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Gelesen. Phillips.

Julia Phillips: Das Verschwinden der Erde. Übertragen von Pociao und Roberto de Hollanda. München: Deutscher Taschenbuch, 2021.

Kamtschatka, heute. – Die einzelnen Episoden durchaus überzeugend als Vorstellungen von Mädchen und Frauen in ihrer je eigenen Lebenssituation – es bleibt aber bei der Vorstellung, eine Entwicklung findet nicht statt oder wird nur angedeutet, nicht ausgeführt, wenn auch durch Überlappungen der Lebensgeschichten die Perspektiven wechseln. Gerade aufgrund des Blicks in eine uns fremde Gesellschaftskonstellation – wichtiges Thema ist das Verhältnis zwischen Ewenen, Korjaken, Itelmenen, Tschuktschen als indigenen Gruppen auf der einen und Russen (sowie neuerdings auch weiteren »Fremden«, beispielsweise Arbeitern und Touristen) auf der anderen Seite – erhellend.

Gelesen. Mosebach.

Martin Mosebach: Krass. Hamburg: Rowohlt, 2021.

Mein erstes Mosebach-Buch – und vermutlich auch mein letztes: ich weiß nicht, für wen Mosebach schreibt, aber für mich offenbar nicht.

Drei Teile hat das Buch: im ersten Teil wird eine kleine Gesellschaft geschildert, die sich um den verschwenderisch lebenden titelgebenden Geschäftsmann Krass bildet, die sich, von Hotel zu Hotel ziehend, teure Immobilien besichtigend, Schmuck und teure Kleidung erwerbend, momentan in und bei Neapel aufhält. Zwei wichtige Teilnehmende – Dr. Jüngel, scharwenzelnder Junge für alles und Lidewine Schoonemaker, in erster Linie an Männern interessierte Figur gewordene Altautorenphantasie – werden aufgrund eines Fehlverhaltens aus der Gruppe ausgeschlossen. Der zweite Teil erzählt die Geschichte Dr. Jüngels nach dem Ausschluss aus der Gesellschaft, der ihn ohne Geld in Frankreich stranden lässt. Der dritte Teil berichtet von einem zufälligen Treffen der wesentlichen Figuren in Kairo Jahrzehnte später. Letzteres soll vermutlich Schicksalsschwere erzeugen oder aber die Problematik der Fiktion von Schicksalsschwere in den Fokus rücken.

Der Reiche ist übrigens nicht tatsächlich reich (insofern erfahren wir also auch nichts über das Wesen des Reichtums, sondern allenfalls über die Anziehungskraft von Geld), sondern scheitert irgendwann an seinen eigenen Geschäften, der liebedienerische Lakai sieht ihn aus gefestigter Position heraus sterben, die Verstoßene schwimmt wieder ganz oben, all dies aber wird in einer unkonkret bleibenden Scheinrealität geschildert, die jegliche Relevanz für die Leserin missen lässt (Fantasy für reaktionäre Bildungsbürger) – so what?

Das Ganze in einem Stil, der aufgrund einiger Manierismen einige Rezensent:innen an Thomas Mann erinnert, dabei nichts von dessen Eleganz hat, stattdessen unfreiwillig komisch auch in Passagen wirkt, die nicht etwa der Gedankenwelt der Figuren, sondern dem Erzähler zuzurechnen sind. Dass Mosebach-Apologeten dies mit einer ironischen Erzählhaltung entschuldigen würden – geschenkt.

Vielleicht entgeht mir Wesentliches. Aber ich frage mich schon: wozu dieses Buch?

MacTeX / TeXLive 2021.

Nach der Installation zwei Meldungen vom System:

luaotfload | db : Font names database not found, generating new one.
luaotfload | db : This can take several minutes; please be patient.


– Das war’s schon: Eine neue Ausgabe des bevorzugten Satzsystems für typografisch ansprechende Arbeitsblätter in der Schule – MacTeX 2021 – ist da. Funktioniert natürlich tadellos.