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Neuer Bürgermeister in Eutin: Sven Radestock

Nachdem Sven Radestock alle Wahlkreise Eutins gegen den Kandidaten der CDU gewonnen hat, wird er zum 1. Januar 2023 neuer Bürgermeister in Eutin.

Das freut mich, weil es vor allem als Signal gegen die CDU wichtig ist – und nebenbei die wiederholt geäußerte Einschätzung, Eutins Wähler*innen seien konservativ (was lange Jahre bedeutete: CDU-Wähler*innen), zumindest überdenken lässt: vor dem Hintergrund des Klimawandels heißt kann »weiter so« eben keine Strategie sein, auch und gerade nicht für diejenigen, die sich das Bewahren auf die Fahnen geschrieben haben. Und so hat eine deutliche Mehrheit der Wähler*innen signalisiert, dass sie mit der CDU und ihrer Politik der vergangenen Jahre, die in Sascha Clasen ihre Personifizierung gefunden hat, nicht einverstanden ist.

Für Sven Radestock ist nun einiges zu tun: zwar ist er, obwohl mit einem deutlichen Votum gewählt, nur Verwaltungschef (ohne Richtlinienkompetenz à la Schlumpf), doch können Impulse in die und aus der Verwaltung politische Meinungsfindung beeinflussen.

So könnten dann die politisch Verantwortlichen begreifen,

  • dass der Standort der Wisserschule nicht beibehalten werden sollte, damit ein heutigen und künftigen Erfordernissen entsprechendes Schulkonzept verwirklicht werden kann, und

  • dass der Autoverkehr zugunsten anderer Verkehrsträger beschränkt werden muss, um eine inklusive Stadt zu schaffen, in der zu Fuß Gehende und Rad oder Rolli Fahrende das Tempo vorgeben,
um nur zwei wichtige Handlungsfelder herauszugreifen.

Ich wünsche dem grünen Bürgermeister, dass er nicht vergisst, dass er nicht nur gegen die CDU und ihren Kandidaten, sondern auch für seine Farbe gewählt wurde.

Gelesen. Kracht.

Christian Kracht: Imperium. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2012.

Literarische Adaption des Lebens August Engelhardts: ein lebensreformerisch Tätiger, der die Kokosnuss in ihrer universalen Nutzbarkeit ins Zentrum seines kolonialen Insellebens stellte. Man lernt daher unter anderem das nützliche Wort »kokovor«.

Gelesen. Uhlman.

Fred Uhlman: Mit neuem Namen. Übertragen von Felix Berner. Stuttgart, DVA, 1985.

Geschichte einer Freundschaft zwischen Hans Schwarz, einem jüdischen, und Konradin Graf von Hohenfels, einem christlichen Jugendlichen, die trotz vermeintlich starker Bindung zwischen den beiden mit dem Beginn der Naziherrschaft scheitert: steht der eine als plötzlich verfemt den neuen Machthabern kritisch gegenüber, heißt der andere sie als Erneuerung deutschen Wesens willkommen. – Dreißig Jahre später – Hans konnte, anders als seine Eltern, noch rechtzeitig in die USA flüchten – erfährt er, dass Konradin als Gegner des Naziregimes hingerichtet wurde.

Dieser Band enthält zwei Erzählungen aus je einer Perspektive: die erste, bei Diogenes auch unter dem Titel Der wiedergefundene Freund, im englischen Original 1971 erschienen, erzählt das Geschehen aus Hans’ Sicht, die zweite, im Original 1983 veröffentlicht, offenbart Konradins Gedanken, die dieser vor seinem Tod im Tagebuch festhielt.

Insgesamt sehr romantisch jünglingsfreundschaftsselig und hölderlinsatt mit Hang zur Feier vermeintlicher adliger Überlegenheit. Teil I mag noch angehen, Teil II ist vollkommen unnötig und beseitigt im literarischen Sinne jede Offenheit des ersten Textes.

Der Diogenes-Band ist Schullektüre.