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Gelesen. Hesse.

Dirk Hesse: Die Lehrerin. Kein Verlag, kein Ort, (nirgends,) 2021.

Dirk Hesse, das ist der von Ligne Claire. (Kennt man, wenn man Blogs kennt.) Gelesen auf Empfehlung von Ben hin.

Das Buchobjekt: üble Trennungsfehler, grässliches Material, schlecht gefertigt. So’n Amazon-Ding.

Dagegen der Inhalt: gute Details und Momente, insgesamt schaurige Geschichte mit nur wenig Hoffnung am Schluss. Gute Schreibe, aber mir zu düster. Bin zu zart besaitet für sowas.

Gelesen. Regener.

Sven Regener: Wiener Straße. Köln: KiWi, 2019.

Anlässlich eines kurzen Berlin-Aufenthalts gelesen.

(Rad fahren ist dort übrigens auch nicht schlimmer als in Eutin, im Gegenteil: es gibt in Berlin sogar Autofahrer*innen, die mit nicht langsamen Radfahrenden rechnen, und es gibt auch Strecken mit guten und breiten Radwegen.)

Gelesen. Byatt.

A. S. Byatt: Das Buch der Kinder. Übertragen von Melanie Walz. Frankfurt am Main: S. Fischer, 2011.

Zeigt das Leben verschiedener Familien gegen Ende der viktorianischen Epoche bis kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs; zuweilen etwas überladen, aber detail- und kenntnisreich verschiedenste Themen der Zeit aufnehmend. Kein supertolles, aber ein gutes Buch.

Alex Clark über das Buch: Her dark materials, außerdem der Perlentaucher mit einer Rezensionsübersicht.

Musik aus Mails.

Am Freitagabend gibt’s häufig nochmal eine Mail ans Kollegium. Weil’s Freitag ist, häufig mit einem abschließenden Musik-Link. Hier die letzten:

Pixies: Gouge Away
Rhiannon Giddens: I’m on my Way
Dan Deacon: Crystal Cat
Genesis: Supper’s Ready
Yo La Tengo: Big Day Coming
Wet Leg: Chaise Longue
The B-52’s: Rock Lobster
Colt Clark and the Quarantine Kids play »Burning Down the House«
Mongolian Throat Singing With My Daughter
Cocteau Twins: Pearly Dewdrops' Drops
The Cure: Friday I'm In Love

Gelesen. Becker.

Jurek Becker: Jakob der Lügner. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1982.

Habe ich schon vor Jahrzehnten lesen wollen (aber aus welchen Gründen auch immer nie geschafft: so viele Bücher, so wenig Zeit!). Zu Unrecht ein inzwischen fast vergessenes Buch.

Bundestagswahl 2021.

Nun sieht ja alles danach aus, als würde Frau Baerbock nicht Kanzlerin – für diejenigen, die sie als nicht geeignet für die Aufgabe gesehen haben, entfällt damit der letzte Grund, nicht grün zu wählen. Eine kommende Regierung sollte aus Gründen einen möglichst großen grünen Anteil haben.

Wer die Entwicklungen der letzten Jahre verfolgt hat, muss erkennen, dass die möglichst weit gehende Abschwächung der Klimakatastrophe das primäre Ziel ist. Ohne diese Abschwächung wird keine Wirtschaftsmacht der Welt das Geld haben, die sich schon jetzt häufenden und sich in der Zukunft in ihrer Frequenz erhöhenden katastrophalen Folgen des menschengemachten Klimawandels zu kompensieren.

Ich bin dabei überrascht, dass selbst die Grünen noch immer von Wachstum sprechen, die anderen Parteien natürlich sowieso, obwohl allerorten deutlich wird, dass wir als Gesellschaft deutlich zu viel haben, konsumieren und verbrauchen. An allen Ecken & Enden diesem Zustand entgegenzuwirken, sollte das Ziel sein.

Das bedeutet umdenken und Kreativität entwickeln, neu entdecken, was an Möglichkeiten schon besteht, und weitere entwickeln. Wer beispielsweise das erste Mal mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, wird möglicherweise Schwierigkeiten mit der Puste haben. Aber: das gibt sich bei regelmäßiger Wiederholung. Das Auto an möglichst vielen Stellen zu ersetzen und die Nutzung (sowie in der Stadt auch die Aufbewahrung im öffentlichen Raum) zu verteuern, schafft eine deutlich höhere Lebensqualität für die Mehrheit der Bevölkerung. Weniger Autoverkehr bedeutet übrigens für die übrigen Autofahrer*innen weniger Staus, weshalb aufs Auto angewiesene Personen höchstes Interesse an hervorragenden Fuß- und Radverkehrsanlagen haben sollten.

Wie auch immer: bei allen Vorbehalten haben Bündnis90/Die Grünen die größte Kompetenz für die Entwicklung und Umsetzung ökologischer Ideen, von denen wir jede einzelne und noch ein paar mehr gebrauchen können.

Die Mitbewerber Frau Baerbocks für das Amt der Kanzlerin haben unterschiedliche Qualitäten. Für Scholzens Schlumpfigkeit habe ich durchaus Sympathie, und ich sehe bei ihm – ganz unabhängig von Inhalten wie dem Mindestlohn von 12 € – das Standing, das jemand in einer so herausgehobenen Position braucht. Ich erkenne auch Probleme, empfinde ihn aber als das deutlich kleinere Übel, vergleicht man ihn mit dem unberechenbaren, daher gefährlichen Karnevalsjecken Laschet, der sich in jedem Interview, in jeder Situation, in der ich ihn gesehen habe, maximal unsensibel, unvorbereitet und damit unfähig zeigt.

Die Linke zu wählen kommt für mich in erster Linie deshalb nicht in Frage, weil ich ihre Haltung zu Putin und Konsorten im besten Fall als zu unentschieden sehe; FDP und AfD sind natürlich aus unterschiedlichen Gründen indiskutabel.

Politisch klug zu wählen heißt bei uns im Wahlkreis also: Bettina Hagedorn, der SPD-Direktkandidatin, die Erststimme geben. Sie hat – anders als der durchaus sympathische grüne Mitbewerber Jakob Brunken – eine Chance, gegen den mit jedem Jahr farbloser werdenden CDU-Kandidaten das Direktmandat zu gewinnen.

Die Zweitstimme sollte bei Bündnis90/Die Grünen landen, denn sie sind die einzigen, die das Klimathema einigermaßen ernst nehmen. Sie sollten in der kommenden Regierung alles dafür tun, das (berechtigte, wenn auch im Sinne der Kräftebündelung kontraproduktive) Erstarken einer Klimaliste wie in Berlin unnötig werden zu lassen.

Gelesen. Stålenhag.

Simon Stålenhag: Tales from the Loop. New York: Skybound, 2015.

Die Bilder Stålenhags konnte man schon vor vielen Jahren im Netz sehen (hier die Bilder zum Band, andere auf der Site), und sie haben mich in ihrer Verbindung von Retro-Ästhetik und visuellen Störungen immer fasziniert. Hier nun ein Band, der einige Bilder mit einer Hintergrundgeschichte versieht.

Bei Amazon gibt’s eine Serie, die das Ganze verfilmt. Ein paar Folgen haben wir gesehen; sie gefielen in ihrer Tarkowski-Gestimmtheit, ohne der Quelle Wesentliches hinzuzufügen.

Gelesen. Hughes.

Rian Hughes: XX. A Novel, Graphic. London, Picador, 2020.

Ein geschickter Lektor hätte möglicherweise die eine oder andere Länge zu kürzen gewusst, doch insgesamt bereitet auch dieser Roman auf 980 Seiten viel Freude: eine Botschaft aus fremden Welten wird entschlüsselt, weltumspannende Netze offenbaren sich, eine Astronautin erlebt auf dem Mond Außergewöhnliches, virtuelle Entitäten treten zu nerdigen Protagonist*innen. Erneut Spaß mit Typografie und Gestaltung, unterschiedlichen Ebenen des literarischen Erzählens (nebenbei wird eine der Geschichten aus einem Science-Fiction-Groschenheft dargeboten; ihr Inhalt spielt auf der eigentlichen Handlungsebene eine Rolle, zudem findet sich eine Anzeige für den Dampflokomotiven-Club darin, der im vorher gelesenen Buch eine wichtige Rolle spielt …), wilden Theorien und klugen Denkansätzen. Das macht Laune.

Gelesen. Hughes.

Rian Hughes: The Black Locomotive. London: Picador, 2021.

Ohne den Autor zu kennen, auf irgendeinen Interesse weckenden Hinweis hin bei Foyles in signierter Form vorabbestellt (und erst nach Lösegeldzahlung via Post an den Zoll erhalten – dreimal verflucht seien die Brexiteers!), erwies sich der Roman als erfreuliche Unterhaltung, die es versteht, vergangene Kinderfreude über einen via Fanzine organisierten klandestinen Dampflokomotiven-Club mit unerklärlichen Artefakten in Londons Unterwelt zusammenzubringen, dabei kluge Beobachtungen über urbanes Leben und seine Semiotik in feinem Spiel mit Fonts und Design zu kombinieren. So eine Art Graphic Urban Science Fiction also.

Den ersten Roman (XX: A Novel, Graphic) jetzt auch geordert.

Gelesen. Schiller.

Friedrich Schiller: Die Räuber. Berlin: Suhrkamp, 2005. (SBB 67)

Erneute Lektüre wegen des aktuellen Korridorthemas. Bei allen Problemen eine angenehme Verbesserung gegenüber der Jungfrau von Orleans.