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Gelesen. Braun.

Volker Braun: Die Unvollendete Geschichte und ihr Ende. Berlin: Suhrkamp, 1998.

Im den Unterrichtsunterlagen zum Lyrikkorridor ist auch Volker Brauns »Das Eigentum« gesammelt, und so wurde ich erinnert, einmal wieder etwas von ihm zu lesen. Der oben verzeichnete Band zeigt aufs bitter Vortrefflichste die verquere Misslungenheit der DDR und deren Einfluss auf ihre Bürger*innen – nicht nur in der in Sinn und Form 1975 ersterschienenen »Unvollendeten Geschichte« (die ich vor zehn Jahren schon einmal las), sondern vor allem im erst später entdeckten Hintergrund, den Volker Braun nach dem Beitritt seines Landes in den Stasi-Akten recherchiert.

Masken · Lyrik · Geschlechtergerechte Sprache · Salat.

Keine drei Wochen dauerte es, bevor das Ministerium das Tragen einer MNB im Klassenraum wieder empfahl, drei Wochen, bis es am kommenden Montag wieder zur Pflicht wird. Es war angenehm, die Gesichter der Schüler*innen für diese Zeit mal wieder oder gar zum ersten Mal in diesem Schuljahr ganz zu sehen, aber vor dem Hintergrund wahrlich außergewöhnlicher politischer Verantwortungslosigkeit in Berlin, wo die geschäftsführende Regierung zwar noch ihr Salär bezieht, aber sich schon eine ganze Weile nicht mehr zuständig fühlt, und ein künftiger Kanzler, weil noch ungewählt, seine Richtlinienkompetenz noch nicht erworben hat, sodass das Juristenseminar der FDP allein entscheiden kann, war schon vor Monaten absehbar, dass eine unnötige vierte Welle kommen würde, wie beispielsweise Samira El Ouassil hier in Erinnerung ruft, was dann wieder nach unangenehmen Maßnahmen verlangt …

Ein Stapel LyrikbändeErfreulich immerhin das neue Korridorthema für das Zentralabitur am BG: die in den letzten drei Jahren geübten »realistischen Tendenzen in der Lyrik des 19. Jahrhunderts« sind mit Beginn des Schuljahres für den 13. Jahrgang der »modernen Lyrik im deutschsprachigen Raum von 1945 bis 1989« gewichen, was so einige großartige Lyriker*innen (rechts: Ausschnitt aus der Vorbereitungs- und Begleitlektüre, aus der die Auswahl für die Schüler*innen entsteht) entdecken lässt. Dabei machen wir auch nicht Halt vor gesungener Lyrik von Singer-/Songwritern, die man damals noch Liedermacher*innen nannte, und die mit mit heutiger Coolness inkompatibler und daher Erstaunen evozierender Überzeugung ihre Verse schmetterten. (Mir neu in der Auswahl: dass Udo Jürgens nicht nur Schlager gemacht hat.) Auch wenn ich die Lyrikinterpretation eigentlich immer für ein recht gut beherrschbares Thema halte, weil mit dem nötigen Analysehandwerkszeug Formales recht sicher bestimmbar ist, ist sie für viele Schüler*innen eher suspekt, weil das Verstehen des Spiels mit Metaphern, die Frage nach der Deutung, das Einbeziehen des historischen Hintergrunds etc. in vielen Fällen schwer fallen muss: als Lehrkräfte vergessen wir häufig, wie viel wir erst im Laufe der Jahre erlebt, gelernt und begriffen haben, und selbst der zeitlich nahe Korridor liegt mit seinem Enddatum über ein Jahrzehnt vor der Geburt unserer Schüler*innen …

Sicher nur zufällig zeitlich mit dem Wahlkampf im Zukunftsteam Armin Laschets zusammenfallend hat unsere Ministerin im September in einem Erlass verdeutlicht, dass das sogenannte »Gendern« in schulischen Zusammenhängen nicht erlaubt sei. Dass schulische Unterlagen mit Benennungen wie »Schüler (w/m/d)« nun besser lesbar oder ästhetisch ansprechender würden als bisherige Varianten mit Genderstern, halte ich für eine falsche Annahme; zudem gebietet mindestens die Höflichkeit, sich als nichtbinär begreifende Personen und all die anderen erfreulich vielfältigen Erscheinungsarten des Menschen mitzudenken, zu -schreiben und zu -sprechen, aber möglicherweise bedarf es für diese Erkenntnis in bestimmten Kreisen noch ein paar Jahrzehnte. In einigen Schulen, hört man, soll es ja auch noch Overhead-Projektoren geben: sie hätten sich bewährt, hört man. (Interessanterweise hält selbst die Direktorinnen- und Direktorenvereinigung im Philologenverband Schleswig-Holstein – eher nicht die Speerspitze progressiver Revolution – das ministerielle Handeln in dieser Sache für nicht richtig.)

Nun Freitagabend-Salat und ein Büchlein von Lisa Kränzler.

Ach, und der Wanderer ist mal wieder unterwegs.

Gelesen. Frank.

Anne Frank: Tagebuch. In: Gesamtausgabe. Frankfurt am Main: S. Fischer, 2013.

Schüler*innenlektüre. – Für mich nach Jahrzehnten ein erneutes Lesen. Nach wie vor ein erstaunliches Werk.

Der Herausgeber der Gesamtausgabe, die unter anderem die diesmal gelesene Fassung d enthält, ist der Anne-Frank-Fonds mit einer informativen Site.

Gelesen. Robinson.

Kim Stanley Robinson: Das Ministerium für die Zukunft. Übertragen von Paul Bär. München: Heyne, 2021.

Literarisch ist dieses Buch eine Katastrophe – aber irgendwie ist das ja auch wieder stimmig, denn Robinson zeigt die katastrophale Zukunft des Weltklimas, die Größenordnungen an Opfern, an weltweiten Fluchtbewegungen, an finanziellen und systemischen Folgen anhand vieler Beispielen sowie die Antwort von Staaten, Einzelpersonen, Institutionen und Gruppierungen darauf. Inhaltlich noch am schlüssigsten scheint mir dabei die Entstehung ökoterroristischer Bewegungen, geradezu grenzenlos optimistisch allerdings das Einlenken der wichtigsten Nationalbanken der Welt, dem vom an sich machtlosen titelgebenden UN-Ministerium kommenden Vorschlag für eine an Kohlenstoffeinsparung gebundene Kryptowährung, den Carboncoins, zu folgen, und damit eine Umkehr zu begleiten.

Barack Obama hält es für »eines der wichtigsten Bücher des Jahres« – das kann aber definitiv nicht für das Buch als Roman gelten. Für einige positiv wirkende Handlungsweisen erfindet Robinson blasse Abziehbildfiguren, die jedoch an keiner Stelle zu überzeugen vermögen. Was die Idee des Buches ausmacht, ist das Erzählen von wahrscheinlichen Folgen unseres derzeitigen Wirtschaftens – dies geschieht aber so häufig so holprig, das der Leser sich wünscht, Robinson hätte einfach ein Sachbuch geschrieben und die Fakten auf den Tisch gelegt.

Maximilian Probst in der Zeit zum Buch.

c’t Retro.

Abilldung einer Abbildung der Mausefallen-DiskettePassend zum gerade erschienenen Asterix-Band und zur momentan mal wieder lieferbaren Ritter Sport Olympia ging mir das Belegexemplar der lesenswerten c’t Retro zu (Danke!), in der sich ein Artikel über Computernetze vor dem Internet findet.

Darin: ein Bild meiner Mausefalle-Diskette, das der Autor Hans-Peter Schüler hier fand.

Gelesen. Hesse.

Dirk Hesse: Die Lehrerin. Kein Verlag, kein Ort, (nirgends,) 2021.

Dirk Hesse, das ist der von Ligne Claire. (Kennt man, wenn man Blogs kennt.) Gelesen auf Empfehlung von Ben hin.

Das Buchobjekt: üble Trennungsfehler, grässliches Material, schlecht gefertigt. So’n Amazon-Ding.

Dagegen der Inhalt: gute Details und Momente, insgesamt schaurige Geschichte mit nur wenig Hoffnung am Schluss. Gute Schreibe, aber mir zu düster. Bin zu zart besaitet für sowas.

Gelesen. Regener.

Sven Regener: Wiener Straße. Köln: KiWi, 2019.

Anlässlich eines kurzen Berlin-Aufenthalts gelesen.

(Rad fahren ist dort übrigens auch nicht schlimmer als in Eutin, im Gegenteil: es gibt in Berlin sogar Autofahrer*innen, die mit nicht langsamen Radfahrenden rechnen, und es gibt auch Strecken mit guten und breiten Radwegen.)

Gelesen. Byatt.

A. S. Byatt: Das Buch der Kinder. Übertragen von Melanie Walz. Frankfurt am Main: S. Fischer, 2011.

Zeigt das Leben verschiedener Familien gegen Ende der viktorianischen Epoche bis kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs; zuweilen etwas überladen, aber detail- und kenntnisreich verschiedenste Themen der Zeit aufnehmend. Kein supertolles, aber ein gutes Buch.

Alex Clark über das Buch: Her dark materials, außerdem der Perlentaucher mit einer Rezensionsübersicht.