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Notengespräche (und die Folgen).

Geht es auf die Zeugniskonferenzen zu, sitzen bei uns überall Lehrkräfte auf den Fluren und bitten nacheinander die Schülerinnen und Schüler (S) aus dem Klassenraum zu sich, um mit ihnen einzeln die mündlichen (und in der Folge die Zeugnis-) Noten zu besprechen (die schriftlichen Noten sind ja ohnehin bekannt). Trotz der freundlichen Vokabel »besprechen« entscheidet über die Note natürlich die Lehrkraft, und trotzdem habe ich heute wieder bemerkt, dass diese Gespräche eine wichtige, im Tagesgeschäft viel zu selten genutzte Form der Rückmeldung sind.

In meinen Deutschkursen habe ich mir in diesem Halbjahr zu fast jeder Stunde aufgeschrieben, wie ich die S erlebt habe (in Philosophie seltener). Die Zeichen ++, +, o und - stehen dabei für hervorragende, gute, pflichtgemäße oder fehlende Unterrichtsbeiträge. Zuhause habe ich die Notengespräche vorbereitet, indem ich die Notate ausgewertet und in meine Vorstellung der mündlichen Note gewandelt habe.

Das Gespräch selbst läuft bei fast jedem Schüler, bei fast jeder Schülerin gleich ab: ich frage nach der Eigenbewertung und erkläre danach meine Sicht der Dinge. In fast allen Fällen geht das überein; selten gibt es für die S schlechte Überraschungen (die ich dank der Stundennotate belegen kann), häufiger gute (sei es die Bestätigung der eigenen Einschätzung, sei es ein Notenpunkt mehr als gedacht). Natürlich tauschen wir uns auch über andere, meist durch persönliche Lebensumstände beeinflusste Aspekte des Leistungsstandes aus. Die ausgesprochene Versicherung meinerseits, dass ich an die Möglichkeit der (weiteren) Verbesserung glaube, ist trotz ihrer Häufigkeit keine Floskel.

Das für mich Interessante passiert nach diesen Gesprächen: in der unmittelbar auf den Austausch folgenden Stunde ist die Beteiligung am Unterrichtsgeschehen außergewöhnlich gut. Da die S wissen, dass sich an den zuvor besprochenen Noten nichts mehr ändert, führe ich die Verhaltensänderung auf die Bewusstwerdung des Tuns zurück: die S bemerken, dass ich sie bemerke, und sie wollen wahrgenommen werden, sie wollen ihren besonderen Teil zum Ganzen beitragen, einerseits, um den positiven Eindruck zu festigen oder aber ein verbesserungsfähiges Bild zu korrigieren (nach dem Spiel ist …), andererseits, weil auch in Bezug auf die inhaltliche Arbeit deutlich wurde, dass die Unterrichtsbeiträge von Belang sind. Offenbar bedeutet ihnen die Rückmeldung in den Gesprächen etwas. Mich freut das.

Erinnerung an mich fürs nächste Halbjahr: häufiger mit den S über Stundeneindrücke sprechen.

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