Skip to content

Stan Lee (1922–2018).

Gestern abend, als ich die Nachricht las, nahm ich mir noch vor, die Schüler*innen, mit denen ich gerade die Warengruppe Comic bearbeite, auf den Tod Stan Lees anzusprechen, hatte es dann über andere Dinge (so viel zu unterrichten, so wenig Zeit) fast schon wieder vergessen.

Das erste, was ich heute von ihnen gefragt wurde: »Sie wissen aber, dass wir heute etwas zu betrauern haben?«

Weg zur Arbeit.

Weg im NebelAus Gründen wollte ich heute eigentlich nicht mit dem Fahrrad zur Schule fahren – aber der Nebel lockte dann doch.

Bäume im Nebel

Bäume im Nebel

Laufen, basteln, bloggen, essen.

Heute morgen in angenehm feuchter Luft und stimmiger Temperatur eine Runde gelaufen, dabei zu sehr die am Vorabend die Spielrunde begleitenden Lakritze gespürt.

Nach einer Erklär- und Anspielrunde am letzten Wochenende hatten wir gestern Alexander Pfisters Great Western Trail zum ersten Mal richtig gespielt, haben aber nach drei Stunden abgebrochen, als es auf Mitternacht zuging und wir vermuten mussten, zwei Stunden könnte es schon noch dauern … Das Spiel ist wirklich sehr komplex, es gibt eine Menge Möglichkeiten, Punkte zu machen, und bis zum Schluss weiß man nicht wirklich, wer gewinnt, weil auch die Punkteverteilung nicht ganz einfach ist. Unser Lieblingsspiel wird es wohl nicht, aber wir werden es nochmal probieren.

Robert Basic ist gestorben und allerorten liest man Nachrufe. Auch ich habe sein Blog in der Frühzeit des Bloggens gelesen und seine Art geschätzt, wenn auch unsere Interessen unterschiedliche waren.

Lange dabei ist auch Pia Drießen, die zur Zeit ein Problem hat. Ich kann mich auch daran erinnern, dass wir immer mal wieder über so eine Art gegenseitige Versicherung für Blogger*innen nachgedacht haben. Aber eben nur nachgedacht.

Gebastelt habe ich an Sammlungen von Beispieltiteln für die Warenkunde von Buchhändler*innen – insbesondere im Bereich Reiseliteratur, erweitert um Reiseberichte und das in Deutschland neu entdeckte nature writing.

StewHeute zum Mittag bereitete die Herzallerliebste ein im Ofen geschmortes Stew aus Paprika Tomaten, Roter Bete, Pflaumen und noch diversem anderem Kram, das formidabel aussah und schmeckte: schön würzig (Kreuzkümmel rulez). Das Foto zeigt die beeindruckende Farbpalette und mein Unvermögen auf dem Gebiet der Foodografie.

Kristian Köhntopp teilte einen Link zum Energiebedarf der Bitcoin-Rechnerei (und das ist ja nur eine Kryptowährung). Dass allerorten darüber nachgedacht wird, die Blockchain-Technologie auch für alle möglichen anderen Zwecke einzusetzen, hat auch einen Vorteil: man braucht sich keine Gedanken mehr um die Zukunft zu machen.

Angekündigter Merkel-Abgang.

Wenn Angela Merkel heute in der Reaktion auf die Hessen-Wahl ihren absehbaren Abschied vom Parteivorsitz (und den späteren Rückzug aus dem Kanzleramt) ankündigt, dann ist das etwas, was der CDU noch einige Enttäuschung bescheren wird. Dass diese nämlich in den Wahlen nicht so gnadenlos abgestraft wurde wie die SPD, dürfte der nach wie vor großen Popularität Merkels zuzurechnen sein, die weder Herr Spahn noch Herr Merz – jeder auf seine Art peinlich – jemals erreichen werden. Frau Kramp-Karrenbauer wiederum wird sicher keine Chance bekommen, denn die Stimmen, die fordern, nun müsse auch mal ein Mann ran, werden laut und zahlreich sein, und so werden die Jungs es unter sich ausmachen.

(Und feixend in der Ecke sitzt Herr Seehofer, der in seiner egomanischen Destruktionslust die eigentliche Verantwortung für die letzten Monate an Zwist trägt; es ist ein Jammer, dass immer die Klügeren nachgeben und Dummdreiste in ihrer unsensiblen Schamlosigkeit den Sieg davontragen.)

Tscha, und die SPD? Erneuerung kann nicht bedeuten, alle paar Monate neue Vorsitzende zu installieren. Und es hat keinen Zweck, nur der Veränderung wegen noch weniger geeignete Kandidaten zu verschleißen. Andrea Nahles wird an sich arbeiten müssen, so wie es beispielsweise Sigmar Gabriel auch zugestanden wurde. Ihr Abgang würde nichts verändern, denn wenn keine überzeugenden Leute in der Partei nachfolgen können, wird sie so wie so halt nicht gewählt.

Und Bündnis 90/Die Grünen?: ich gönne ihnen ihren Höhenflug (auch wenn ich vermute, dass es sich mindestens teilweise um das Ergebnis politischer Herdenbildung, nicht um Überzeugungsstimmen handelt – das gleiche Phänomen, das bei der SPD negativ wirkt), möchte aber auch Ergebnisse sehen. In Baden-Württemberg sehe ich einen grünen Ministerpräsidenten, der Daimler huldigt. So etwas würde ich nicht wollen, gäbe ich Grünen meine Stimme. –

»Es kommen härtere Tage.«

Philosophische Seiten in der Zeit.

Die Zeit beginnt mit der Nummer vom 25.10.2018 eine »Sinn & Verstand« benannte Reihe von Artikeln, die sich mit philosophischen Fragen befassen soll. Neben anderen Beiträgen findet sich ein Gespäch mit Michael Sandel, in dem er unter anderem sagt:

Sandel: Das Denken braucht Zeit, wie die Politik. Schnell und einfach sind beide nicht zu haben. Sie verlangen Aufmerksamkeit und Anteilnahme für das, was Andersdenkende über ihre Prägungen, Überzeugungen und Lebensgeschichten zu sagen haben. Aber das ist kein Argument gegen die Demokratie, sondern gegen die technologisch bestimmte Zerstreuung und permanente Ablenkbarkeit, in der wir leben. Demokratie verträgt diese Flüchtigkeit nicht. Auch die Lehre und das Lernen vertragen die Ablenkbarkeit nicht.

Zeit: Was folgt daraus für Ihre eigene Lehre?

Sandel: Ich habe inzwischen alle Sorten Bildschirme aus meinen Vorlesungen und Seminaren verbannt. Man kann weder miteinander sprechen noch gemeinsam denken, wenn man ablenkbar ist. Dafür brauchen wir Räume, in denen wir ungestört sind. [Die Zeit 44 (2018), S. 47]

Gelesen. Taylor.

Dennis E. Taylor: We are Legion. (We are Bob). Worldbuilders, 2016.

Selbstreplizierende virtuelle Entität in Raumschiff (brain in a flying vat) entdeckt fremde Welten, hilft nach dem großen Showdown übrig gebliebenem kleinen Teil der Menschheit beim Finden einer Ersatzwelt, spielt anderswo Gott für eine Horde frühhumanoider Wesen … amüsante Science-fiction mit ausführlichen popkulturellen Referenzen.

Brodowin.

Die Herbstferien nutzten wir unter anderem auch für einen Aufenthalt von drei Nächten in der Schorfheide – ganz abgesehen davon, dass wir in der Nähe Verwandte besuchen wollten, ist die Schorfheide nicht zu weit weg, zudem alles andere als überlaufen.

2018-10-05_100340
 

Wir lasen vom Ökodorf Brodowin, wo wir auf jeden Fall unser Lager aufschlagen wollten, und fanden dort Unterkunft in der Ferienwohnung von Siegi’s Landhauspension (nur echt mit Apostroph), die wir schon mal weiterempfehlen können. Besonders gefallen hat uns der hochterrassenartige Balkon, von dem aus man morgens früh schon, mit einem Tee am Tisch sitzend, über die Apfelbäume des Gartens blicken und den Duft des Herbstes spüren kann. Siegis Mann wiederum presst aus diesen Äpfeln (Ontario und Boskop) einen großartigen Apfelsaft, der geschmacklich geradezu überwältigt. Der nächste Geldautomat (für die Barzahlung der Unterkunft) ist übrigens in Angermünde.

2018-10-05_100637
 

In Brodowin selbst ist zur Nachsaison natürlich nichts los; der lebendigste Teil und Kernstück ist der Hofladen der ehemaligen LPG, nach der Wende umgewandelt in eine Genossenschaft, nach und nach zu einem Vorzeigebetrieb nach Demeter-Standard aufgebaut, der wesentlich für eine ökologisch verträgliche Landwirtschaft im Einklang mit Erfordernissen des Naturschutzes steht und damit die Umgebung des Dorfes prägt. Andere Betriebe haben sich ähnlich ausgerichtet; die Marke Ökodorf Brodowin steht sowohl für die dort erzeugten Produkte als auch für das Dorf insgesamt, in dem (und in dessen Umgebung) die Ökodichte deutlich höher ist als provinzüblich; ein wenig fühlten wir uns an Dörfer im Wendland erinnert. – Und nein, im Schwarzen Adler, der Dorfgaststätte, gibt’s nach 18 Uhr (zumindest für uns überraschend) nix mehr. Gut, dass wir uns vorher im Hofladen mit Brot, Käse und Tee eingedeckt hatten.

2018-10-05_103233
 

Eine der schönsten Wanderungen dort ist sicher die zur Klosterruine Chorin – auf dem Hinweg über die alte Amtsstraße, auf dem Hinweg durch einen dichten Buchenwald (okay, ein paar Eichen und andere Sorten sind auch dabei), auf dem Rückweg über Theerofen durch einen Kieferforst:



Man kann auf der Wanderung auch einen Abstecher in den Ortskern Chorins machen, um dort vielleicht eine Flasche Mineralwasser erwerben zu wollen, wird allerdings erleben, dass Chorin selbst eine konsumfreie Zone ist.

2018-10-07_092747
 


Empfehlenswert ist ein Ausflug nach Eberswalde, eine Stadt, in dem wir ebenfalls Anflüge positiver Gestaltung und erfreuliche Zeichen alternativer Kultur und bewussten Wirtschaftens – beispielsweise der Regionalladen Krumme Gurke – bemerken konnten. Die dort unter anderem erworbenen Senfgurken Schwabecker Gold hatte ich ganz vergessen – werden heute probiert sind köstlich! Erst beim Nachlesen habe ich erfahren, dass es in Eberswalde eine Hochschule für nachhaltige Entwicklung gibt, deren Einfluss man deutlich bemerkt.

2018-10-06_111428
 

Als Abschlusswanderung sind wir am Abreisetag noch die Runde um die Brodowiner Seen spaziert, eine Strecke, die ich an einem Morgen zuvor auch gelaufen war.

Album Brodowin und Umgebung.

Mal wieder Herrndorf.

Ich halte diese neumodisch funktionierenden Websites, die aus einer einzigen langen Seite bestehen, die in einem fort nach oben weggewischt werden muss, ja für wirklich doof und für einen Rückschritt in die Zeit, als man noch nicht wusste, dass man mehrere HTML-Seiten zu unterschiedlichen Aspekten eines Themas mittels Links zu einer Site verknüpfen kann, aber die Inhalte der neuen Autorengedenkseite sind gut, und daher gehört sie hier trotz der gestalterischen Bedenken erwähnt: Über Wolfgang.

(Immerhin hat es mich per altmodischem, aber funktionierendem RSS-Feed dorthin verschlagen.)

Gelesen. Binet.

Laurent Binet: Die siebte Sprachfunktion. Übertragen von Kristian Wachinger. Reinbek: Rowohlt Taschenbuch, 2018.

Anspielungsreiche und häufig amüsante Räuberpistole um ein in den Wirren des Verkehrsunglücks Roland Barthes’ abhanden gekommenes Manuskript desselben im Milieu der Philosophie und Sprachwissenschaft, insbesondere der strukturalistischen Semiotik. Es treten auf: Michel Foucault, BHL (Bernard-Henri Lévy), Jean-Paul Sartre, Julia Kristeva, Philippe Sollers, Umberto Eco, John Searle, aber auch François Mitterrand und Giscard d’Estaing und andere; Themen sind neben der kriminalistischen Handlung die Auseinandersetzungen, eitlen Konflikte und Intrigen um die Modelle und Systeme der Beteiligten und der vorhergehenden Geistesgeschichte: Hermeneutik, Rhetorik, Epistemologie, Linguistik etc. Insgesamt aber überzeugt es mich weniger als das offensichtlich als Vorbild dienende Foucaultsche Pendel; es entbehrt nicht der Längen.