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Gelesen. Coates.

Ta-Nehisi Coates: Between the World and Me. New York: Spiegel & Grau, 2017.

Berührender offener Brief des Autors an seinen Sohn; letztlich vielleicht nicht allgemeingültig, aber doch weit mehr beschreibend als die Gefährdung Schwarzer in den USA:

Perhaps being named “black” had nothing to do with any of this: perhaps being named “black” was just someone’s name for being at the bottom, a human turned to object, a human turned to pariah. [Ebd., 55]

Es geht um gesellschaftliche Macht und damit einhergehende Zuschreibungen. –

Nebenbei, über Schule und Bibliotheken (aus der Sicht des Jugendlichen):

The pursuit of knowing was freedom to me, the right to declare your own curiosities and follow them through all manner of books. I was made for the library, not the classroom. The classroom was a jail of other people’s interests. The library was open, unending, free. Slowly, I was discovering myself. [Ebd., 48]

Gelesen. Murakami.

Haruki Murakami: 1Q84. Buch 3. Übertragen von Ursula Gräfe. Köln: DuMont, 2011.

Die drei Bücher 1Q84 (in zwei Bänden erschienen) enthalten die merkwürdige Geschichte um eine nur das Gute anstrebende Auftragsmörderin, eine legasthenische Autorin, einen literarisch interessierten Mathematiklehrer und ein bis zwei Sekten, ferner eine reiche alte Dame, die ein Frauenhaus unterhält, und ihren Leibwächter; all das in einer surrealen, gering gegen unsere verschobenen Nebenwelt, in der »Little People« und ein zweiter Mond zum Inventar gehören. Aufgrund der seltsamen Figuren mit ihren je eigenen Geschichten, die Sonderlinge im Laufe ihrer Sozialisation erleben, eindrucksvoller als es scheinen könnte; trotz einzelner fragwürdiger Eigenheiten der stärkste Murakami, den ich bisher gelesen habe, und in jedem Fall zu empfehlen.

Gelesen. Eco.

Umberto Eco: Bekenntnisse eines jungen Schriftstellers. Übertragen von Burkhart Kroeber. München: Hanser, 2011.

Hier jüngst auf den Titel gestoßen, der irgendwie meiner Aufmerksamkeit entgangen war. Rasch nachgeholt. Wie stets anregend und amüsant.

Gelesen. Flašar.

Ausschnitt aus BuchseiteMilena Michiko Flašar: Herr Katō spielt Familie. Berlin: Wagenbach, 2018.

Hat mich leider nicht so überzeugt wie Ich nannte ihn Krawatte.

Das Leseerlebnis war auch getrübt durch fragwürdige Typografie: laut Impressum gesetzt in der »Janson BQ«, über die ich keine verlässlichen Informationen im Netz gefunden habe, wirkt die Druckseite unangenehm unruhig, was vor allem an der Form des kleinen e – des im Deutschen häufigsten Buchstaben – liegt: es wirkt in seiner breiten Ausgestaltung fast oval, was im Kontext der anderen Buchstaben, die eher schmal und hoch ausgerichtet sind, als unpassend stört (siehe nebenstehenden Ausschnitt, zum Beispiel mittig das Wort »verblasste«). Im Falle der »normalen« Janson scheint mir dieses Missverhältnis nicht zu bestehen.

G8 und G9.

Nachdem G8 in Schleswig-Holstein (wie anderswo) aus rein ökonomischen Gründen ohne Rücksicht auf pädagogische Bedenken eingeführt wurde, hat man in den letzten Jahren völlig überraschend erkennen dürfen, dass eine kürzere Schulzeit weniger Zeit zum Lernen (und weniger Zeit für gesellschaftlich erwünschte Nebentätigkeiten von Schülerinnen und Schülern) bedeutet.

Dass die gleiche CDU, die für die Einführung von G8 stand, nun die Rückkehr zu G9 organisiert (und auch für diesen Programmpunkt gewählt wurde), ist natürlich ein Witz; dass Lehrpersonen aber, die für die Organisation von derlei Hin & Her wertvolle, im Regelfall nicht gesondert vergütete Arbeitsstunden haben verwenden müssen, diese nun als verschwendet ansehen und bei der nächsten Reform vielleicht eher gebremst freudig agieren, dürfte sich von selbst verstehen. Dabei sind viele Neuerungen, die im Zuge der Einführung von G8 in den Schulen eingeführt wurden (Unterstützungskurse, Doppelstundensystem etc.), weiterhin sinnvoll – ebenso wie die Rückkehr an sich. Wenn aber Ministerien deutschlandweit so blind absehbare Probleme herbeiführten, spricht dies nicht für hervorragende Expertise. Der nun prognostizierte Lehrkräftemangel an Grundschulen ist ein weiterer Hinweis auf optimierbare Planung.

Demgegenüber bis ich immer wieder erstaunt, was vor diesem Hintergrund in den Schulen vor Ort an guter Praxis gedeiht.

Mal seh’n: Torpus & The Art Directors.

Set ich die Music For A Found Harmonium des Penguin Cafe Orchestra kenne, schätze ich das Instrument. Und wenn dann eines auf der Bühne steht, da man mit Freunden unpassenderweise aus den plüschigen Sesseln eines von einer Kulturinitiative geretteten ehemaligen Verzehrkinos auf die Bühne schaut, verzeiht man auch, dass einige Songs der Band in den Plattenaufnahmen ein wenig zu glatt daherkommen, denn in der Live-Darbeitung überzeugen die Fünf Freunde von Torpus & The Art Directors auf angenehme, ehrliche und friedliche Art & Weise, die auch durch gewagte Experimente mit Rückkopplungen, Rhythmusmaschinenrhythmen von Tonbandkassette in Radiorecorder und kraftvoll bäriger Mehrstimmigkeit in ihrer unschuldigen Freude an der Musik und unbestrittenen Musikalität nie in Frage gestellt wird. Neben dem Harmonium gibt es übrigens auch ein Schlagzeug und Perkussionsinstrumente, diverse Gitarren, einen E-Bass und einen Kontrabass, ein Glockenspiel, eine Mandoline, ein elektronisches Ding mit kleiner Klaviertastatur sowie Posaune und Trompete. (Das Banjo hat Ove leider nicht mitgebracht.) – Eine Empfehlung für den Rest ihrer gerade begonnenen Tour der unbestritten norddeutschen Combo.

Gelesen. Flašar.

Milena Michiko Flašar: Ich nannte ihn Krawatte. München: btb, 2014.

Hikikomori begegnet Salaryman und sie haben sich etwas zu erzählen.

Auch in diesem Buch habe ich etwas über Japan gelernt. Von einer Österreicherin.

Knapp und gut.