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Gelesen. Tergit.

Gabriele Tergit: Effingers. Frankfurt am Main: Schöffling & Co., 2019.

Den Roman einer jüdischen Familie als Tergits Antwort auf die Buddenbrooks zu begreifen schwächt die Leistung der Autorin keineswegs. Dem informativen Nachwort Nicole Hennebergs zufolge war Manns Roman Tergit ein Vorbild. Zwar ist Buddenbrooks literarisch dichter gewirkt, doch bei Tergits Effingers steht der dokumentarische Wert gerade für uns, die wir nicht Zeitgenossen sind, im Vordergrund. – Ein Lesegenuss sind beide Bücher!

Laufen 2020.

Mit dem letzten schwerfälligen Humpeln vorhin im Jahr 2020 gelaufen: 139 Läufe, die sich auf 1669,1 km summieren – coronabedingt nur in der Gegend; das meiste mit den Mizuno Wave Inspire 15 und 16, den Rest mit dem Mizuno Wave Daichi 4 G-TX (bei fragwürdigen Bodenverhältnissen auf Feld- und Waldwegen sowie bei Regen oder Schnee).

Durchschnittlich sind das 32 km pro Woche. Insgesamt gut zwei Kilometer weniger als im Vorjahr, zudem mit nochmals verschlechtertem Pace (6:03/km statt 6:02/km). Das Alter. (Und das Gewicht.)

Hella.

Vor einigen Monaten ist eine ferne Freundin gestorben, aus Gründen erst Ende November wurde ihre Urne begraben.

Wir hatten uns schon ein paar Jahre nicht mehr gesehen, nur noch voneinander gehört, und ich war mir sicher, dieses Versäumnis bei Gelegenheit nachholen zu können.

Sie – queer lange vor der Prägung des Begriffs – war die vermutlich erstaunlichste Personalentscheidung des Firmenpatriarchen der damaligen Fa. Storm, Buchhandelsplatzhirsch in Bremen. Wir feierten gemeinsam den Bloomsday, stritten begeistert über Großartig- wie Pieseligkeiten von Arno Schmidt, hielten Thomas Mann hoch und verkauften danach die Muschelsucher und Utta Danella. Wir verbrachten viele Pausen vor dem eigentlichen Pausenraum (denn in diesem durfte man nicht rauchen, was sie aber unaufhörlich tat) im Flur der Versandetage und sie erzählte vom Entstehen ihrer Platte, die sie mit Dickie als Duo einspielte, weil der Rest der Band entschwunden war. Sie hat mit mir beiläufig erprobt, wie viel Whiskey (ja, es war Bushmills) man an einem Abend so trinken kann, und hat länger durchgehalten als ich. Sie spielte mir die Shaggs und Joy Division vor, wir sahen mit anderen Blowzabella, hörten Steeleye Span und Abseitiges aus den Sixties, natürlich auch die Beatles; bei Rammstein mochte ich ihr nicht folgen. Ihre ungewollten und doch engagiert unternommenen Exkurse in Höheren Welten der Liebe wegen hielten sie von guten Dingen ab.

Sie war ein wahrlich besonderer Mensch, in ihren zuweilen fragwürdigen absoluten Urteilen ebenso wie in ihrer kindlichen Herzlichkeit. – Auf Dein Wohl, Helli! – Sláinte! –

Einige Nachrufe hier.

Gelesen. Tolkien.

J. R. R. Tolkien: The Lord of the Rings. London: HarperCollins, 2004.

Ein Abschiedgeschenk meiner Kolleg*innen in Malente – nun, im ausgehenden Herbst und beginnenden Winter, war die richtige Zeit für die Lektüre.

Japanisch mit LuaTeX.

Morgen werden wir in unserer Lyrik-Einheit Haiku behandeln (und schreiben). Im dazu überarbeiteten Arbeitsblatt musste ich noch einmal den Unterschied zwischen Silben und Moren verdeutlichen (nicht weil es die meisten Schüler*innen besonders interessierte (deshalb auch nur eine Fußnote), sondern weil ich bis dahin noch nicht begriffen hatte (und ich gehe ja zur Schule, um etwas zu lernen), warum das Japanische, von dem man als Nichtsprecher annimmt, dass es kurze, knackige Silben hat, siebzehn Silben für einen Eindruck braucht, den beispielsweise deutschsprachige Haijin in weniger fassen können, was zu der Erkenntnis führt, dass die vermeintliche Silbenzahl 5 / 7 / 5 tatsächlich die Anzahl der Moren bezeichnet) und habe dazu das Nippon-Beispiel aus der Wikipedia verwendet. Um die Wiedergabe in Hiragana unter LuaLaTeX zu ermöglichen, bedarf es nur der Einbindung eines Pakets – \usepackage{luatexja-fontspec} (Teil von luatexja) – und schon zeigen sich die Schriftzeichen aufs Schönste.

Obacht: einige Sonderzeichen reagieren allergisch: Auslassungsmarkierungen mit drei Punkten müssen im Quelltext tatsächlich drei Punkte enthalten und nicht das einzelne Zeichen »Horizontal Ellipsis«; dieses wird sonst fehlerhaft dargestellt.

Bewunderung in der Schule.

Ich bewundere meine Schüler*innen, die trotz ihrer Ängste jeden Tag zur Schule kommen und schon seit Wochen ohne zu murren mit ihren Masken am Unterricht teilnehmen, dabei akzeptieren, dass vieles, was ihren Schulalltag sonst versüßte (Theater- und Musik-Kurse, Kinobesuche, Besuche außerschulischer Lernorte …) nicht oder nur um einiges reduziert stattfinden kann, dicht an dicht nebeneinander sitzen, obwohl sie überall lesen, dass Abstand der wichtigste Schutz ist, immer wieder auch die Fenster aufreißen, obwohl sie frieren, weil sie wissen, es muss sein, denn Schulen versammeln zwar jeden Tag zum Teil Tausende Schüler*innen, haben aber traditionell keine Lüftungsanlagen.

Ich bewundere meine Kolleg*innen, die trotz ihrer Ängste jeden Tag die Schüler*innen bei Laune halten, unterrichten, was das Zeug hält, lachen & scherzen, aufbauen und unterstützen. Das alles mit Maske, bis zu zehn Unterrichtsstunden am Stück.

Da bleibt für das Ministerium, das sich nicht traut öffentlich zuzugeben, dass Schulen unter den Bedingungen einer Pandemie nicht dasselbe leisten können wie in normalen Zeiten, stattdessen aber jede Woche Durchhalteparolen immer dünneren Gehalts verbreitet, leider keine Bewunderung mehr übrig.

Gelesen. Bui.

Thi Bui: The Best We Could Do. New York: Abrams, 2018.

Familien-, Kriegs- und Migrationsgeschichte. Lesenswert.

Gelesen. Weber.

Anne Weber: Annette, ein Heldinnenepos. Berlin: Matthes & Seitz, 2020.

Ohne die anderen für den Buchpreis nominierten Titel zu kennen (so viel zu lesen, so wenig Zeit!): dies – die Lebensgeschichte einer Résistance-Kämpferin und FLN-Sympathisantin, erzählt in freien Versen – scheint mir eine gute Wahl zu sein.

Gelesen. de Bruyn.

Günter de Bruyn: Buridans Esel. Halle: Mitteldeutscher Verlag, 1968.

Gedächtnislektüre.

Bibliotheksleiter in Lebensmittekrise bricht aus seiner als langweilig empfundenen Ehe mit Kindern aus, um mit der jungen Mitarbeiterin ein neues Leben anzufangen. So klein, so banal – und so erstaunlich frisch, wie de Bruyn mit feinem Humor des Bibliotheksleiters Versagen in beiden Beziehungen zeigt (und dem fragwürdigen Staat, der ihn dafür befördert, auch noch rasch einen mitgibt).