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Lesen 2.0?

Der Lehrerfreund verweist auf den ZAP Reader, ein online verfügbares Werkzeug, das per URI oder Kopieren aus der Zwischenablage angegebene Texte Wort für Wort einblendet und so – da Saccaden, die sprunghaften Blickbewegungen zwischen einzelnen Fixationen beim veralteten Lesen 1.0, wegfallen – eine erhöhte Leseleistung verspricht.

Der Selbstversuch zeigt, dass dies nicht möglich ist: der geübte Leser wird immer mehr als nur ein einzelnes Wort erfassen; so wie er nicht mehr analytisch jeden einzelnen Buchstaben wahrnimmt, um die zu einem Wort gehörigen zu synthetisieren, sondern stattdessen das ganze Wort erkennt, liest er auch nicht jedes einzelne Wort, sondern nimmt einen größeren Zusammenhang wahr, aus dem der Sinn erschlossen wird. Diese Beschleunigung ist durch das genannte Tool schlicht nicht aufzuholen.

Beim Überfliegen von Texten ist dies besonders deutlich, dass dies aber auch für andere – zum Beispiel einfache belletristische Texte – gilt, zeigt ein einfacher Versuch mit widerständigen, zum Beispiel wissenschaftlichen oder schwierigeren literarischen Texten, in denen in der Tat zuweilen Wort für Wort, zuweilen auch gegen die Leserichtung zurückgesprungen und wiederholt gelesen werden muss.

Lesen ist nicht maschinelle Wortverarbeitung, sondern ein komplexer Vorgang, der nur durch tägliche Übung beschleunigt werden kann: wird sind eben nicht Lt. Cmdr. Data, der auf dem Bildschirm dargestellte Texte scannt und in immer gleichbleibender Geschwindigkeit verarbeitet, sondern analog Zusammenhänge erfassende und potentiell chaotisch lesende sinnverstehende und -gebende Menschen.

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