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Gelesen. Eribon.

Didier Eribon: Rückkehr nach Reims. Übertragen von Tobias Haberkorn. Berlin: Suhrkamp, 2016.

Hin und wieder schickte ich ihnen [den Eltern] eine Postkarte von meinen Auslandsreisen, halbherzig bemüht, eine Verbindung aufrechtzuerhalten, die ich mir so lose wie möglich wünschte. [Ebd., 9]

Diese Ausgangslage wird verändert, als der Vater stirbt, was den Foucault-Biograph Eribon zu einer Auseinandersetzung mit dem für ihn nie heimischen Arbeitermilieu, seinen soziologischen Bedingungen und nicht zuletzt auch zu einer Wiederannäherung an seine Mutter veranlasst.

In seinem autobiographischen Text werden ganz verschiedene Themen methodisch unterschiedlich angegangen: es findet sich die schlichte Erinnerung an Begebenheiten in Kindheit und Jugend, ebenso aber Gesellschaftsanalysen etwa zur Erklärung des Aufstiegs des Front National bei traditionell linken Arbeitern. Auch die eigene Motivation zur Flucht aus dem Herkunftsort – der intellektuellen Provinz – ins zentrale und offene Paris revidiert Eribon: während er lange seine dort nicht akzeptierte Homosexualität zur Erklärung heranzog, sieht er inzwischen die eigene Distanz zum Arbeitermilieu als ebenso wesentlich an – dies ist für ihn auch deshalb umso erstaunlicher, als er als linker Denker gerade in seiner Sturm- und Drangzeit die Interessen der Arbeiterschaft abstrakt verteidigte.

Ein schwierig einzuordnender, meist kluger Text, der nur selten in unnötig akademischen Jargon abrutscht.

Ein Interview mit Didier Eribon findet ihr hier.

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