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Erzählte Geschichte.

Ein faszinierendes Schulprojekt: Unsere Großeltern 1945. »Das Projekt entstand im Herbst 1999 recht spontan aus der gewöhnlichen Unterrichtssituation heraus als Hausaufgabe: Fragt doch mal Eure Großeltern über das Kriegsende 1945.« [Der Schockwellenreiter]

Meine Großmutter schrieb dazu in ihren Erinnerungen: »War [...] krank geschrieben und lag in meiner Unterkunft [in Neustadt in Holstein] im Bett; der Arzt kam 2 mal täglich. Vom Bett aus konnte ich die englischen Kriegsflugzeuge sehen, hörte sie schießen, und die Dachziegel fielen, ja rasselten runter. Man sah richtig den Piloten, so niedrig flogen die Biester.

Am 3. Mai hatten sie dann die Cap Arcona versenkt; die Menschen von überall her, die überlebten, kamen zu uns ins Krankenhaus. Unsere Patienten lagen auf Stroh, die Flüchtlinge lagen in Krankenbetten; es starben viele.

In Läden wurden geplündert, ganze Stoffballen mitgenommen, auch meine Arbeitskolleginnen deckten sich ein.

Am 6. Mai bin ich dann mit einer Arbeitskollegin zu Fuß den Bahngleisen nach zu ihrem Elternhaus nach Hasselburg gegangen. Den Koffer, der echt schwer war, ließ ich noch da, als ich am nächsten Tag zu Fuß nach Cismar weiterging. Den Koffer holte ich ein paar Tage später mit Pferd und Wagen vom Hof. Ich war noch so krank, daß ich buchstäblich mit der Tür ins Haus fiel.

Das war das Kriegsende: krank und ohne Arbeit.«

Zeichen setzen.

Wie bei der Lektüre des Rollbergs bemerkt, setzt die Junge Welt Termini wie »Übergangsregierung« oder »Justizminister« in Anführungszeichen, vermutlich um zu verdeutlichen, dass es sich nur um Strohmänner der US-Regierung handele, sie also von der Jungen Welt nicht anerkannt werden. Diese Semantik der Interpunktion war schon bei den DDR-Tüdelchen der Springer-Presse lächerlich; sie wird nicht sinnvoller bei Publikationen der politisch anderen Seite.

Gelesen.

Haruki Murakami: Sputnik Sweetheart. München: btb, 2004.

Die oder wir.

In seinem Artikel Wenn der Staat Unschuldige opfert analysiert und beurteilt Reinhard Merkel das Luftsicherungsgesetz: »Paragraf 14 Absatz 3 des neuen Luftsicherungsgesetzes erlaubt dem Staat die gezielte, vorsätzliche und massenhafte Tötung unschuldiger Bürger, um viele andere unschuldige Bürger aus einer Lebensgefahr zu retten. Ein entführtes und mit Passagieren gegebenenfalls voll besetztes Flugzeug darf auf Befehl des Verteidigungsministers abgeschossen werden, wenn es als Waffe gegen das Leben anderer Menschen eingesetzt zu werden droht.«

Merkel arbeitet den utilitaristischen Kern der hinter dieser Prioritätensetzung stehenden Entscheidungsfindung heraus und zeigt ihre Unvereinbarkeit mit unserer herkömmlichen Vorstellung von Grundrechten: »Es geht nicht einfach um das Leben der Passagiere. Es geht um den Bruch einer Grundnorm der Rechtsordnung. Es geht, noch einmal, um die Exklusion "Unschuldiger" aus dem Recht.« -- Lesen!