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Lesen 2.0?

Der Lehrerfreund verweist auf den ZAP Reader, ein online verfügbares Werkzeug, das per URI oder Kopieren aus der Zwischenablage angegebene Texte Wort für Wort einblendet und so – da Saccaden, die sprunghaften Blickbewegungen zwischen einzelnen Fixationen beim veralteten Lesen 1.0, wegfallen – eine erhöhte Leseleistung verspricht.

Der Selbstversuch zeigt, dass dies nicht möglich ist: der geübte Leser wird immer mehr als nur ein einzelnes Wort erfassen; so wie er nicht mehr analytisch jeden einzelnen Buchstaben wahrnimmt, um die zu einem Wort gehörigen zu synthetisieren, sondern stattdessen das ganze Wort erkennt, liest er auch nicht jedes einzelne Wort, sondern nimmt einen größeren Zusammenhang wahr, aus dem der Sinn erschlossen wird. Diese Beschleunigung ist durch das genannte Tool schlicht nicht aufzuholen.

Beim Überfliegen von Texten ist dies besonders deutlich, dass dies aber auch für andere – zum Beispiel einfache belletristische Texte – gilt, zeigt ein einfacher Versuch mit widerständigen, zum Beispiel wissenschaftlichen oder schwierigeren literarischen Texten, in denen in der Tat zuweilen Wort für Wort, zuweilen auch gegen die Leserichtung zurückgesprungen und wiederholt gelesen werden muss.

Lesen ist nicht maschinelle Wortverarbeitung, sondern ein komplexer Vorgang, der nur durch tägliche Übung beschleunigt werden kann: wird sind eben nicht Lt. Cmdr. Data, der auf dem Bildschirm dargestellte Texte scannt und in immer gleichbleibender Geschwindigkeit verarbeitet, sondern analog Zusammenhänge erfassende und potentiell chaotisch lesende sinnverstehende und -gebende Menschen.

Gelesen.

Sue Townsend: Adrian Mole and the Weapons of Mass Destruction. London: Penguin, 2005.

Vor etwa zwanzig Jahren las ich in Cambridge das erste Buch der Adrian-Mole-Serie. Auch das neueste, das – neben vielen neuen privaten Verstrickungen des Protagonisten – den Krieg Bushs und Blairs gegen den Irak begeitet, ist ein getreuliches Spiegelbild britischen Lebens dieser Tage. Voller Witz und gleichwohl von großer Ernsthaftigkeit: Sue Townsend gelingt auch mit diesem Buch etwas Besonderes.

Buch bei Amazon angucken: deutsch | englisch.

Mehr über das Buch zum Beispiel hier.

Urheberrecht und Gemeininteresse.

Michael Menard, Geschäftsführer des Börsenvereins Region Nord, hat sich im Börsenblatt zur Urheberrechtsdebatte geäußert und dabei festgestellt, dass die Argumente der Büchhändler heute die selben (und auch genauso gültig) seien wir vor fast zweihundert Jahren.

Grundsätzlich hat er Recht – gleichwohl gibt es Bereiche, in denen der Nutzen der Allgemeinheit zumindest mitbedacht werden muss: niemand wird fordern, dass ein Buchhandelskunde vom just gekauften Bestseller gewerblich Kopien verkaufen darf. Wohl aber muss gewährleistet sein, dass Lehrer ihren Schülerinnen und Schülern beispielsweise im Unterricht Teile aus Werken in Kopie zur Verfügung stellen können. Ob diese Kopien dabei Papierform haben oder digital verteilt werden, muss unerheblich sein. Hier geht Gemeinnutz vor Eigennutz. Inwiefern die Verlage (und damit auch die Autoren) hierfür pauschalisierte Vergütungen erhalten, muss zwischen Staat und Buchbranche ausgehandelt werden, es darf die Unterrichtspraxis (in der die künftigen Kunden ausgebildet werden) nicht tangieren – auch wenn diese medial unterstützt wird.

Dass nebenbei auch die Forderung nach ganz freiem Zugang zu Quellen beispielsweise der Forschung auftaucht, hat indes seinen Grund nicht in erster Linie in einer "Geiz ist geil"-Mentalität, sondern in exorbitanten, nicht zu rechtfertigenden Preisen bestimmter Fachliteratur, die mit der Knappheit der Ressource bzw. der Abhängigkeit der Forschung von derlei Publikationen wuchert. (Hierzu weiteres im Open Access-Artikel.)

Die besten Buchhändler der Welt …

… sollen sie natürlich werden, die Auszubildenden im Buchhandel, denen ich einen Teil ihrer speziellen Betriebslehre nahezubringen suche.

Was zählt dazu?: zum Beispiel (Ergänzungen gern in die Kommentare)
  • Offenheit, Aufgeschlossenheit und Interesse,

  • Fähigkeit zur Differenzierung,

  • Bewusstheit der ökonomischen Funktion des Handelns,

  • Freude am Umgang mit dem Kunden, aber eben auch

  • Wissen – über Fachkundliches und über möglichst viele Gebiete, die in einer Buchhandlung eventuell gefragt sein könnten.

Wenn sie dann in der Berufsschule, wie der Lehrplan sagt, »weitere Warengruppen erschließen« sollen, müssen diejenigen unter ihnen, die in kleinen Sortimenten arbeiten, viel lernen. Am Beispiel der Warengruppe EDV ist dies zu erkennen: der Merkzettel ist umfangreich – wer aber in einer Fachbuchhandlung arbeitet, weiß, dass die genannten Themen nur die allerwichtigsten sind.