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»Königin der Wikipedia«: die Philosophie.

Warum man (wenn nicht) immer (, so doch zumindest sehr oft) beim Eintrag über die Philosophie landet, wenn man in beliebigen Wikipedia-Artikeln »auf den ersten Link im Text klickt, der nicht in Klammern steht oder kursiv ist, und das ganze immer wieder wiederholt«, erklärt Anatol Stefanowitsch in Die Philosophie, Königin der Wikipedia.

Medienkompetenz I: die Wikipedia.

Da Schülerinnen und Schüler der Bequemlichkeit halber häufig als einzige Recherchequelle die Wikipedia nutzen, ist Pflichtlektüre für Lehrkräfte Kristian Köhntopps Beitrag Wie man einen Wikipedia-Artikel... liest.

Was die Lehrkraft dort versteht, mag sie seinerseits wieder didaktisch reduzieren und so den S am fachlich relevanten Beispiel erfahrbar machen – notwendig aber ist es allemal, mit den S mögliche Kriterien zu erarbeiten bzw. ihnen solche zu nennen, damit die S selbständig die Qualität eines Artikels zu beurteilen lernen.

... und noch ein Wiki.

Auf dem Hamburger Bildungsserver wird zur Mitarbeit am Bildungswiki zur Weltliteratur eingeladen. Fein. Es gibt ja noch keine Enzyklopädie in Wikiform.

Im Einleitungstext heißt es »Der Bildungswiki "Weltliteratur" ist ein Projekt zum Aufbau einer Enzyklopädie über wichtige Autoren und Werke der Weltliteratur zur Nutzung im Bildungsbereich.« Da die Wikipedia auch dem Bildungsbereich offen steht, ist das kein kluges Ansinnen. Wozu sollte man sich statt an der Verbesserung der Wikipediainhalte am neuen Bildungswiki beteiligen?

Warum sollte man lieber jenen heute herausgestellten Artikel statt diesen lesen? Und ist dieser tatsächlich um so viel besser als jener, dass es eine Wiederholung der Arbeit rechtfertigte?

Allein das im zweiten Satz des Einleitungstextes formulierte Vorhaben – »Außer Grundinformationen zu Autor und Werk sollten die Artikel daher auch Hinweise auf die Verwendung in der Bildung enthalten, von einfachen Fragestellungen bis hin zu ganzen Unterrichtskonzepten« – würde etwas Neues bieten. Genau das wird aber nicht eingelöst.

Statt erneut in langen (meist auf Wikipedia-Artikeln basierenden) Artikeln den Inhalt von Werken der Weltliteratur zusammenzufassen – hierfür kann auf bestehende Ressourcen verwiesen werden! – sollte im Zuge einer sinnvollen Konzeption sogleich die Sammlung didaktischen und methodischen Materials zu den Werken stattfinden.

Und das darf auch gern ergänzt werden um einen Artikel, der den kritischen Umgang mit externen Quellen beschreibt.

[Das Wikipedia-Projekt ist erfolgreich, weil viele Menschen persönliche Eitelkeiten zumindest zeitweise zurückstellen. Dass nun jede Institution meint, ihre eigene Wikipedia zu seinem eigenen (in der Wikipedia aber schon längst abgebildeten) Thema haben zu müssen, wie hier oder wenige Tage zuvor beschrieben, scheint mir ein grundlegendes, eitles Missverständnis zu sein. Ein neues offenes Wiki ist nur dann nützlich und sinnvoll, wenn es Neues bietet. Nur dann darf es auf Mitarbeit hoffen.]