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Gelesen.

John Brunner: Mehr Dinge zwischen Himmel und Erde. München: Heyne, 1983.

Gelesen.

Arne Dahl: Falsche Opfer. München: Piper, 2005.

Lehrermangel.

„Zum Schuljahresbeginn fehlen 10.000 Lehrer“, meldet die Tagesschau Die Welt zitierend. Dies ist bedauerlich, ergibt sich aber nun einmal zwangsläufig aus dem Zusammenspiel positiver Entwicklungen wie der Förderung von Gesamtschulen und negativer Begleitumstände wie zögerlicher Ausbildungs- und Einstellungspolitik.

Die Politik wird sich ebenso wie die Gesellschaft insgesamt an den Gedanken gewöhnen müssen, dass Bildung etwas kostet, dass in Schulen investiert werden muss – Halbherzigkeit führt nicht weiter.

Es gibt positive Aspekte der Kulturhoheit der Bundesländer, insgesamt aber überwiegen für mich die negativen. Aus der Sicht der Landesfinanzminister ist es möglicherweise die richtige Entscheidung, die Personalkosten durch Arbeitszeitverlängerungen und Einstellungsstops zu verringern – gesamtgesellschaftlich ist es fatal. Ein bundespolitisch hervorragender (wenn auch noch nicht ausreichender) Coup wie die Unterstützung des Ausbaus bestehender Schulen zu Ganztagsschulen verpufft, wenn die Länder nicht das Personal bereitstellen.

Kommentar zu Johnsons <i>Jahrestage</i> II.

Vor einiger Zeit beschwerte ich mich einmal darüber, dass der Kommentar zu Uwe Johnsons Jahrestage (hg. von Holger Helbig, Klaus Kokol, Irmgard Müller, Dietrich Spaeth und Ulrich Fries) zwar online verfügbar ist, sich aber nicht an Richtlinien der HTML-Programmierung halte, weswegen er mit vielen Browsern nicht lesbar sei.

Nun aber ist der Code repariert und der hervorragende Kommentar problemlos zugänglich.

Gelesen.

Elizabeth George: Wer die Wahrheit sucht. München: Blanvalet, 2004.

Ein Anwärter auf den Langweiligster-Kriminalroman-Preis.

Aus dem Wahlkampf.

Ein entspannter Sommerwahlkampf ist es hier in der holsteinischen Provinz: die vier Ortsvereine der großen Parteien in Eutin haben sich verabredet, in Eutin nur bei Veranstaltungen zu plakatieren, die üblichen Kandidatenplakate an jedem Laternenpfahl aber zu sparen. Außer der FDP hält sich auch jeder daran.

Am Infostand in der Fußgängerzone bekommt unsere SPD viel Zuspruch (was nicht immer so ist). Die Arbeit unserer Bundestagsabgeordneten Bettina Hagedorn wird über Parteigrenzen hinweg als hervorragend angesehen, Schröder nicht von jedem gemocht, aber respektiert. Frau Merkel wird ob ihrer Unentschiedenheit kritisiert (wir würden uns noch wundern, hätte sie Erfolg bei der Bundestagswahl!), Herr Westerwelle ohnehin nicht ernst genommen (wie könnte man dies auch?).

Ich habe den Wahl-O-Mat befragt, was er mir denn zur Wahl empfehlen würde. Er empfiehlt mir (wie bei jeder der letzten Wahlen) die Grünen, neuerdings auch die Linkspartei. Warum ich trotzdem die SPD wählen werde?: Weil es unvernünftig ist, die Parteienlandschaft immer weiter zu zersplittern. Weil es (wenn man linke Positionen vertritt) sinnvoll ist, dies innerhalb der gewichtigsten Organisation, der SPD, zu tun, nicht aber dann, wenn die Durchsetzung nicht gelingt, eine neue zu gründen. Weil die Grünen von Anbeginn an der SPD Wähler und potentielles Personal abgeworben haben, nicht aber der CDU. Weil Oskar Lafontaine sich schäbig verhalten hat gegenüber unserer Partei.

Bloggen und Leben.

Wer nur (noch) selten bloggt, wird von der Blogosphäre mit Missachtung gestraft. Die Einschaltquoten gehen runter, man wird nicht mehr verlinkt; nur noch zufällig finden Menschen per Suchmaschine auf die Seiten – zwar nicht immer die selben, aber in ihrer anonymen Quantität und ihren unterschiedlichen Anfragen verlässlicher als dem Avantgardismus verpflichtete Blogger.

Es gibt ja auch immer neue tolle Blogs: Zwilobit und die Riesenmaschine zum Beispiel, und so gibt's gar keinen Grund, den alten treu zu bleiben. Das regelmäßige Posten ist das Lebenszeichen, und wer keines mehr von sich gibt, ist halt dem virtuellen Ableben anheimgefallen: regelmäßig wird die Abonnementsliste des RSS-Readers auf Karteileichen durchgesehen – nur ein stets zappelnd um Aufmerksamkeit heischender Blogger ist ein guter Blogger.

(Herbst eben.)

Gelesen.

Dieter Forte: Das Haus auf meinen Schultern. Frankfurt am Main: Fischer TB, 2003.

Drei Romane in einem Band über zwei Familien in wirren Zeitläuften. Viele episodenhafte Bilder – „Epiphanien“ stünde bei Joyce – starke Figuren. Empfehlenswert.

Einen bibliophilen Ausschnitt aus dem Werk hat Markus Kolbeck herausgesucht.

Kurzgeschichten für den Deutschunterricht.

Kurze Geschichten sind seit Jahr und Tag Knäckebrot des Deutschunterrichts: eine Art Prosakonzentrat, mit dessen Hilfe Schülerinnen und Schüler lernen können sollen, was an Texten jedweder Art besonders sein kann. Zweifel, ob dies mit den kurzen Texten und ihrer Art der Behandlung gelingen könne, überkommt mich von Zeit zu Zeit, umso heftiger, je böll-, lenz- oder wohmannhaltiger die jeweilige Unterrichtseinheit ist.

Besonders gut für die Behandlung im Unterricht eignen sich die Kurzgeschichten der genannten und ähnlicher Autoren aus verschiedenen Gründen:


  1. Die Lehrperson hat die Texte schon als Schüler intensiv hassen kennengelernt.

  2. Es existiert umfangreiche Sekundärliteratur, sodass eigene Lektüre- und Denkarbeit nicht mehr notwendig ist.

  3. Die genannten Kurzgeschichten sind besonders typische Beispiele ihrer Art, die sich deshalb gut eignen, mit Schülern typische Eigenheiten herauszuarbeiten und ihnen damit auch die Chance zu geben, diese Anwendung auch in Klassenarbeiten und Klausuren zu leisten.

  4. Das Finden neuer geeigneter Geschichten ist nicht einfach.


Die beiden ersten Gründe sind natürlich recht fragwürdig, werden aber sicher in vielen Fällen die entscheidenden sein.

Erfahrene Erfindungen


Grund 4 ist spätestens hinfällig, seit es eine neue feine Geschichtensammlung für die Schule gibt: Sabine Grunow: Erfahrene Erfindungen. Deutschsprachige Kurzgeschichten seit 1989. Leipzig: Klett, 2004.

Zu den Autoren gehören Peter Stamm, Thomas Hürlimann, Undine Gruenter, Stefanie Viereck (mit dem sehr beeindruckenden Text „Am Ende des Dorfes“), Christoph Hein, Claudia Rusch, Michael Kleeberg und viele andere (ja, auch Judith Hermann; aber einen Ausrutscher darf sich ja jeder mal leisten). Knappe, aber wohlausgewählte Materialien zur Kurzgeschichte an sich, aber auch zu den Autorinnen und Autoren runden den Band ab.

Herausragende (!) Autoren der Nachkriegszeit dürfen also gern weiterhin gelesen werden, wenn es um die Darstellung der Literatur nach 1945 geht. Es gibt aber schon lange keinen Grund mehr, länger als unbedingt nötig bei ihnen zu verbleiben: gerade wenn es in einer Unterrichtseinheit um die Kurzgeschichte an sich geht, sollte aktuellen Autoren der Vorzug gegeben werden.

Ein weiterer Ansatz dabei kann übrigens die Kontrastierung literarisch gemeinter Texte mit slam poetry (derley Texte sammelt zum Beispiel der Salbader) und ähnlichen stärker publikumswirksam ausgerichteten Geschichten, hinführend zu einem erkenntnisfördernden kriteriengeleiteten Vergleich sein.

[Update 25.8.2005:] Ich wurde per E-Mail gefragt, ob sich die Sammlung auch für die Sek I eigne. Folgendes habe ich geantwortet:

„[...] meist liest man Kurzgeschichten ja frühestens in der 9., eher in der 10. Klasse (und später); vorher wird meist auf kurze Geschichten zurückgegriffen, die noch nicht die volle Kennzeichenfülle „echter“ Kurzgeschichten aufweisen (z. B. Johann Peter Hebels Kalendergeschichten etc., Fabeln, Geschichten mit gruselig offensichtlicher pädagogischer Absicht)

Eignet sich die Sammlung für die Sekundarstufe I?

Das kommt auf dreierlei an: die Zusammensetzung der Klasse (unterschiedliche Interessen, Lernausgangslagen etc.), die Geschichte selbst (die Kurzgeschichten sind unterschiedlich komplex und anspruchsvoll) und die Vorbereitung durch die Lehrerin.

Tendenziell würde ich sagen, dass wenige Geschichten aus der Sammlung vor der 10. Klasse zu erfassen sind - nur: ist man ehrlich, trifft dies auch für einen großen Teil der "klassischen" Geschichten von Böll, Borchert, Malecha etc. zu.

Ich nutze die Sammlung im Moment für BFS-Klassen (gute Hauptschüler, die in der Berufsfachschule in drei Jahren den Realschulabschluss nachholen wollen), und da sind nur wenige im ersten Jahr verwendbar, z. B. Vierecks "Am Ende des Dorfes" - sehr eindrucksvoll, zu echter Teilnahme führend. Letzte Woche beispielsweise habe ich eine Geschichte, von der ich vermute, dass sie nicht voll erfasst worden wäre, als Schreibanlass genutzt (Loschütz, "Aquarium": Die ersten acht Zeilen habe ich vorgelesen, die S haben die Geschichte zuende geschrieben, überarbeitet; später war dann die Differenz zur "echten" Geschichte bedeutsam). Mit solch kreativen Verfahren kann manche Geschichte aufgebrochen werden.

Ein großer Teil der Geschichten ist – so vermute ich – vor der Oberstufe nicht zu verstehen, was mit lebensweltlichen, aber auch mit satirischen oder humoristischen Elementen in einigen Texten zusammenhängt.

Um auf Ihre Frage zurückzukommen: vermutlich eher wenige, ausgewählte Texte; mehr, wenn eine im Umgang mit literarischen Texten kompetente Klasse gut vorbereitet wurde."