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Gelesen. Natsume.

Natsume Sōseki: Kokoro. Übertragen von Oskar Benl. Zürich: Manesse, 2016.

Ein besonderes Buch in besonderem Ton: fast alle Lebensfakten bleiben unbestimmt, sodass die eigentliche Geschichte in einem universellen Schwebezustand zu verharren scheint. Figuren sind ein »Onkel«, eine »Frau«, ihre »Tochter«, ein »Freund« namens »K.« – und all diese Bezeichnungen stammen aus einem Brief des »Sensei«, der eben auch eine »Frau« hat wie der Erzähler einen »Vater« und eine »Mutter« … Relationen, Funktionen, nicht aber identifizierte Subjekte. Entsprechend wird ein »Spezialfach« einer »Fakultät« studiert – alle Benennungen bleiben so abstrakt wie die Diskussionen der Handelnden über die Liebe, die jeden Bezug auf konkrete Personen vorsichtig missen lassen, um nicht Empfindlichkeiten zu verletzen.

Umso deutlicher der Gegensatz zum erzählerischen Kern des Ganzen, auf den das Buch von der ersten Seite an zusteuert, eine Lebensschuld, die aufgrund emotionaler Irrungen, Wirrungen entstand und in jahrzehntelangem Leid ertragen wird, bis sie – analog zum Tod des Kaisers – wieder ausgeglichen wird.

Ein Wiener Doktor riet zur Lektüre. Ich schließe mich an.

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