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Gelesen. Fossum.

Karin Fossum: Der Mord an Harriet Krohn. München: Piper, 2006.

Ein Beispiel dafür, wie sich der Kriminalroman immer mehr in Richtung des Romans verschiebt: die eigentliche Ermittlung und Kombination der Spuren – Kernstücke des klassischen Detektivromans – spielen fast gar keine Rolle, denn der Täter war ungeschickt und hinterließ viele Spuren, sodass der Fall recht einfach zu klären ist.

Der Leser erlebt das Geschehen aus der Perspektive des Täters, erfährt auch seine Motivation, sieht ihn nach der Tat ein neues Leben aufbauen und Schulden – finanzielle und zwischenmenschliche – abtragen. Der Täter – vorher Spieler und gesellschaftlicher loser – resozialisiert sich selbst, das Fundament dieser Entwicklung ist allerdings die begangene Tat, und der Ermittler hat noch nie einen Fall ungeklärt gelassen ...

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Tufte und die Tafelbilder.

Tufte ist schnafte, klar. Für mich war das Buch allerdings nicht nur ein coffe table book neben anderen, sondern auch wegen des Schulbezugs wichtig (was die Schwierigkeit der praktischen Umsetzung der Forderung, ein Lehrer solle – im Interesse langfristiger Erhaltung der Arbeitskraft – auch mal Feierabend machen, verdeutlicht).

Immer wieder kaufe ich mir zu Schullektüren auch Erläuterungsbände, die – wenn man die richtigen wählt – meist recht gut und knapp das Wesentliche zu einem Buch rekapitulieren. Katastrophal aber sind häufig die vorgeschlagenen Tafelbilder, die zu viel Erkenntnis in graphischer Form transportieren und/oder festhalten sollen. Der Grund hierfür scheint mir in der Vorstellung von der Aufgabe des Tafelbilds zu liegen.

Was kann ein Tafelbild gut?

  • Während eines Unterrichtsgesprächs rasch skizziert das Gesagte unterstützen (dabei aber meist nur einen Gedanken zur Zeit verdeutlichen)

  • Übersicht schaffen - z. B. ein Zeitstrahl mit eingeordneten Handlungselementen

  • Verhältnisse visualisieren - z. B. die Figurenkonstellation eines Dramas

  • Abstrakte Konzepte verbildlichen - z. B. ein Modell der Wahrnehmung nach Kant

Was kann ein Text möglicherweise besser?

  • Differenziert Sachverhalte beschreiben (im Unterschied zum Tafelbild, das eher mit klar unterscheidbaren Konzepten arbeitet)

  • Komplexe Beziehungen zwischen Elementen darstellen (im Unterschied zum Tafelbild, das bei einer gewissen Fülle an Verbindungen chaotisch wirkt)

  • (In gegliederter Form) beliebig viel Wissen aufnehmen (im Unterschied zum Tafelbild, das nur eine begrenzte Fläche zur Verfügung hat und mit diesem Platz haushalten muss)

Wie sollte ein Tafelbild nicht sein?

  • Unübersichtlich

  • Überladen

  • Zwei Wochen nach der Unterrichtsstunde nicht mehr verständlich
Insofern muss ein Tafelbild klar und aufs Wichtigste reduziert sein, möglichst nur wenige Aspekte auf einmal enthaltend (andere sind auf ein neues Tafelbild zu verlagern), dabei aber so ausreichend und gut beschriftet, dass es auch bei Wiederholungen für spätere Prüfungen noch verständlich ist.

Gelesen. Tufte.

Edward R. Tufte: Envisioning Information. Cheshire: Graphics Press, 1990.

Tuftes Bücher sind ein Genuss. Zwei Gründe gibt es hierfür:

Inhaltliche: seine langjährige Erfahrung als Professor in Yale ermöglicht ihm, aus einem großen Fundus unterschiedlichster Abbildungsquellen zu schöpfen. Diese objets trouvées werden kombiniert mit eigenen Grafiken, mit denen er seine Ausführungen belegt.

Gestalterische: seine Bücher sind vorbildlich gestaltet: Typographie, Format, Einband, Umschlaggestaltung – all das fügt sich zu einem harmonischen, dabei modernen Ganzen.

Zu diesem – Envisioning Information (hier Beispielseiten aus dem Buch) – speziell: es geht um die möglichst einfache Darstellung komplexer Daten in graphischer Form. Ob dies nun an einem 1937 gezeichneten Eisenbahnfahrplan für die Strecke Soerabaja–Djokjakarta oder an einer Übersichtstabelle für die Zeichengebung eines ein landendes Flugzeug einweisenden Lotsen demonstriert wird: immer zeigt Tufte überzeugend , dass für Informationsvermittlung entscheidend ist, alle Störquellen (schlechte Visualisierung, störende Typographie, unnötige Gestaltungselemente) auszuschalten und sich auf die Betonung des eigentlich Wichtigen zu konzentrieren. Über Erkenntnisse aus der Wahrnehmungspsychologie ("1+1=3") verdeutlicht er die Notwendigkeit der Schlichtheit, zeigt aber auch, dass komplexe Grafiken mehr als nur einen Blick – nämlich die aktive Mitarbeit des Lesenden – brauchen, um erfasst zu werden.

Die Typographie des Buches folgt den dargestellten Grundsätzen: Eine breite Hauptspalte jeweils links auf jeder Seite enthält den in der Bembo gesetzten Text, der konzentriert, aber klar die Grundsätze der Visualisierung von Informationen an Beispielen darlegt. Unterstützt wird dies von Abbildungen, aber auch von einer kleiner gesetzten Marginalienspalte, in der Quellen und weiterführende Literatur aufgeführt und zum Teil eingeordnet und besprochen werden.

Ein die Beschäftigung mit ihm lohnendes Buch!

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