Skip to content

Werkzeuge im Netz.

KärtchenAuf der schon erwähnten Tagung »Lesen, Schreiben, Wischen – Digitale Medien im Deutschunterricht auf dem Prüfstand« des Fachverbandes Deutsch habe ich auch einen Workshop zum oben genannten Thema geleitet. Es gab einen Arbeitsauftrag, dessen Ergebnisse in einer Google-Docs-Tabelle gesichert wurden. Hier ist das Ergebnis (das natürlich noch mündlich ergänzt und diskutiert wurde). Weil der Workshop zweimal mit unterschiedlichen Teilnehmer_innen stattfand und ich die Ergebnisse aus zwei Tabellen ohne die Texte zu redigieren zusammengefügt habe, können einzelne Einträge redundante Informationen enthalten.

Bloggende Lehrer_innen.

Anlässlich der Tagung Tagung »Lesen, Schreiben, Wischen – Digitale Medien im Deutschunterricht auf dem Prüfstand«, die am 13. und 14. November 2015 in der Akademie Sankelmark stattfand, habe ich einen kleinen Vortrag zum oben genannten Thema gehalten. Hier ist das virtuelle Typoskript.

(Das Übertragen der Links in die TeX-Datei war zwar arbeitsaufwendiger als notwendig, wenn Ihr allerdings den Quellcode dessen sehen würdet, was Evernote »HTML-Export« nennt, bedecktet Ihr weinend Euer Gesicht und wendetet Euch grausend ab. Dann lieber Arbeit und ein hübsches Dokument.)

Auseinandersetzung um Lehrkräfteausbildung in Schleswig-Holstein.

Unsere Ministerin für Bildung und Wissenschaft hat einen Entwurf eines Lehrkräftebildungsgesetzes Schleswig-Holstein (LehrBG) vorgelegt.

Unser Landesverband Schleswig-Holstein/Hamburg des Fachverbands Deutsch im Deutschen Germanistenverband hat dazu eine klare Einstellung: Deutschlehrer fordern differenzierte Lehrerausbildung – der Germanistenverband wendet sich gegen das Einheitslehrer-Konzept der schleswig-holsteinischen Landesregierung.

10 Jahre – einige ungeordnete Gedanken.

Vor zehn Jahren hatte ich am 3. Oktober offenbar etwas Zeit übrig und schrieb daher meinen ersten Eintrag in dieses Blog; er begann nicht mit »Hallo Welt!«, sondern mit »Nun, ein Tagebuch.« –, nicht ahnend, dass die Bezeichnung eines Blogs als »Tagebuch« von einigen Bloggern geradezu als Affront empfunden würde ...

Unter der Überschrift »Warum ein Blog?« schrieb ich damals:

Seit einiger Zeit nutze ich meine Homepage sowohl zu privaten als auch zu beruflichen Zwecken: zur Verbreitung von Informationen und Aufgaben (an Schülerinnen und Schüler) sowie als Speicherplatz für Dateien, auf die bestimmte Personen oder auch ich selbst zu bestimmten Zeiten zugreifen können sollen.

Immer wieder kommt es jedoch zu der Situation, dass Informationen, Gedanken, URLs etc., die für den einen oder anderen von Belang sein könnten, auf meinem Schreibtisch verloren gehen: es lohnt sich nicht, sofort eine eigene WWW-Seite zu schreiben, die dann auch noch verlinkt werden muss, daher wird sie erst einmal beiseitegelegt und in einem gelegentlichen Aufräumanfall dem Orkus anheim gegeben.

Diese Inhalte sollen nun eingehen in Den Großen Datenspeicher, auf dass sie dem von Nutzen sein können, der etwas damit anzufangen weiß.

Die WaybackMachine hat die Seite zur Kenntnis genommen: im ursprünglichen RUL-Design und etwas später, angepasst an den Rest meiner Site (der inzwischen im Blog aufgegangen ist).

Wenn ich mein Blog betrachte, sehe ich Interessen in den Vordergrund treten und nach einiger Zeit wieder in den Hintergrund rücken – ein Beispiel ist die Beschäftigung mit den verschiedenen TeX-Spielarten. Mein erstes Posting dazu findet sich 2006, dann begleitet das Blog die Einarbeitung in TeX. Heute, da jedes Arbeitsblatt, das ich an Schüler verteile, geTeXt ist (und die wesentlichen Templates dafür erstellt, Pakete bekannt sind), ich daher täglich mit TextMate als Editor, Skim als Betrachter, BibDesk als Literaturverwaltung und MacTeX als TeX-Distribution arbeite, ist das Schreiben darüber nicht mehr wichtig.

Die Form des Blogs lernte ich bei den Großen von damals kennen: Industrial Technology & Witchcraft, dem Cartoonisten, und zuvörderst beim Schockwellenreiter.

Jeden Tag ein eine riesige Menge an meist techniklastigen Nachrichten: es ist schon einigermaßen erstaunlich, was Jörg, als ich mit dem Bloggen begann, ja schon drei Jahre lang betrieb – noch erstaunlicher und beeindruckender als das heute vielleicht als Retweeten bezeichnete und damit selbstverständlich gewordene Weitertransportieren von Meldungen aus unterschiedlichen Quellen waren allerdings immer seine kulturhistorischen und lokalgeschichtlichen längeren Exkurse; auch die technischen Erläuterungen rund um Radio Userland waren für mich hilfreich (wie übrigens auch die eine oder andere direkte Hilfe per E-Mail).

Mit der Entdeckung der Blogs verbunden war die der RSS-Feeds als Instrument der Publikation und der Lektürehilfe – bei Radio Userland war der Aggregator gleich eingebaut, später habe ich mit NetNewsWire ein geeignetes Leseprogramm gefunden.

(Technik überhaupt: Radio Userland und PageSpinner, WordPress, zur Zeit Serendipity als Blogsoftware, der Übergang von statischen, tabellenbasierten zu CSS-definierten fluiden Layouts, HTML- und zuweilen auch PHP-Gefrickel …)

Dem Vorbild geschuldet war es auch mein Ziel, möglichst viele interessante Seiten im Netz zu finden, sich aufmerksam zu machen auf neue Inhalte etc., auch entstand in diesen Jahren ein relativ enges Netzwerk an Bloggern, die sich gegenseitig förderten, kommentierten, möglichst häufig verlinkten.

Rasch wurde jedoch auch deutlich, dass anderenorts betriebenes Hochleistungsbloggen und hier zentrales Familienleben sich gegenseitig ausschließen – so nahm die Frequenz der Postings ab. In einem durch die Verbreitung des Bloggens schärfer werdenden Wettbewerb um schneller, aufgeregter, provokanter, häufiger etc. mitzutun, zudem auch noch zu kämpfen um eine zunächst noch knappe, aber fordernde Leserschaft, war nicht in meinem Sinne.

Die Spezialblogs waren eine weitere interessante Entwicklung; so gab es eben bald nicht nur Einzelhändler- und Bestatter-, Fernfahrer- und Personenbeförderungs-, sondern eben auch Lehrerweblogs – die freiwillige thematische Selbstbeschränkung ist meine Sache aber nicht, wer will, abonniert eben nur eine Rubrik meines Blogs (und sei’s das ausgegliederte, weil über TrailRunner erzeugte Laufblog).

Auch andere Blogbetreiber bemerkten, dass die bald wachsende Anspruchshaltung der Blog-Konsumenten fragwürdig ist vor dem Hintergrund, dass ein Blog zunächst ein Geschenk ist desjenigen, der andere teilhaben lässt: eine freiwillige Leistung. Derlei Ungeduld ist nicht begründbar, denn meinem RSS-Reader ist es egal, ob er 300 oder 400 Quellen abgrast – er wird das eine Posting, das der Blogautor nach einem Jahr der Stille schreibt, nicht verpassen …

Zur Selbstbestimmung in einem großartigen Medium gehört auch die Muße, Leben genießen zu können ohne den Gedanken an die Verwertung im Blog. Das »Ich möchte lieber nicht« Bartlebys ist die wahre Autarkie.

In Zeiten von Klout und Google AuthorRank, von Abmahnanwälten, Facebook und Spambots habe ich manchmal auch gar keine Lust mehr mitzuschreiben am Netz (es gibt ja genügend anderes zu tun). An anderen Tagen macht’s wieder Laune.

Mal sehen, was wird.

Gelesen. Schalansky.

Judith Schalansky: Der Hals der Giraffe. Berlin: Suhrkamp, 2011.

Nachdem ich es von einem Freund schon vor Erscheinen empfohlen bekam, hatte ich es vorbestellt; bei Erscheinen dann die Lobeshymne von Marius (die ich um den Kommentar »Ja.« ergänzen könnte); nun die Lektüre. –

Nur rasch ein Zitat, bevor ich wieder an Unterrichtsvorbereitung (!) gehen muss. Inge Lohmark, aus der DDR übrig gebliebene Lehrerin vom alten Schlag:

Früher sollten die Kinder zu fortschrittlichen und friedliebenden Menschen erzogen werden, heute eben zu freien. Dabei war doch Freiheit nichts als die Einsicht in die Notwendigkeit. Niemand war frei. Und sollte es auch gar nicht sein. Allein die Schulpflicht. Das war ein staatlich organisierter Freiheitsentzug. Ausgeheckt von der Konferenz der Kultusminister. Es ging gar nicht um Wissensvermittlung. Sondern darum, die Kinder an einen geregelten Tagesablauf und die jeweils vorherrschende Ideologie zu gewöhnen. Das war Herrschaftssicherung. Ein paar Jahre Aufsicht, um das Schlimmste zu verhindern. Das Gymnasium als Vollbeschäftigung bis zur Volljährigkeit. Gute Staatsbürger. Gehorsame Untertanen. Nachschub fürs Rentensystem. […] Kritisches Denken war immer erlaubt. Nur linientreu musste es sein. Gerade in einem kranken System musste man auf seine Gesundheit achten. Und der Kern aller Gesundheit war die Anpassung.

Und in dieser Konzentration geht es immerfort weiter.

Ein feines Buch, das ich zu kaufen bitte.

Buch bei Amazon angucken (Affiliate-Link).

Gelesen. Becker.

Jurek Becker: Schlaflose Tage. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1978.

Jurek Beckers Jakob der Lügner steht schon seit Jahrhunderten auf meiner Liste der zu lesenden Bücher, doch irgend etwas hielt mich immer wieder von der Lektüre ab; kürzlich bekam ich Schlaflose Tage empfohlen und habe es jetzt gelesen.

Simrock ist Lehrer (es lohnte, analog zum Schülerroman auch einmal eine Liste der Lehrerromane zusammenzustellen) in der DDR der 70er Jahre. Als er eines Tages Herzbeschwerden verspürt, stellt er sein bisheriges Leben vollkommen in Frage und entdeckt für sich ein der Wahrhaftigkeit verpflichtetes. Damit einher geht eine Revision seines Lehrerbildes und die Formulierung von Leitsätzen:

1. Mein guter Lehrer muß ein Verbündeter der Kinder sein. Nicht in der Absicht, einen pädagogischen Trick anzubringen, nicht wie ein Taschenspieler, der mit Hilfe seines Verbündet-Tuns andere Ziele verfolgt, sondern ohne Vorbehalt. Nur auf Grund der Überzeugung, daß Kinder Verbündete brauchen.

[…]

3. Im Extremfall bereit sein, Konsequenzen zu ziehen […]. Bereit sein, nicht länger Lehrer zu sein, sich mit dieser Bereitschaft Bewegungsfreiheit verschaffen. […]

4. Er muß sich den Kindern verantwortlich fühlen, mehr als der Schulbehörde. Über den vielgebrauchten Satz, die Schule sei dazu da, die Kinder aufs leben vorzubereiten, darf er nicht vergessen, daß die Gegenwart ja schon das Lebend er Kinder ist. Daß sie schließlich nicht Tote sind, die erst zum Leben erweckt werden müssen.

[…]

8. Es wird geschehen, daß seine Ansichten von denen abweichen, die er laut Lehrplan den Kindern vorzutragen hat. […] Wie sich verhalten? Nur die andere Ansicht sagen? Oder nur die eigene? Oder beide? Wahrscheinlich gibt s keinen anderen Weg, als den Kindern zu erklären, wie Überzeugungen zustandekommen: nicht nur aus Urteilen, sondern auch aus Vorurteilen. […] Er darf die Kinder nicht lähmen mit Endgültigem, sondern er muß sie vergleichen lehren und somit zweifeln.

9. […] Er hat gewonnen, wenn die Kinder ihn akzeptieren, obwohl sie ihn ungestraft ablehnen können.

Allein diese Grundsätze bieten genügend Anlass zum Nachdenken.

Simrock wird dem Leser auf seinem Weg zu einem ehrlichen Selbst nie zur Identifikationsfigur, er ist zuweilen eher von sich selbst überrascht, welch weitreichende Folgen aus seinen neu gefundenen schlichten Prinzipien im Hinblick auf Schule und Leben erwachsen; gleich seine erste Handlung – die kaum begründete und letztlich gefühllos vollzogene Trennung von seiner Familie – verdeutlicht die sozialen Folgen seines Denkens. Simrock ist kein Sympathieträger, sondern eine sich selbst und uns in Frage stellende Figur, der wir beim Irren zusehen dürfen, die uns in ihrer finalen Radikalität allerdings überflügelt.

(An einer Stelle übrigens schildert eine Freundin Simrocks ihre Erfahrungen während ihres Physikstudiums:

Sie behauptete, vor Jahren schon gemerkt zu haben, daß Aufrichtigkeit hierzulande nur gefragt sei, wenn der Aufrichtige und die Vielzahl seiner Vorgesetzten übereinstimmten. […] In der Schule habe sie so überzeugend ihr Pensum heruntergelogen, daß es für die Universität reichte. Leider sei auch beim Studium der Physik, das sie fälschlicherweise für exakt gehalten habe, die Notwendigkeit zu Bekenntnissen übermächtig geworden. Ihre Tarnung sei drei Semester lang tadellos gewesen, dann habe eine Unvorsichtigkeit ihr wahres Wesen für Augenblicke durchscheinen lassen. […] Eine Woche später habe man sie von der Universität gewiesen […].

Heute ist in unserem Staat eine Person an herausragender Stelle tätig, die in ihrem Physikstudium in der DDR der 70er Jahre offensichtlich nie ein wahres Wesen hat verbergen müssen.)

Spröde und langweilig kommt es zunächst daher, das schmale Büchlein von gerade einmal 157 Seiten. Gelesen werden sollte es dennoch.

Buch bei Amazon angucken.

Ende des Schuljahres.

Morgen ist der letzte Schultag vor der langen unterrichtsfreien Zeit im Sommer.

Etwa 300 Klausuren im Beruflichen Gymnasium (Deutsch und Philosophie, Oberstufe), ungefähr 200 Klassenarbeiten in der beruflichen Ausbildung (Buchhandelsbetriebslehre, aber auch EDV) habe ich in diesem Schuljahr korrigiert (wenn ich nicht welche vergessen habe). Gerade in den letzten Wochen und Monaten war dies wieder besonders zeitaufwendig – so zeitaufwendig, dass die Unterrichtsvorbereitung weniger intensiv als angemessen erledigt werden musste (und die private Regeneration mehr als nur sparsam stattfand). Das ist – wie immer wieder festgestellt – ärgerlich und belastend, auch, weil die Korrekturarbeit außer dem Ergebnis einer Schulnote kein weiteres zeitigt.

Und ja: auf die unterrichtsfreie Zeit freue ich mich wegen dieser Anstrengungen mindestens so sehr wie die Schülerinnen und Schüler auf ihre Ferien.

Aber wieder habe ich in diesem Schuljahr viele Stunden Unterrichts erteilt, die mindestens mir Freude bereiteten: das Lehren und gemeinsame Lernen ist nach wie vor eine ganz wertvolle Erfahrung, die oft einfach richtig Laune macht, manchmal zufrieden (und manchmal natürlich auch ein schales Gefühl hinterlässt): Lehrer zu sein ist im Unterrichtsgeschehen eine im Großen und Ganzen tolle Sache.

Solltet Ihr aber noch die Wahl haben: nehmt nicht die Fächer mit langen Aufsätzen.

2000 Stunden Lehrerarbeit.

Charles Ripley (»Chuck«!), Lehrer, ist die Diskussion um Überbezahlung und Minderleistung leid und wird künftig seine Arbeit in seinem Blog dokumentieren. [Via]

Das Interesse an dieser Art Dokumentation ist sicher groß. In meinem Blog ist die Seite Aufgaben eines Lehrers unter den am häufigsten aufgerufenen, seit ich sie 2007 geschrieben habe. Ich selbst aber versuche inzwischen, derlei Grundsatz­diskussionen aus dem Weg zu gehen, soweit sie von Pauschalurteilen gekennzeichnet sind, weil die Spannweite an Aufgaben und der Art und Weise der Aufgabenerfüllung bei Lehrern so groß ist wie (ich sag's mal pauschal) in »der Wirtschaft«. Da lese ich doch lieber ein gutes Buch.

Mich interessiert das schulinterne Tun: können meine S zufrieden sein mit dem, was ich ihnen vor dem Hintergrund vielfältiger Vorgaben biete? Erreichen wir gemeinsam genug? Sind meine S nach gemeinsamen Jahren besser für das gewappnet, was sie erwartet, als sie es vorher waren? (Etc.) – Hier lohnt es sich, Energie zu verwenden.

Schulinterne Fortbildung zum Burn-out-Syndrom.

Schulinterne Fortbildungen sind eine feine Gelegenheit, in der Schule mit Kolleginnen und Kollegen etwas Sinnvolles zu tun, ohne dass einem die Schüler zwischen den Füßen rumwuseln. (Schriebe ich hier nur Wahres, müsste ich mich nun verbessern und darauf verweisen, dass die meisten meiner Schüler volljährig sind und mich – zumindest was die männlichen Vertreter betrifft – körperlich eher überragen.)

Gestern haben wir (vor einem gemeinsamen Mittagessen und einem in Gruppen mit unterschiedlichen Aufgaben verbrachten Nachmittag) an einer Veranstaltung zum Burn-out-Syndrom teilgenommen, die durch Information natürlich auch zur Prävention beitragen sollte. Das ist für Lehrkräfte sinnvoll (und eine Schulleitung zu loben, die derley veranstaltet), weil sie einer potentiell stark gefährdeten Berufsgruppe angehören.

Gründe hierfür sind auf zwei Seiten zu sehen: auf der einen erscheinen die hohen Anforderungen des Berufs, zu denen lange Arbeitszeiten, stressverursachende Umgebungen, fachliche und pädagogische Herausforderungen etc. gehören. Auf der anderen Seite steht das Lehrerindividuum, das mehr oder minder bedeutsame Anlagen zum Burn-out besitzt und / oder (weiter-) entwickelt. Viele dieser Anlagen sind im Lehrerberuf unerlässlich: ganz generell beispielsweise ein hohes Engagement für die sich stellenden Aufgaben. Hier allerdings das auch langfristig richtige Maß zu finden ist die Schwierigkeit.

Ein Exempel: Eine gute Unterrichtsstunde (oder gar eine -einheit!) vorzubereiten ist eine komplexe und potentiell unendliche Aufgabe. Immer kann die Stunde noch weiter und besser vorbereitet werden, sie ist nie fertig in dem Sinne, in dem ein materielles Produkt fertig ist. Die Lehrkraft muss also lernen, von einem bestimmten Zeitpunkt an die Unterrichtsstunde als fertig zu bestimmen. Genau das kann aber mit einem Gefühl der Unzufriedenheit verbunden sein, weil die Lehrkraft ja die oben benannte Forderung hohen Engagements an sich stellt und daher mit einer in ihrem Sinne noch nicht guten Stunde nicht zufrieden ist. Natürlich gewöhnt sich die Lehrkraft nach dem Referendariat, in dem an einer einzigen Vorführstunde schon mal tagelang gearbeitet wird, rasch an die Erfordernisse des Alltags, in dem 25 Stunden und mehr gehalten werden müssen. Zu bedenken allerdings ist, dass dies nicht die einzige Stelle ist, an der der Perfektionsdrang der Lehrkraft scheitern muss. Gerade die engagierte Lehrkraft, die einen hohen Anspruch an sich selbst stellt, weil sie ein positives Bild vom Lehrerberuf hat, ihn möglicherweise gar als Berufung begreift, wird immer wieder subjektiv beurteilt zu große Abstriche machen müssen. Hinzu kommt, dass ein definierter Feierabend nicht möglich ist: fest liegt die Zahl der Unterrichtsstunden. Wie viel Arbeit die Lehrkraft sich damit (und mit allem damit verbundenem) macht, ist in ihr Ermessen gestellt. Der große Vorteil des Lehrerberufs – ein hohes Maß selbstbestimmten Arbeitens – verkehrt sich dergestalt ins Gegenteil.

Nach Freudenberger, so habe ich gestern gelernt, seien beim Burnout-Syndrom 12 Stadien zu beobachten – vom »Zwang sich zu beweisen« über die »Vernachlässigung eigener Bedürfnisse«, den »Rückzug«, die »Depersonalisation« bis hin zur »völligen Erschöpfung«. Die Prophylaxe kann allenfalls davor bewahren, in diese Entwicklung einzutreten; spätestens nach Durchlaufen der Hälfte der Stadien bzw. bei Vorliegen einer Reihe signifikanter Symptome wird angeraten, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Die Prophylaxe rät weiter, statt stets die Höchstleistung von sich abzufordern und alles nicht arbeitsspezifische als (allenfalls) sekundär zu behandeln eine neue Balance zwischen Arbeit und Ich, Beruf und anderen Bereichen zu finden, das Ich dabei als zentrales Element neu zu entdecken. Regenerationspausen seien zwischen Phasen der Anstrengung vonnöten, um langfristig den Anforderungen begegnen zu können. Dazu zählen nicht beruflich motivierte soziale Kontakte ebenso wie schlichte Ruhepausen, Sport, Lesen, Musizieren oder anderes. Ziel sei die Ich-bewusstere Lehrkraft, die auch mal fünfe gerade sein lassen könne und einen ohnehin nie erfüllbaren Perfektionsanspruch zugunsten einer leistbaren guten Qualität aufgebe. –

Die Veranstaltung selbst dauerte mit Pausen vier Stunden, die rasch vergingen, auch weil die Referentin, Frau Weinhold von Holzrichter Beratungen, ihre Inputphasen immer wieder durch Tests, Selbsteinschätzungen und ähnliche Ich-bezügliche Übungen auflockerte. Das Echo war einhellig positiv, weshalb ich eine solche Themensetzung für schulinterne Fortbildungen unbedingt weiterempfehlen kann.

Der Skeptiker in mir sieht allerdings nicht nur die Hilfe, die diese Burn-out-Veranstaltung bietet. Eingangs hatte ich darauf hingewiesen, dass es zwei Seiten seien, auf denen sich Burn-out-Risiken verbergen: die der Umgebung und die der Lehrkraft. Bearbeitet werden in der Burn-out-Prophylaxe allerdings nur letztere. Die Lehrkraft also, die ohnehin an ihrem eigenen Anspruch an die Erfüllung von Aufgaben scheitert, bekommt signalisiert, dass auch dieses Scheitern auf eigenen Defiziten beruht: problematisch seien also nicht die Bedingungen schulischen Lehrens, sondern dass die Lehrkraft diesen Bedingungen nicht entspricht. Zu bearbeiten sei daher auch nicht die Frage, inwiefern diese Bedingungen zu ändern sind, sondern die Haltung der Lehrkraft. Ganz pragmatisch gesehen mag dieser Ansatz richtig und auch hilfreich sein. Tatsächlich aber stellt schon das Referendariat den Eingang in die Burn-out-Spirale dar, denn es ist der Inbegriff des oben genannten Zwangs sich zu beweisen. –

Ausführliche Informationen zum Thema Burn-out bei Lehrkräften gibt's bei Paul Tresselt.

Und vielleicht sollte der eine oder die andere auch mal bei Gerhard Sennlaub nachlesen.