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Gelesen. Poschmann.

Marion Poschmann: Die Kieferninseln. Berlin: Suhrkamp Taschenbuch, 2018.

Gefällt (deutlich besser als der Roman Muschgs, der ja eine ähnliche Ausgangslage – erfahrener Geisteswissenschaftler flieht vor Beziehungsgeröll zuhause nach Japan – hat und seinen Protagonisten ebenso vornehmlich literarisch, aber auch anderweitig kulturell vermittelte Weltwahrnehmung und soziale Interaktion betreiben lässt; insgesamt deutlich eleganter, weniger geschraubt und aufgesetzt).

Ernteanteile in Solawi.

ErnteanteilSeit Anfang des Jahres sind wir nun – nach einer vierwöchigen Probezeit im November/Dezember – Mitglied einer Solawi und können uns einmal wöchentlich unseren Ernteanteil (im Bild: Ernteanteil und Schuhe) abholen.

Auf das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft hat unser älteres E-Kind, dessen WG in Marburg Mitglied ist, unsere Aufmerksamkeit gelenkt, und wir haben einen Hof in der Nähe gefunden: Hof Hollergraben ist ein Demeter-Betrieb mit freundlichen Menschen, die hervorragendes Gemüse anbauen. Immer freitags holen wir uns unseren Ernteanteil im Eutiner Depot ab. (Wir könnten die Waren auch direkt auf dem Hof abholen, das allerdings wären lange unnötige Fahrten.)

Was bringt’s? Dem Hof über unseren festen Monatsbeitrag Planungssicherheit, einen festen finanziellen Grundstock. Und uns regional erzeugtes superfrisches Ökogemüse ohne Verpackung. Saisonal unterschiedliche Erzeugnisse, mit denen wir umzugehen lernen. Vorher lief’s so: wir machten einen Wochenplan und kauften danach ein, nun bekommen wir Gemüse und verwerten es (kaufen natürlich zusätzlich noch Ergänzendes). Was kann man alles mit Roter Bete anfangen? Tolle Salate! Wie fermentiert man Chinakohl? Oh! Topinambur! Viel Petersilie? – Wir lasen da doch unlängst von einem feinen Taboulé-Rezept …

Was konkret in der Gemüsekiste zu finden ist, erfahren wir ein bis zwei Tage vorab per Mail, sodass wir schon mal Rezepte zusammensuchen können; trotzdem bleibt ein gewisses Überraschungsmoment erhalten, das uns das Gefühl des Beschenktwordenseins gibt – vielleicht gar nicht so verkehrt in Anbetracht hiesiger verlässlicher Nahrungsmittelversorgung.

Ein Beispiel ist unsere heutige Gemüsekiste, in der sich Kartoffeln, sehr dicke Möhren, Kohlrabi, Porree, Walnüsse, Kürbis, Topinambur, Weißkohl und Asiasalat finden.

Laufen 2018.

Im Jahr 2018 gelaufen: 1556 km – meist in der Gegend, aber auch im Urlaub; 118 km dieser Strecke mit dem Mizuno Wave Inspire 13, 524 km mit dem Mizuno Wave Inspire 14, 914 km mit dem Mizuno Wave Mujin 3 G-TX (bei fragwürdigen Bodenverhältnissen auf Feld- und Waldwegen sowie bei Regen oder Schnee).

Durchschnittlich sind das 30 km pro Woche. Insgesamt etwas mehr als 2017, aber mit verschlechtertem Pace (5:51/km statt 5:39/km). Etwas peinlich, aber so ist das Leben.

Gelesen. Turgenjew.

Iwan Turgenjew: Aufzeichnungen eines Jägers. Übertragen von Herbert Wotte. Berlin: Aufbau, 1981.

Die Zeit veröffentlichte gerade die Rezension einer Neuübersetzung des 1852 erstmals als Buch erschienenen Werks und kurz bevor ich diese beim Buchhändler bestellte, fand ich das Buch in einer älteren Ausgabe bei uns im Regal, gedruckt noch im »Grafischen Großbetrieb Völkerfreundschaft Dresden«.

Als Weihnachtsbegleitlektüre eignete es sich hervorragend, weil Turgenjew den Erzähler – ein russischer Adliger, der sich seine Zeit mit dem Jagen vertreibt – von seinen Beobachtungen in inhaltlich meist abgeschlossenen Kapiteln berichten lässt, das Lesen in Abschnitten (wann immer ein paar Minuten Zeit bleiben) gut möglich ist. Beim Reisen übers Land, stets auf der Suche nach dem noch besseren Jagdgrund, begegnet er Menschen aus allen Gesellschaftsschichten und zeigt ihre Art des Zusammenlebens im feudalistisch und durch die Leibeigenschaft geprägten System. Turgenjews Sympathie für die einfachen Leute ist dabei offensichtlich, seine Texte in ihrer realistisch schlichten Darstellung schon eine klare Anklage; allerdings zeigt er auch die Passivität und Ergebenheit in die vermeintlich gottgegebene Ordnung, die so etwas wie eine Rebellion gar nicht denkbar erscheinen lassen.

Eine bittere Lektüre, die zuweilen fast repetitiv das immer Gleiche zu zeigen scheint, doch gerade in der Variation, in den leicht verschobenen Verhältnissen immer noch eine Möglichkeit zeigt, wie Herrschende den Beherrschten das Leben schwer gemacht haben. Der offenbar werdende Gegensatz zwischen den genau dargestellten sozialen Ungerechtigkeiten auf der einen und den breiten, großartigen Naturschilderungen auf der anderen Seite verschärft die damalige politische Bedeutung des Textes noch.

Mindestens ein paar der kleinen Erzählungen sollte man gelesen haben.

Das iPad und ich.

In unserer Außenstelle haben wir den Beamern in den Klassenzimmern zu Weihnachten AirPlay-Fähigkeiten geschenkt, zudem sind wir Lehrkräfte eingeladen, uns mit den neuen schuleigenen iPads als Arbeits- und Präsentationswerkzeug auseinanderzusetzen.

Meinen echten Computer habe ich auch durch Rumprobieren bedienen gelernt, daher ist das auch mein Plan fürs iPad. Die Experimentierphase mit Gewöhnungsprozess möchte ich durch diesen (und möglicherweise folgende) Artikel begleiten und betone, dass es mir nicht um die grundsätzliche Eignung geht, sondern um die Eignung für mich (bzw. meine Eignung für die iPads; Moderne Zeiten etc.). Ich weiß, dass es eine Menge Kolleg*innen gibt, die mit dem iPad hervorragende Arbeitsergebnisse erzielen.

Als Stadtvertreter hatte ich schon einmal ein iPad (bis iOS 11) zur Ausleihe, dies diente der Stadt in erster Linie dazu, die Sitzungsunterlagen für Ausschüsse und die Stadtvertretung nicht mehr ausdrucken und per Bote in Papierform bringen lassen zu müssen; es sparte insofern Personalstunden, vor allem aber sehr viel Papier. Ich habe neben den Sitzungsunterlagen in der Allris-App beispielsweise Redebeiträge zunächst per Evernote, später per DS Note, andere Dokumente per Dropbox dabei gehabt. Ansonsten habe ich das iPad wenig genutzt; auch die genannten Dokumente habe ich auf meinem MacBook erstellt.

Was ich am iPad sehr schätze, ist die Qualität der Hardware und die Ästhetik der Benutzeroberfläche: hier bin ich aus dem Mac-Bereich an einen Standard gewöhnt, den ich nicht missen möchte. Allerdings handelt es sich gerade im letzteren Fall im Grunde um einen false friend, denn es ist trotz ähnlichen Aussehens vieles grundsätzlich anders, wenn man mit dem Apple-Tablet arbeiten will.

Jörg Kantel, der seit dem Jahr 2000 das Weblog Der Schockwellenreiter betreibt, schrieb 2010:

Das iPad ist […] kein Computer im Sinne einer Universalmaschine mehr, sondern eine Abspielplattform für die Inhalte der Medienkonzerne. Das iPad macht aus dem Two-Way-Web wieder eine Einbahnstraße und zwar eine, für deren Nutzung gezahlt werden muss.

Acht Jahre später gibt es zwar viele Apps, die die Kreativität der Nutzer*innen auf vielfältige Weise befördern. Sie alle aber unterliegen den gesetzten Restriktionen der Plattform: und das ist eine geschlossene. Ist die Hardware geradezu erstaunlich leistungsfähig, bleibt das iPad software-, genauer: betriebssystembedingt im Vergleich zu einem echten Computer so etwas wie Facebook in Bezug auf das Internet: ein walled garden, der die Illusion von Nutzersouveränität erzeugt, wo doch nur in sehr engen Bahnen gestaltet werden kann. Das heißt nicht, dass das iPad ein schlechtes Gerät ist – es heißt nur, dass man sich bewusst sein muss, was möglich ist und was nicht. Wer beispielsweise mit dem Dateisystem eines klassischen Computers nicht zurecht kommt (und das ist in allen Generationen ein erstaunlich großer Anteil an Nutzer*innen), kann mit dem in Anwendungen organisierten System des iPad erleichtert tätig sein. Wer aber am Mac arbeitet, weil dieser einerseits eine schöne und funktionale Oberfläche hat, andererseits aber eben auch ein UNIX-Rechner mit all dessen Möglichkeiten ist, wird am iPad verzweifeln (oder muss ein für allemal akzeptieren, dass das iPad von echten Rechnern so verschieden ist wie die Waschmaschine).

Mit dem iPad neu zu lernen ist die Art der Interaktion. Dabei ist weniger wichtig, ob es der Finger oder der Stift ist, den man nutzt: wichtiger sind die Gesten und App-internen (nach meinem Gefühl nicht immer standardisierten) Befehle, beispielsweise um Multitasking auch auf dem Bildschirm sichtbar werden zu lassen.

Meine Folien erstelle ich in LaTeX, das Produkt sind PDFs, die ich bislang vom MacBook im Vollbildmodus der jeweiligen App (meist Skim) auf den Beamer bringe. Per iCloud oder Dropbox wird die Datei auf das iPad gebracht, wo ich in der Adobe-Reader-App auf dem iPad eine ganze Zeit lang nach einem Menübefehl gesucht habe, der mich die Datei im Vollbildmodus anzeigen lässt. Lange. Sehr lange. Nicht nur ich befürchtete inzwischen, dass ich alle PDFs ins Keynote-Format wandeln müsste (was man ja vielleicht automatisieren könnte, aber andere Nachteile mit sich bringt), um sie im Vollbild zeigen zu können. Mehr oder minder zufällig tippte ich in der Reader-App schließlich auf das Abbild der Folie selbst – schwupp: Vollbild.

Ja, ich hätte es wissen können: in der Foto-App funktioniert es genauso. Mir geht es hier darum, dass der Umgang mit dem iPad vermutlich umso einfacher ist, je weniger man vorher mit Rechnern zu tun hatte: denn was auf welche Weise funktioniert, ist grundsätzlich anders als unter macOS (oder Windows, geschweige denn Linux) und auch nach wie vor noch im Fluss: bestimmte Bedienelemente wurden noch in der vorigen Systemversion durch ein Wischen von unten nach oben aus der Mitte des Screens aufgerufen, nun bedarf es eines Wischens von oben nach unten in der rechten Ecke. Das muss gelernt und geübt werden.

Es gibt ein großes Angebot miteinander konkurrierender Programme für alle möglichen Zwecke, die aber alle eher nicht auf die Nutzung standardisierter nichtproprietärer Speicherformate hin optimiert sind. Zudem möchte jede App für sich eine eigene Hierarchie für die Ordnung der Dokumente erzeugen, was iPad-historisch auf das Fehlen eines sichtbaren Dateisystems zurückzuführen, seit iOS 12 aber nicht mehr notwendig ist. Auch hier zeigt sich der Drang, die Nutzer*innen eher an die eigene App zu binden als einen problemlosen Austausch über App-, Betriebssystem- oder Gerätegrenzen zu gewährleisten. Das missfällt mir, denn im Zweifelsfall kann ich auf dem iPad erarbeitete Inhalte so anderswo nicht (wieder) nutzen.

Völlig neu ist für mich das Nutzen von Handschrift in Apps wie Goodnote, deren Bildschirminhalt dann als Tafelersatz fungieren oder gar erkannt und in gedruckten Text umgewandelt werden kann. Ist die Handschriftenerkennung für das, was ich Druckschrift nenne, noch einigermaßen verlässlich, versagt sie im Falle tatsächlicher Handschrift. Auch das kann persönliche Gründe haben.