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Mal wieder: Klassengrößen.

Zu Hokeys lesenswertem Artikel Die Klassengröße: Der Output ist’s, was zählt schrieb ich:

Danke für die ausführliche Gegendarstellung (zu der ich schon gar keine Lust mehr hatte), die ich so unterschreibe.

Auch wird in solchen Artikeln gern davon ausgegangen, dass Aussagen der Lehrkräfte unerheblich seien. Das Faktum, dass das Unterrichten in einer kleineren Klasse für Lehrkräfte meist angenehmer ist (mehr Zeit für die einzelnen S, allgemein geringerer Lärmpegel, weniger Störungen (die Vorrang haben), Möglichkeiten, methodisch zu variieren etc.), wird mit statistischen Aussagen beiseite gewischt, also ignoriert.

Die Aussage »l’enfer c’est les autres« (die Hölle, das sind die anderen) stammt aus dem Drama eines Lehrers, der möglicherweise seine S sehr genau beobachtet hat und wusste, was es für die introvertierteren Lernenden bedeutet, tagtäglich viele Stunden mit etlichen Gleichaltrigen eingesperrt zu sein.

Unter meinen S sind stetig mehr, die psychische Probleme haben (und auch das hat Gründe), auf die man sehr viel mehr als möglich eingehen müsste, für die der Unterschied beispielsweise zwischen gerade noch erträglichen 20 MitS und zu unerträglicher Enge führenden 30 MitS durchaus signifikant ist … für einen Landesrechnungshof, für eine Gesellschaft, für die Durchsetzungsvermögen eine Tugend ist, die Schwächen aber als Laster wertet, zählen derlei Argumente natürlich genau Null.

Wie stets unappetitlich: der Koch und seine Vorschläge.

»Wenn in den Schulen der Schimmel die Wände hochklettert, während in den Geldhäusern Gewinne und Tantiemen ins Absurde steigen, dann ist nicht Zeit für eine neue Wertedebatte, sondern für eine andere Politik: Es ist Zeit, dem Finanzmarkt die Rechnung zu präsentieren – die Rechnung für staatliche Milliardenbürgschaften und Nothilfen.« So Heribert Prantl in seinem Kommentar Friede den Palästen.

Kleinkredite vergeben per KIVA.

Spätestens seit Muhammad Junus im Jahr 2006 den Friedennobelpreis bekam, hat jeder vom System der Kleinstkredite als Hilfe zur Selbsthilfe in weniger entwickelten Regionen der Erde gehört. In einem (leider vergessenen) Blog (wieder begegnet: es war Nach Dienstschluss) entdeckte ich in einer Randspalte eine Anzeige für KIVA (hier geht's zu KIVA Deutschland), eine gemeinnützige Organisation, die diese Systeme fördert, indem sie sie mit privaten Kreditgebern in der »ersten Welt« verbindet.

Das finde ich pfiffig, und deshalb habe ich das vor zwei Monaten auch ausprobiert. Ich habe mir in der Auswahl an Projekten einige ausgesucht, die mir besonders unterstützenswert erschienen.

Beispiel für ein solches Projekt: eine Frau in Nicaragua »works with much enthusiasm and the desire to get ahead. She makes and sells food. She sells the food herself at her site. She has been in this business for 20 long years, and she has gained a lot of experience making food. Therefore, she has a lot of people come to her site daily to buy the delicious food that she prepares.« Diese Frau erbat einen Kredit von US$ 525 »to buy raw materials to make food«. Dieses Geld wolle sie in 5 Monaten zurückzahlen.

Selbstverständlich könnte nun jemand, der 525 Dollar übrig hat, diesen Kredit komplett finanzieren. Stattdessen aber hat Kiva ein System aufgebaut, das es den Kreditgebern ermöglicht, in 25-Dollar-Schritten Geld zu verleihen. Ich habe also 25 Dollar verliehen, Kiva gibt diese (ohne Verluste!) an eine lokale Kleinkreditorganisation weiter, die das Geld vor Ort an die Kreditnehmerin vergibt und auch auf die Rückzahlung achtet. All dies wird im Einzelnen vorab beschrieben und dokumentiert.

Über den RSS-Feed des Projekts wird der Kreditgeber auf dem Laufenden gehalten – heute erfuhr ich, dass die Frau fristgerecht ihre zweite Rate bezahlt hat.