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Gelesen. Auster.

Paul Auster: 4 3 2 1. Übertragen von Thomas Gunkel, Werner Schmitz, Karsten Singelmann und Nikolaus Stingl. Reinbek: Rowohlt, 2017.

Ein Buch der Erinnerung, in dem Auster vier Protagonisten vorstellt: offenkundig Variationen seiner selbst. Gleichzeitig ein Aufbewahren der Zeit und möglichen Erfahrungen, ebenfalls eng geführt. Trotz des schematischen Aufbaus der vier parallel geführten Lebensläufe, in denen nicht nur der Protagonist, sondern auch die anderen Figuren immer die gleichen Namen tragen, bleibt das Buch leicht lesbar; die vielen Anregungen aus der Kulturgeschichte (vor allem) Amerikas tragen zum Gefallen bei. Dass ein literarisches Projekt wie dieses, das programmatisch wesentlich auf engen persönlichen Erfahrungen beruht, seine Schwächen mit sich bringt, weil es andere Perspektiven außer acht lässt, ist klar. – Gleichwohl: Leseempfehlung.

Übersetzerinnen und Übersetzer.

Ha! Jetzt ist es so weit!

Angeregt von Isabel Bogdan, bei der ich immer mal wieder Gutes zum Thema Übersetzen gelesen habe, verzeichne ich in meinen Lektüreeinträgen (sowohl im eigentlichen Text als auch in den tags) seit einiger Zeit immer auch die Übersetzenden. Beim letzten Eintrag über Auster wird nun erneut Werner Schmitz genannt, den ich jetzt als gemeinsamen Nenner von Auster und McEwan wahrgenommen habe.

Danke, Isabel; danke, Herr Schmitz.

Gelesen. Auster.

Paul Auster: Winterjournal. Übertragen von Werner Schmitz. Reinbek: Rowohlt, 2011.

Schon lange begleitet Auster dich, gut ein halbes (wenn auch kurzes) Brett füllen seine Bücher in deinem Regal, und auch wenn es Zeiten gibt, in denen dich die Lektüre ärgert, kehrst du immer wieder mal zu ihr zurück. Nun, da du deine erste Gleitsicht- und deine erste Lesebrille erworben hast, um dich den Begleitumständen deines körperlichen Verfalls entgegen zu stemmen, ist ein guter Moment zum Lesen des Winterjournals gekommen: der (gar noch ältere!) Freund, der dir das Buch anlässlich der Weihnacht schenkte, hat eine gute Wahl getroffen.

Auster erzählt aus seinem Leben, und es gelingt ihm so, dass du, der du für Celebrity-Stalking wenig übrig hast, interessiert den Weg verfolgst und die verschiedenen Ordnungsprinzipien, derer sich Auster episodenhaft erzählend spielerisch bedient (mal entlang aller Wohnungen, mal entlang guter Gerichte, mal entlang bestimmter Erlebnisarten …) goutieren kannst. (Du kannst verstehen, warum diese Art des sinnierenden Erinnerns eifrigen Jungspunden langweilig erscheint. Kann halt nicht jeder immer alles in 140 oder 160 Zeichen erzählen wollen. Und auch einen guten Wein zu schmecken bedarf es jahrelanger Übung.)

Fast zum Schluss erzählt Auster, wie er mit seinem damaligen deutschen Verleger Michael Naumann Bergen-Belsen besucht, die Gedenkstätte, in dem dein Freund, der dir das Buch schenkte, schon seit Jahren dokumentierend seinen Dienst tut in der Erinnerung an die Opfer des Lagers, und an dem du bisher immer vorbeigefahren bist aus Scheu vor der Konfrontation, denn du weißt ja, was dich erwartet.

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