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edition unseld.

In diesen Tagen sind die ersten Titel der neuen edition unseld (die Reihenbezeichnung in Kleinschreibung – so unmodern, das ist schon wieder retro) bei Suhrkamp erschienen: ich lese gerade im ersten Band, Sandra Mitchells Komplexitäten, der bislang einen guten Eindruck macht: überlegt und klar schildert sie die Entstehung verschiedener Welterklärungsmodelle und zeigt ihre jeweiligen Grenzen auf, verdeutlicht den Bedeutungswandel des Emergenzbegriffs, der in der Form »Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile« auf Aristoteles zurückgeführt wird, bis zu heutiger Form.

Wenn die anderen Bände ähnlich anregend sind (und ein weiterer harrt schon hier der Lektüre), ist diese Reihe (trotz der abschreckenden Unterstützung durch Spiegel Online) ein der Vernunft verpflichtetes Gegengewicht gegen die vorherige Neugründung »Verlag der Weltreligionen«.

[Update: Mehr über die Reihe bei der NZZ.]

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Kommentare

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radh am :

*Ist die Religionsreihe wirklich so schlimm?
Ich schreibe aber aus anderen Gründen: 1. habe ich gute Erinnerungen an den Philosophieunterricht und es interessiert mich, was Sie da so machen
2. Mir fällt beim Surfen im Netz mit Entsetzen auf, daß die Philosophie als rationales Denken in Neuseeland, Australien und im ländlichen Ontario der in Deutschland langsam überlegen zu werden verspricht oder schon ist. Ein Grund dafür scheint deutsche unendliche Borniertheit zu sein, die Eigenlob als Realität wahrnimmt, als wären wir apriori wirklich das Volk der Dichter und Denker. Leider haben die USA und Japan 10mal so viele Dichter und zumindest die USA auch 10mal so viele Philosophen ,100mal so viel im Netz.

Hanjo am :

*"Ist die Religionsreihe wirklich so schlimm?"

Sie steht definitiv für eine andere Ausrichtung als diejenige, für die Suhrkamp seit Jahrzehnten stand. Die edition unseld hingegen steht für den alten, stets neuen Geist Suhrkamps.

"Mir fällt beim Surfen im Netz mit Entsetzen auf, daß die Philosophie als rationales Denken in Neuseeland, Australien und im ländlichen Ontario der in Deutschland langsam überlegen zu werden verspricht oder schon ist."

Die Musik spielt inzwischen woanders, das stimmt. Ob diese neuen philosophischen Schulen alten tatsächlich überlegen sind, weiß ich nicht, aber es ist schon genug, dass die Diskussion – und die Auseinandersetzung, das Ringen um die Wahrheit ist gelebte Philosophie - anderenorts stattfindet - häufig ohne die aktive Teilnahme deutscher Denker.

(Wenn Sie aber zum Beispiel einen Amerikaner wie Richard Rorty lesen, finden Sie mannigfache Bezüge auf deutsche Philosophen, ob es Nietzsche, Heidegger oder Habermas sind.)

"Ein Grund dafür scheint deutsche unendliche Borniertheit zu sein, die Eigenlob als Realität wahrnimmt, als wären wir apriori wirklich das Volk der Dichter und Denker."

Ich vermute, dass der Hauptgrund die Sprachbarriere ist: Englisch ist inzwischen lingua franca der Wissenschaft - die deutschen Naturwissenschaftler haben das schon längst akzeptiert und publizieren und diskutieren auf Englisch, die Philosophen sind da ein wenig langsamer (und hier trifft vielleicht tatsächlich Ihr Vorwurf der Borniertheit).

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