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Tufte und die Tafelbilder.

Tufte ist schnafte, klar. Für mich war das Buch allerdings nicht nur ein coffe table book neben anderen, sondern auch wegen des Schulbezugs wichtig (was die Schwierigkeit der praktischen Umsetzung der Forderung, ein Lehrer solle – im Interesse langfristiger Erhaltung der Arbeitskraft – auch mal Feierabend machen, verdeutlicht).

Immer wieder kaufe ich mir zu Schullektüren auch Erläuterungsbände, die – wenn man die richtigen wählt – meist recht gut und knapp das Wesentliche zu einem Buch rekapitulieren. Katastrophal aber sind häufig die vorgeschlagenen Tafelbilder, die zu viel Erkenntnis in graphischer Form transportieren und/oder festhalten sollen. Der Grund hierfür scheint mir in der Vorstellung von der Aufgabe des Tafelbilds zu liegen.

Was kann ein Tafelbild gut?

  • Während eines Unterrichtsgesprächs rasch skizziert das Gesagte unterstützen (dabei aber meist nur einen Gedanken zur Zeit verdeutlichen)

  • Übersicht schaffen - z. B. ein Zeitstrahl mit eingeordneten Handlungselementen

  • Verhältnisse visualisieren - z. B. die Figurenkonstellation eines Dramas

  • Abstrakte Konzepte verbildlichen - z. B. ein Modell der Wahrnehmung nach Kant

Was kann ein Text möglicherweise besser?

  • Differenziert Sachverhalte beschreiben (im Unterschied zum Tafelbild, das eher mit klar unterscheidbaren Konzepten arbeitet)

  • Komplexe Beziehungen zwischen Elementen darstellen (im Unterschied zum Tafelbild, das bei einer gewissen Fülle an Verbindungen chaotisch wirkt)

  • (In gegliederter Form) beliebig viel Wissen aufnehmen (im Unterschied zum Tafelbild, das nur eine begrenzte Fläche zur Verfügung hat und mit diesem Platz haushalten muss)

Wie sollte ein Tafelbild nicht sein?

  • Unübersichtlich

  • Überladen

  • Zwei Wochen nach der Unterrichtsstunde nicht mehr verständlich
Insofern muss ein Tafelbild klar und aufs Wichtigste reduziert sein, möglichst nur wenige Aspekte auf einmal enthaltend (andere sind auf ein neues Tafelbild zu verlagern), dabei aber so ausreichend und gut beschriftet, dass es auch bei Wiederholungen für spätere Prüfungen noch verständlich ist.