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Gelesen.

John Brunner: Die Plätze der Stadt. München: Heyne, 1980.

Bundestagswahl.

Nachdem ich heute meine Lütte in den Kindergarten gebracht hatte, begleitete mich vor und hinter mir je ein Fahrzeug eines hiesigen Bestattungsunternehmens. An der rotbeampelten Kreuzung durfte ich einen Blick auf den Fahrer eines der Autos werfen, der gerade seine Manschetten zurechtzog, auf dass sie genau die angemessenen wenigen Millimeter aus der Anzugjacke herausschauten. Ich fragte mich: Was haben die Bestatter Deutschlands gewählt? Hat ein Bestatter den Merkelschen Plakataussagen wie »Ein neuer Anfang« Glauben schenken können? –

Wie auch immer: Wir haben unseren Politikern ein interessantes Ergebnis beschert, das in der CDU Frau Dr. Merkel in Frage stellt, das aber nüchtern betrachtet auch Gerhard Schröder nicht jubilieren lassen sollte.

Die CDU ist zu christlicher Demut ermahnt worden, die SPD muss sich über eines der schlechtesten Ergebnisse auch noch freuen, weil es im Vergleich zu den Umfragewerten geradezu sensationell gut ist. Ich freue mich natürlich mit, obwohl ich die Frage, die das Kellerkind stellt, mit einem einigermaßen verständnisvollen Grinsen lese.

Vollkommen unerklärlich ist mir das Abschneiden der FDP. Wer kann diese Partei mit diesem Vorsitzenden ernsthaft wählen? Wer hat Guido Westerwelle triumphieren sehen wollen?

Die Linkspartei hat ein hervorragendes Ergebnis erzielt – nur wozu? Statt sich die Finger schmutzig zu machen in den Niederungen der Realpolitik, möchte sie Opposition betreiben: Ich bin contra. Von Berufs wegen.

Der Lack der Grünen ist ab, die Öko-FDP hat ihre Schwierigkeiten, noch als besonders und hip wahrgenommen zu werden. Es ist Herbst.

Zu den Direktkandidaten: gewählt ist hier im Wahlkreis 9 unsere Bettina Hagedorn, SPD-MdB, deren Fleiß, Durchsetzungskraft und Sachkompetenz allgemein anerkannt wird. Auch Eutin hat rot gewählt. Gewählt ist aber auch die SPD-Kandidatin Elke Ferner gegen Oskar Lafontaine in dessen Wahlkreis.

Das Wahlergebnis ist knifflig, weil es Kompromisse fordert, die nicht nur den Parteien schwer fallen, sondern auch in der Konsequenz für den Bürger stets von eigentümlicher Ambivalenz getragen sein werden. Mathias Bröckers in der Telepolis: Wahl paradox – Deutschland wählt links, wird künftig aber wohl von (halb)rechts regiert.

Vielleicht hätte ein Mehrheitswahlrecht doch Einiges für sich.

Wahlkampf und Wahl.

Dass die SPD hinter dem Kanzler verschwände, wie die Telepolis behauptet, war beim gestrigen Infostand der SPD Eutin ganz gewiss nicht zu bemerken, vielmehr, dass Vorstand und Fraktion fast komplett versammelt waren, um gemeinsam mit unserer Abgeordneten Bettina Hagedorn rote Rosen und Nelken zu verteilen – nur der Kanzler nicht, denn der war anderenorts.

Gleichwohl ist er derjenige, über dessen Kanzlerschaft heute abgestimmt wird.


Bei Industrial Technology & Witchcraft liest man Launiges: »Unsere Wahlempfehlung folgt schlicht dem Rat von Deutschlands erster bester Satire-Site: Gehen Sie wählen. Ganz egal, ob Sie noch nicht wissen, was. Bei den derzeitigen Überlegungen über mögliche Koalitionen muss das kein Nachteil sein. Und: wenn Sie dann in der Wahlkabine stehen und die Zukunft unserer kleinen Bananenrepublik bestimmen - denken Sie an Tomaten. Kreuzen Sie die ersten beiden Farben an, die Ihnen dabei in den Kopf kommen.«

Letztlich stützen aber nur Stimmen für die SPD Schröder – alle anderen schaden ihm (wenn auch in unterschiedlichem Maße) und führen zu nicht erwünschten Regierungsbildungen. Wählen Sie bedachtsam und verantwortungsvoll. Wählen Sie SPD.

Optische Täuschungen.

Für die Einführungsstunde in die Erkenntnistheorie nutze ich gern optische Täuschungen. Eine Sammlung eigentümlicher visueller Phänomene findet sich hier.

Gelesen.

John Brunner: Mehr Dinge zwischen Himmel und Erde. München: Heyne, 1983.

Gelesen.

Arne Dahl: Falsche Opfer. München: Piper, 2005.

Lehrermangel.

„Zum Schuljahresbeginn fehlen 10.000 Lehrer“, meldet die Tagesschau Die Welt zitierend. Dies ist bedauerlich, ergibt sich aber nun einmal zwangsläufig aus dem Zusammenspiel positiver Entwicklungen wie der Förderung von Gesamtschulen und negativer Begleitumstände wie zögerlicher Ausbildungs- und Einstellungspolitik.

Die Politik wird sich ebenso wie die Gesellschaft insgesamt an den Gedanken gewöhnen müssen, dass Bildung etwas kostet, dass in Schulen investiert werden muss – Halbherzigkeit führt nicht weiter.

Es gibt positive Aspekte der Kulturhoheit der Bundesländer, insgesamt aber überwiegen für mich die negativen. Aus der Sicht der Landesfinanzminister ist es möglicherweise die richtige Entscheidung, die Personalkosten durch Arbeitszeitverlängerungen und Einstellungsstops zu verringern – gesamtgesellschaftlich ist es fatal. Ein bundespolitisch hervorragender (wenn auch noch nicht ausreichender) Coup wie die Unterstützung des Ausbaus bestehender Schulen zu Ganztagsschulen verpufft, wenn die Länder nicht das Personal bereitstellen.

Kommentar zu Johnsons <i>Jahrestage</i> II.

Vor einiger Zeit beschwerte ich mich einmal darüber, dass der Kommentar zu Uwe Johnsons Jahrestage (hg. von Holger Helbig, Klaus Kokol, Irmgard Müller, Dietrich Spaeth und Ulrich Fries) zwar online verfügbar ist, sich aber nicht an Richtlinien der HTML-Programmierung halte, weswegen er mit vielen Browsern nicht lesbar sei.

Nun aber ist der Code repariert und der hervorragende Kommentar problemlos zugänglich.

Gelesen.

Elizabeth George: Wer die Wahrheit sucht. München: Blanvalet, 2004.

Ein Anwärter auf den Langweiligster-Kriminalroman-Preis.

Aus dem Wahlkampf.

Ein entspannter Sommerwahlkampf ist es hier in der holsteinischen Provinz: die vier Ortsvereine der großen Parteien in Eutin haben sich verabredet, in Eutin nur bei Veranstaltungen zu plakatieren, die üblichen Kandidatenplakate an jedem Laternenpfahl aber zu sparen. Außer der FDP hält sich auch jeder daran.

Am Infostand in der Fußgängerzone bekommt unsere SPD viel Zuspruch (was nicht immer so ist). Die Arbeit unserer Bundestagsabgeordneten Bettina Hagedorn wird über Parteigrenzen hinweg als hervorragend angesehen, Schröder nicht von jedem gemocht, aber respektiert. Frau Merkel wird ob ihrer Unentschiedenheit kritisiert (wir würden uns noch wundern, hätte sie Erfolg bei der Bundestagswahl!), Herr Westerwelle ohnehin nicht ernst genommen (wie könnte man dies auch?).

Ich habe den Wahl-O-Mat befragt, was er mir denn zur Wahl empfehlen würde. Er empfiehlt mir (wie bei jeder der letzten Wahlen) die Grünen, neuerdings auch die Linkspartei. Warum ich trotzdem die SPD wählen werde?: Weil es unvernünftig ist, die Parteienlandschaft immer weiter zu zersplittern. Weil es (wenn man linke Positionen vertritt) sinnvoll ist, dies innerhalb der gewichtigsten Organisation, der SPD, zu tun, nicht aber dann, wenn die Durchsetzung nicht gelingt, eine neue zu gründen. Weil die Grünen von Anbeginn an der SPD Wähler und potentielles Personal abgeworben haben, nicht aber der CDU. Weil Oskar Lafontaine sich schäbig verhalten hat gegenüber unserer Partei.