus diesen Äpfeln (Ontario und Boskop) einen großartigen Apfelsaft, der geschmacklich geradezu überwältigt. Der nächste Geldautomat (für die Barzahlung der Unterkunft) ist übrigens in Angermünde.

2018-10-05_100637
 

In Brodowin selbst ist zur Nachsaison natürlich nichts los; der lebendigste Teil und Kernstück ist der Hofladen der ehemaligen LPG, nach der Wende umgewandelt in eine Genossenschaft, nach und nach zu einem Vorzeigebetrieb nach Demeter-Standard aufgebaut, der wesentlich für eine ökologisch verträgliche Landwirtschaft im Einklang mit Erfordernissen des Naturschutzes steht und damit die Umgebung des Dorfes prägt. Andere Betriebe haben sich ähnlich ausgerichtet; die Marke Ökodorf Brodowin steht sowohl für die dort erzeugten Produkte als auch für das Dorf insgesamt, in dem (und in dessen Umgebung) die Ökodichte deutlich höher ist als provinzüblich; ein wenig fühlten wir uns an Dörfer im Wendland erinnert. – Und nein, im Schwarzen Adler, der Dorfgaststätte, gibt’s nach 18 Uhr (zumindest für uns überraschend) nix mehr. Gut, dass wir uns vorher im Hofladen mit Brot, Käse und Tee eingedeckt hatten.

2018-10-05_103233
 

Eine der schönsten Wanderungen dort ist sicher die zur Klosterruine Chorin – auf dem Hinweg über die alte Amtsstraße, auf dem Hinweg durch einen dichten Buchenwald (okay, ein paar Eichen und andere Sorten sind auch dabei), auf dem Rückweg über Theerofen durch einen Kieferforst:



Man kann auf der Wanderung auch einen Abstecher in den Ortskern Chorins machen, um dort vielleicht eine Flasche Mineralwasser erwerben zu wollen, wird allerdings erleben, dass Chorin selbst eine konsumfreie Zone ist.

2018-10-07_092747
 


Empfehlenswert ist ein Ausflug nach Eberswalde, eine Stadt, in dem wir ebenfalls Anflüge positiver Gestaltung und erfreuliche Zeichen alternativer Kultur und bewussten Wirtschaftens – beispielsweise der Regionalladen Krumme Gurke – bemerken konnten. Die dort unter anderem erworbenen Senfgurken Schwabecker Gold hatte ich ganz vergessen – werden heute probiert sind köstlich! Erst beim Nachlesen habe ich erfahren, dass es in Eberswalde eine Hochschule für nachhaltige Entwicklung gibt, deren Einfluss man deutlich bemerkt.

2018-10-06_111428
 

Als Abschlusswanderung sind wir am Abreisetag noch die Runde um die Brodowiner Seen spaziert, eine Strecke, die ich an einem Morgen zuvor auch gelaufen war.

Album Brodowin und Umgebung.

Mal wieder Herrndorf.

Ich halte diese neumodisch funktionierenden Websites, die aus einer einzigen langen Seite bestehen, die in einem fort nach oben weggewischt werden muss, ja für wirklich doof und für einen Rückschritt in die Zeit, als man noch nicht wusste, dass man mehrere HTML-Seiten zu unterschiedlichen Aspekten eines Themas mittels Links zu einer Site verknüpfen kann, aber die Inhalte der neuen Autorengedenkseite sind gut, und daher gehört sie hier trotz der gestalterischen Bedenken erwähnt: Über Wolfgang.

(Immerhin hat es mich per altmodischem, aber funktionierendem RSS-Feed dorthin verschlagen.)

Gelesen. Binet.

Laurent Binet: Die siebte Sprachfunktion. Übertragen von Kristian Wachinger. Reinbek: Rowohlt Taschenbuch, 2018.

Anspielungsreiche und häufig amüsante Räuberpistole um ein in den Wirren des Verkehrsunglücks Roland Barthes’ abhanden gekommenes Manuskript desselben im Milieu der Philosophie und Sprachwissenschaft, insbesondere der strukturalistischen Semiotik. Es treten auf: Michel Foucault, BHL (Bernard-Henri Lévy), Jean-Paul Sartre, Julia Kristeva, Philippe Sollers, Umberto Eco, John Searle, aber auch François Mitterrand und Giscard d’Estaing und andere; Themen sind neben der kriminalistischen Handlung die Auseinandersetzungen, eitlen Konflikte und Intrigen um die Modelle und Systeme der Beteiligten und der vorhergehenden Geistesgeschichte: Hermeneutik, Rhetorik, Epistemologie, Linguistik etc. Insgesamt aber überzeugt es mich weniger als das offensichtlich als Vorbild dienende Foucaultsche Pendel; es entbehrt nicht der Längen.

Gelesen. Muschg.

Adolf Muschg: Heimkehr nach Fukushima. München: Beck, 2018.

Der rote Ritter war damals (1993) so gut wie Pflicht nach zwei universitären Parzival-Lektürekursen und gefiel mir auch ganz gut, daher habe ich mir den Muschg aus der Liste der Buchpreis-Nominierten ausgewählt.

Und ja, es ist natürlich kein schlechtes Buch, aber es atmet mir zu sehr den Geist des emeritierten Literaturprofessors. Der alternde, seiner langjährigen Partnerin just entledigte Architekt, der in Fukushima eine Künstlerkolonie gründen soll, um die Überwindung des Atomunfalls zu signalisieren, und die junge Japanerin, beide vereint in ihrer tiefen Kenntnis von Stifters Schriften, über die sie zur gemeinsamen (auch explizit geschilderten) Liebe finden … das ist mir doch ein bisschen dick aufgetragen, wenngleich natürlich sorgfältig ausgeführt.