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Gelesen. Percy.

Walker Percy: Der Idiot des Südens. Übertragen von Peter Handke. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1988.

Offenbar bin ich kein idealer Walker-Percy-Leser (der Übersetzername hätte mich warnen sollen), wie ihn Angela Praesent definiert, denn auch wenn einzelne Figuren und Schilderungen mich berührten, empfand ich den Roman als insgesamt zu lang (was vielleicht, auch das lässt Praesents Rezension vermuten, am wenig sorgfältigen Übersetzer liegt, der offenbar sich selbst wichtiger nimmt als den zu übertragenden Text): Unzuverlässigkeit und borderlineske Verhaltensweisen sind dem Leser auch nach der Hälfte des Buches schon in ausführlichen Variationen verständlich geworden, die ironische Haltung des Erzählers ist ebenso rasch deutlich, und trotzdem würde ich empfehlen, mal hineinzuschauen, denn ein paar Stellen fielen mir doch auf, so, wenn die Sicht der Hauptfigur, des Technikers, auf Mitmenschen beschrieben wird:

»Kennen Sie ihn?«
»Nein«
»Das ist Dr. Moon Mullins, ein lieber Kerl.«
Es muß sich um eine ernste Erkrankung handeln, dachte der Techniker: er findet jeden lieb. [Ebd., 65]

Auch die Herzallerliebste ist manches Mal wenig freundlicher, wenn es um den Blick auf die Menschheit geht (betrifft es hier auch ein einzelnes Exemplar):

Als er sich zwischen den Polstern zurücklehnte, fiel sein Blick auf ein Votivbild. Es zeigte einen Mann, der, von einem Motorrad geschleudert, in einem Graben lag. Er hatte offensichtlich innere Verletzungen davongetragen, denn Blut schoß aus seinem Mund wie aus einem Gartenschlauch.
»Das ist mein Lieblingsbild«, sagte Kitty. »Ist es nicht großartig?« [Ebd., 123]

Wie aus jedem guten Buch kann man natürlich auch Lehren fürs Leben mitnehmen, indem man die Erfahrungen der Figuren als relevant begreift:

»Ich möchte bei einem Menschen immer dessen Philosophie erfahren, und ich möchte Ihnen die meine darlegen.«
Jammer, dachte der Techniker düster. Nach fünf Jahren New York, Central Park und Y.M.C.A. nahm er sich vor Philosophen in acht. [Ebd., 150]

In diesem Sinne.

Gelesen. Eribon.

Didier Eribon: Rückkehr nach Reims. Übertragen von Tobias Haberkorn. Berlin: Suhrkamp, 2016.

Hin und wieder schickte ich ihnen [den Eltern] eine Postkarte von meinen Auslandsreisen, halbherzig bemüht, eine Verbindung aufrechtzuerhalten, die ich mir so lose wie möglich wünschte. [Ebd., 9]

Diese Ausgangslage wird verändert, als der Vater stirbt, was den Foucault-Biograph Eribon zu einer Auseinandersetzung mit dem für ihn nie heimischen Arbeitermilieu, seinen soziologischen Bedingungen und nicht zuletzt auch zu einer Wiederannäherung an seine Mutter veranlasst.

In seinem autobiographischen Text werden ganz verschiedene Themen methodisch unterschiedlich angegangen: es findet sich die schlichte Erinnerung an Begebenheiten in Kindheit und Jugend, ebenso aber Gesellschaftsanalysen etwa zur Erklärung des Aufstiegs des Front National bei traditionell linken Arbeitern. Auch die eigene Motivation zur Flucht aus dem Herkunftsort – der intellektuellen Provinz – ins zentrale und offene Paris revidiert Eribon: während er lange seine dort nicht akzeptierte Homosexualität zur Erklärung heranzog, sieht er inzwischen die eigene Distanz zum Arbeitermilieu als ebenso wesentlich an – dies ist für ihn auch deshalb umso erstaunlicher, als er als linker Denker gerade in seiner Sturm- und Drangzeit die Interessen der Arbeiterschaft abstrakt verteidigte.

Ein schwierig einzuordnender, meist kluger Text, der nur selten in unnötig akademischen Jargon abrutscht.

Ein Interview mit Didier Eribon findet ihr hier.

»Glück« und »Flow« im Comic.

The Oatmeal betrachtet das im Philosophieunterricht immer mal wieder untersuchte Thema Glück – bei dem bei uns meist nicht nur antike Glückskonzeptionen gegenüber gestellt werden, sondern meist auch auf die modernere Variante Mihály Csíkszentmihályis hingewiesen wird: How to be perfectly unhappy.