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Gelesen. Ibuse.

Masuji Ibuse: Schwarzer Regen. Berlin: Aufbau, 1969.

Shigematsu Shizuma begreift als derzeit wichtigste Aufgabe die angemessene Verheiratung seiner Nichte Yasuko; da sich diese aber zur Zeit des Bombenabwurfs auf Hiroshima in unklarer Nähe zum Geschehen aufhielt, zögern die Heiratsagenten, die für gut situierte Männer die passenden Frauen suchen, denn eines der Opfer der Bombe kommt für sie nicht in Frage.

Shigematsu ordnet deshalb seine Tagebuchnotate über den August 1945 und fasst sie neu zusammen; indem er das unerträgliche Leid schildert, das er in Hiroshima gesehen und auch selbst erlebt hat, hofft er, die Schädigung, die Yasuko davontrug, zu relativieren.

Der wesentliche Teil des Romans besteht aus eben diesen Aufzeichnungen aus der Sicht des Erlebenden, der nicht weiß, welcher Art die Bombe war, die Hiroshima zerstört hat, die unterschiedlichen Auswirkungen – bis hin zur gehässig selbstgerechten Ausgrenzung der Opfer – jedoch in lakonisch scheinender Präzision in fast entschuldigendendem Ton protokolliert, um in Sorge um Yasuko dieser doch noch eine Chance auf eine gesellschaftliche Stellung zu eröffnen. –

Das Wichtigste, was Menschen wissen müssen, steht bereits in Büchern.

Zum Krieg.

»Wir Deutschen sind nach dem von uns verschuldeten Zweiten Weltkrieg und nach unserer totalen Niederlage deutlich weniger kriegsbereit als manche jener Nationen, welche beide Weltkriege gewonnen haben. Diese Haltung resultiert nicht aus idealistischem Pazifismus, auch nicht aus verwerflicher Feigheit, sondern aus der Einsicht in die katastrophale militärische Fehlentwicklung Deutschlands in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diese Lehre gelernt zu haben ist weiß Gott keineswegs verwerflich!«

(Helmut Schmidt in der lesenswerten Einschätzung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr, zunächst gehalten vor dem SPD-Parteivorstand, nun gedruckt in Die Zeit.)

Für den Abzug aus Afghanistan …

… sprechen sich Unterzeichner eines im Freitag erscheinenden Appells aus. Es sind dies (noch zu wenige, aber immerhin): Daniela Dahn, György Dalos, Dietmar Dath, Thomas Dörschel, Gretchen Dutschke-Klotz, Jürgen Flimm, Peter Hamm, Christoph Hein, Inga Humpe, Elfriede Jelinek, Marianne Koch, Friedrich Küppersbusch, Sarah Kuttner, Dirk von Lotzow, Thomas Ostermeier, Tim Renner, Harry Rowohlt, Horst Eberhard Richter, Charlotte Roche, Ruben Jonas Schnell, Friedrich Schorlemmer, Katharina Thalbach, Martin Walser, Roger Willemsen und Feridun Zaimoglu.

Es wird Zeit, dass auch die SPD-Oberen mal in die Puschen kommen und begreifen, dass ihre Basis diesen Krieg nicht will.

(Auch aus der Eutiner Kaserne starten dieser Tage wieder Soldaten nach Kundus. Natürlich wünscht man, dass sie wohlbehalten zurück kommen. Noch besser wäre es allerdings, sie dürften gleich hier bleiben.)