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Gelesen. Sandgren.

Lydia Sandgren: Gesammelte Werke. Übertragen von Stefan Pluschkat und Karl-Ludwig Wetzig. Hamburg: Mare, 2021.

Eine Mutter zweier Kinder verschwindet spurlos, Mann und Kinder richten sich im neuen Leben ein. Als das Buch einsetzt, sind die Kinder junge Erwachsene; die Tochter Rakel stößt auf eine Spur.

Was wie der Plot eines Kriminalromans klingt, wäre als solcher eine Enttäuschung, denn das Buch endet an einer Stelle, an der die Lösung präsentiert werden könnte. Statt tatsächlich die Verfasstheit und Gründe der Frau zu erforschen, die Kinder und Mann verlässt, stehen im Fokus dieses Buches eine langjährige Männerfreundschaft und die Befindlichkeiten der beiden – die letztlich recht langweilig sind. Interessanter ist da schon die Tochter Rakel, die ihre positiven Erinnerungen an die Mutter mit dem über sie Erfahrenen in Einklang zu bringen versucht.

Kein schlechtes Buch, aber auf mindestens das Doppelte des Gehalts aufgebläht (wer Novellen denkt, muss nicht Romane schreiben). Eine gute Lektorin hätte Wunder wirken können.

Schulbau und Verkehr in Eutin.

Noch immer ringt die Eutiner Politik um die notwendige Erweiterung der Wisser-Schule.

Nachdem eine Mehrheit von CDU und Grünen eine Wahlperiode lang für eine Sporthalle fernab der Schule stritt, dann kommentarlos von dem Vorhaben abrückte (das den Schulbau damit unnötig um fünf Jahre verzögerte), soll nun auf dem zu kleinen Bestandsgelände im Wesentlichen neu gebaut werden.

Auch dies ist verkehrt, und ich wünsche dem Bürgerbegehren der Eltern der Wisser-Schule, das einen Neubau auf genau dafür vorgehaltenem Bauland neben der Gustav-Peters-Schule vorsieht, viel Erfolg: nur dort kann eine zukunftsgerichtete Schule entstehen.

Dass es auf dem bestehenden Gelände nicht geht, zeigt an einem Beispiel die Stellplatzplanung, wie Constanze Emde hier berichtet.

Dabei ist es ganz richtig, dass mit zu wenig Stellplätzen für Autos geplant wird: es muss unbequem sein, mit dem Auto zu kommen, damit weniger Lehrkräfte das Auto als Verkehrsmittel wählen. Dass aber vor dem Hintergrund des von der Stadtvertretung festgestellten Klimanotstands für Fahrräder gegenüber den in der Stellplatzsatzung, die ja nur ein notwendiges Minimum (!) darstellt, geforderten 290 Plätzen 100 Plätze zu wenig ausgewiesen werden sollen, sollte jedem Stadtvertreter verdeutlichen, dass diese Planung falsch ist. Das Ziel müsste sein, die 290 Plätze zu übertreffen, um den zunehmenden Radverkehr aufzunehmen!

Für Fahrräder wird in den nächsten Jahren bei jeder Baumaßnahme Angebotsplanung das Mittel der Wahl sein müssen, um dem Klimanotstand entgegenzuwirken: es muss bequem und sicher sein, mit dem Fahrrad zu kommen. Schüler*innen wie Lehrer*innen müssen sich auf einen sauberen und trockenen Fahrradabstellplatz verlassen können – dann steigen sie aufs Fahrrad um bzw. bleiben dabei. Und wenn die Politik unbedingt am ungeeigneten Standort festhalten will, ist als Minimallösung ein Fahrradparkhaus, wie es die Initiative des Schulleiters Sven Ulmer vorsieht, vollkommen richtig, damit kein Kind, das mit dem Fahrrad kommen will, stattdessen mit dem Auto chauffiert werden muss.

Grüne Kommunalpolitiker*innen, die ein Unterlaufen der Stellplatzsatzung für Fahrräder mittragen, statt im oben genannten Sinne ein Übererfüllen anzumahnen, haben diese Farbe zu tragen nicht verdient. Sie sind in Eutin – so leid es mir tut – unwählbar.

Gelesen. Fittko.

Lisa Fittko: Mein Weg über die Pyrenäen. Erinnerungen 1941/42. München: dtv, 2004.

Zusammen mit anderen führte Lisa Fittko, selbst zunächst aus Nazi-Deutschland, dann vor der Besetzung Frankreichs in das Gebiet des Vichy-Regimes geflohen, Flüchtlinge aus Deutschland über die Grenze nach Spanien, von wo aus sie der Franco-Diktatur wegen weiterfliehen mussten – beispielsweise, wie später die Fittkos selbst, nach Kuba. Der bekannteste Flüchtling auf dieser Route war sicher Walter Benjamin.

Corona in Schleswig-Holstein – Schulbeginn am Montag.

Die Zahlen zu neuen Corona-Infektionen in Schleswig-Holstein sehen nicht gut aus, aber am Montag geht die Schule los. In Präsenz, denn die stets nur per Videokonferenz tagende Kultusministerkonferenz und vor allem unsere Ministerin will es so, und im Lüften sind wir Meister! Latürnich!

An dieser Stelle sei noch einmal resigniert erwähnt: unsere Schule könnte problemlos von jetzt auf gleich (also auch von heute auf Montag) auf Distanzunterricht umschalten. Der Stundenplan könnte 1:1 eingehalten werden. Es würde kein Unterricht nicht erteilt werden können.

Es wäre sicherer für Schüler*innen und Kolleg*innen. Auch milde Verläufe sind gefährlich. Von nicht milden ganz zu schweigen.

Unter den gegebenen Umständen mit dem Präsenzunterricht zu beginnen, halte ich für falsch.

Gelesen. Kunst.

Thomas Kunst: Zandschower Klinken. Berlin: Suhrkamp, 2021.

Och nö. Sowohl die Idee – ein mecklenburger Dorf sagt sich von seiner tatsächlichen Umwelt los und simuliert zur Verhinderung der Landflucht diverse interessante Szenarien – als auch der Schauplatz sind reizvoll, aber die Durchführung ist mir zu undurchsichtig artifiziell. So erscheint es mir nicht schlüssig, warum viele längere und kürzere Passagen wie Versatzstücke exakt oder variiert wiederholt werden. Wenn dies die Redundanz der Verrichtungen alltäglichen Lebens aufzeigen soll, wären dafür andere Wege zu finden als den Leser immer wieder das Gleiche lesen zu lassen (in seiner Annahme, möglicherweise doch noch auf eine Veränderung zu stoßen), denn das ist in Prosa nur nervig. Nicht ohne Grund wurde für die Musiknotation das Wiederholungszeichen erfunden.

Auch andere Sprachspielereien sind zwar als solche reizvoll, haben wie ohnehin so einige Stellen Witz – problemlos könnte man tolle Seiten zum vergnüglichen Vorlesen finden –, aber sie tragen den Roman nicht. Schade, eigentlich.