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Gelesen. Enrigue.

Álvaro Enrigue: Jetzt ergebe ich mich, und das ist alles. Übertragen von Carsten Regling. München: Blessing, 2021.

Eine Mexikanerin wird von Apachen entführt. Gokhlayeh, »der Gähnende«, bekannter als Geronimo, ergibt sich. US-Militärs werden für ihren Sieg über die Apachen gefeiert. Ein Schriftsteller in heutiger Zeit fährt mit seiner Familie auf Spurensuche in die Chiricahua-Berge. – Nur einige der vielen Handlungsstränge, mit denen Enrigue ein reich facettiertes Bild vom Ende der Apachería zeichnet: eines grenzenlosen Lebensraumes, der mit der Festlegung der Grenzen zwischen den USA und Mexiko, aber auch ihren jeweiligen Binnenstaatsgrenzen aufgrund des Beherrschungswahns der neuen Regierungen keiner mehr sein durfte, denn eine Koexistenz zwischen den Apachengruppen und den Mexikanern bzw. den »Gringos« schien ihnen undenkbar.

Das Buch verlangt der Leserin einiges an Aufmerksamkeit ab, denn der Erzählfokus wechselt munter zwischen Zeiten, Räumen und Figuren, aber insgesamt scheint eine treffende Interpretation der historischen Ereignisse in ihrer völkermordenden Brutalität geliefert zu werden; Enrigue gelingt es auch, erzählerisch die unterschiedlichen Stränge zu einem überzeugenden (damit natürlich nicht positiven) Ende zu bringen.

Auch dies Aufbewahrungs-, Dokumentations-, Erklärliteratur: wie in Thomes Gott der Barbaren wird der Einbruch der (bei Enrigue zumindest ursprünglich) europäischen Mächte in die Kulturen der neu entdeckten Welten gezeigt: bei Thome der Beginn einer Eroberung, bei Enrigue das Ende – ein Genozid, die Auslöschung einer Kultur.

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