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Gelesen.

Juli Zeh: Spieltrieb. Frankfurt am Main: Schöffling & Co., 2004.

Hm. Der Plot ist hanebüchen, die Grobstruktur mit der Rahmen- und Binnengeschichte unmotiviert, die Figuren allesamt traurige, die Geschichte hätte auch auf der Hälfte der Seiten erzählt werden können, zudem schmückt sie sich auf geradezu aufdringliche Weise mit Zitaten aus und Anspielungen an Musil wie Mann – so weit, so schlecht.

Mir hat der Roman trotzdem gefallen. Zum einen ist das Unternehmen an sich – Schilderung eines Schicksals eines intellektuell stets unterforderten Mädchens in einer vor allem schulischen Welt – mutig, zum anderen ist es nicht Aufgabe der Literatur, Figuren zu schaffen, die zur Identifikation dienen können. Das pseudohochbegabte Geschwätz der Protagonisten (Zauberberg, ick hör dir trapsen!) wie auch ihre Handlungsweisen inklusive Showdown sind natürlich an Realitätsferne kaum zu überbieten; die amüsierte und ironisch gebrochene Art der Beschreibungen Zehs allerdings entschädigen für Vieles und sind der Grund dafür, dass ich den Roman durchaus mit Gewinn geschmökert habe.

Ich werde Weiteres von ihr lesen.

Studiengebühren.

Meine Partei ist ja noch der Meinung, es dürfe keine Studiengebühren geben; an anderer Stelle wird behauptet, »Freier Zugang zum Erststudium ist Menschenrecht« (Junge Welt, via Schockwellenreiter). Man regt sich darüber auf, dass Studenten möglicherweise zum Beispiel 500 € pro Semester zahlen müssten.

Ich gebe zu, dass das schmerzlich wäre, weise aber darauf hin, dass beispielsweise unsere Kindergartenrechnung (für ein Kind, fünf halbe Tage wöchentlich) jährlich 1569,60 € beträgt – ein sogar noch etwas höherer Beitrag als die bislang diskutierten Studiengebühren, der allerdings noch keinen Studenten auf die Straße getrieben hat.

Wenn man davon ausgeht, dass, wie die einschlägigen Bildungsstudien zeigen, in vorschulischer Zeit die eigentlichen Weichen für den Bildungserfolg der Kinder gelegt wird, wäre es sinnvoll, die Gebührenfreiheit für den Kindergarten zu fordern.

Mir leuchtet das Argument ein, dass bei gebührenfreiem Studium letztendlich die Verkäuferin dem Arztsohn das Studium zahlt. Und ich vermute auch, dass es über pfiffige Gebührenmodelle unter Beteiligung des Staates auch möglich sein müsste, die Chancengleichheit gegenüber der heutigen Ungleichheit noch zu verbessern – wenn, ja, wenn man denn im Kindergartenalter anfinge und nicht gerade die Kinder der nicht Bildungsbeflissenen nur zuhause vor der Glotze säßen, sondern in den Tagesstätten Chancen erhielten, die ihnen heute verschlossen bleiben.

Kommentar zu Johnsons <i>Jahrestage</i>.

Warum sagt mir eigentlich niemand, dass der in Buchform unerschwingliche Kommentar zu Uwe Johnsons Jahrestage (hg. von Holger Helbig, Klaus Kokol, Irmgard Müller, Dietrich Spaeth und Ulrich Fries) inzwischen auch online verfügbar ist?

(Und warum muss das Menü so eigenthümlich programmiert sein, dass weder Safari noch Firefox etwas damit anfangen können, sodass ich den Internet Explorer aus der Kiste scheuchen muss? [Update 31.8.2005: der Code ist repariert und die Seite inzwischen problemlos nutzbar.])

Gelesen.

Uwe Johnson. Befreundungen. – Gespräche, Dokumente, Essays. Hg. von Roland Berbig et al. Berlin: Kontext, 2002.

Gelesen.

Nick Hornby: How to be Good. London: Penguin, 2001.

Gelesen.

Fernando Savater: Sei kein Idiot! Weinheim: Beltz, 2001.

Brecht und die Historie.

Im Deutsch-GK 12 werde ich morgen mit der Behandlung von Brechts Trommeln in der Nacht beginnen, einem frühen und in der Schule selten gelesenen Werk vor dem Hintergrund des Spartakusaufstandes.

Vielfältiges Material zum historischen Hintergrund liefert das Deutsche Historische Museum in seinem Lebendigen virtuellen Museum online (LeMo): unter vielem anderen einen Überblickstext zur Revolution von 1918/19 und einen speziellen zum Spartakusbund.

Von hohem Wert auch Ergänzungen wie die zum (hochinteressanten!) Kollektiven Gedächtnis gehörende Aufzeichnung aus dem Tagebuch des jüdischen Fabrikanten Oskar Münsterberg (1865-1920) zum Spartakusaufstand.

Gelesen.

Markus Orths: Lehrerzimmer. München: dtv, 2004.