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Gelesen. Ransmayr.

Christoph Ransmayr: Cox oder Der Lauf der Zeit. Frankfurt am Main: S. Fischer, 2016.

Wenn auch stellenweise gewollt (und gar zu deutlich), so insgesamt doch souverän und erfreulich.

Buchhändler meines Vertrauens (1).

Timo Off hat mal zur Blogparade aufgerufen, und da gerade unterrichtsfreie Zeit ist war (Herbstferien haben nur Schülerinnen und Schüler, denn irgendwer muss ja die 19 Gedichtinterpretationen (Deutsch) und 39 Essays (Philosophie) durchsehen und benoten sowie sich auf die neue Unterrichtseinheit zu Christa Wolfs Medea. Stimmen vorbereiten), fühle ich mich gemeint.

Meine ersten Bücher wurden mir nicht in städtischen Buchhandlungen, sondern eher in dörflichen Schreibwarenläden gekauft. Es waren meist fragwürdige Inhalte, illustriert mit Bildern, deren dem Zeitgeschmack entsprechende wuchtige Niedlichkeit im Angesicht heutiger Kinderbücher kaum mehr vorstellbar ist. Nicht Oetinger, sondern Pestalozzi, Boje oder PEB stand auf den meisten dieser Bücher, wenn überhaupt ein Verlag genannt wurde; auch Pixi-Bücher gab es.

Meine liebste Buchhandlung war dann im Grundschul- und frühen Sekundarschulalter die Buchabteilung bei Karstadt (vor dem Aufkommen der Filialisten übrigens größte Buchhandlung Deutschlands), denn dort waren stets alle Reihen der Schneider-Bücher verfügbar, die Serie Geheimagent Lennet des geheimnisvollen Leutnant X ebenso wie Jo Pestums Kinderkrimis um Privatdetektiv Luc Lucas. Beratung war in dieser Zeit für mich nicht notwendig, alle für mich interessanten Reihen kannte ich, und da die für mich adäquaten Titel durch blaue Rückenbeschriftung (die Mädchenbücher trugen rosarot) gekennzeichnet waren, war die Gefahr des Fehlgriffs klein (die Mädchenserien Dolly, Tina und Tini, Trixie Belden, Hanni und Nanni las ich dann in den Sommerferien bei meiner Cousine).

Die Buchhandlungen meiner Schulzeit waren dann vor allem die Buchhandlung Schneider sowie Lipsius & Tischer in Kiel, die es inzwischen beide nicht mehr gibt – einer der Gründe für diese Entwicklung ist sicher die damalige Buchhandlung Weiland (heute Hugendubel), die den Filialbuchhandel nach Kiel brachte und es mit damals gänzlich ungewohnten Flächen am Alten Markt den alteingesessenen Buchhändlern schwer machte ... Beratung allerdings brauchte ich immer noch nicht, denn das Stöbern in einer Menge von Büchern ist das eine Entscheidende, Ratschläge von Freunden das andere.

Wie besonders eine Buchhandlung sein kann, habe ich in der Freiburger Buchhandlung zum Wetzstein erfahren, in der ich für meine Zeit im Süddeutschen Stammkunde war: eine Buchhandlung mit klar literarischer und allgemein geisteswissenschaftlicher Ausrichtung mit (für mich zu) hochpreisigem Antiquariat (aber ohne Kochbücher, medizinische Ratgeber und ähnliche Bereiche), in der ich Ransmayrs Die letzte Welt und Arno Schmidts Romane in den schönen Ausgaben bei S. Fischer entdeckte (hier ein paar fotografische Eindrücke). Was im Wetzstein in den Regalen stand, war lesenswert, dessen konnte man gewiss sein – und mehr als einmal habe ich erlebt, wie Kunden, die beispielsweise nach nicht ins Sortiment passenden Schmonzetten aus Bestsellerlisten fragten, freundlich, aber bestimmt an Rombach, Walthari und andere Mitbewerber verwiesen wurden. Auch hier schätzte ich in erster Linie die Zurückhaltung des Inhabers Thomas Bader, der zwar sehr genau wahrnahm und sich merkte (vor den Tagen von Warenwirtschaftssystemen und Kundendatenbanken), welche Vorlieben die letzten Lektüren prägten und durch gezieltes Vorlegen von ein, zwei Titeln diese Vorlieben stärken oder einen passenden Anstoß in eine andere Richtung geben konnte, im Regelfall aber schlicht durch die Auswahl des Sortiments, mithin die Bestückung der Regale und Auslagetische wirkte: der gute Buchhändler feilt mit jeder Bestellung fürs Sortiment an der Profilierung desselben; um aber dergestalt ein gutes Sortiment zusammenstellen zu können, braucht man ein profundes Wissen und großes Interesse an den jeweiligen Spezialthemen. Der Kunde kann in einer solchen Buchhandlung folglich ohne Beratung bleiben und stöbern, denn es gibt zwar Bücher, für die er sich derzeit nicht interessiert – aber keinen Mist. Übrigens wurde in dieser Buchhandlung Pfeife geraucht.

(Teil 2 folgt mal bei Gelegenheit, aber da die unterrichtsfreie Zeit – husch! – schon wieder vorbei ist, will ich vorm Einsendeschluss zumindest einen ersten Teil liefern.)

Neues Schuljahr, neues Glück.

Eine Woche des neuen Schuljahrs ist vorbei, damit viel Organisatorisches, was mit dem Unterrichten noch gar nichts zu tun hat. Was ich unterrichten darf:

Einen zum Zentralabitur führenden Deutschkurs im 13. Jahrgang mit der Korridorformulierung »Literarische Moderne zwischen Tradition und Postmoderne – Die Idee des Neuen / Technik- und Menschenbilder in Lyrik des Expressionismus und der Literatur der Gegenwart« – da ist zwischen Pinthus' Menschheitsdämmmerung und ganz aktueller Literatur alles drin, und es ist schade, dass nicht mehr Zeit bleibt: lese ich Brechts Leben des Galilei, bleibt keine Zeit für Hasenclevers Der Sohn und Schnitzlers Traumnovelle, lese ich Frischs Homo faber (nicht neu, aber funktionierend), kann ich mir Schmidts Schwarze Spiegel nicht erlauben etc. Mal sehen. Ransmayrs Die letzte Welt führte früher mal nicht zu Begeisterungsstürmen, also vielleicht doch lieber Süskinds Das Parfum? Und Kafka sollte auch nicht vergessen werden …

Die S des neuen Deutschkurses mit erhöhtem Anforderungsniveau (früher: Leistungskurs) werde ich zunächst anhand von Kurzprosa (erste Geschichte: Uwe Johnsons »Osterwasser«) kennen lernen, danach werden wir Jugendbezogenes (Wedekinds Frühlings Erwachen; Horváths Jugend ohne Gott; Herrndorfs Tschick gibt's leider noch nicht als Taschenbuch ...) lesen und Grundlagen des Arbeitens mit unterschiedlichen Arten von Literatur einüben. Ich habe hier mehr Stunden zur Verfügung als im anderen Kurs, insofern möchte ich auch die Zusammenarbeit über Onlinewerkzeuge thematisieren, ohnehin der Reflexion über Methoden und Lernstrategien einen größeren Raum einräumen.

In der Philosophie habe ich wie stets je zwei Kurse im 11. und 12. Jahrgang, die mit der Einführung in die Philosophie und anthropologischen Fragestellungen (11) bzw. der Epistemologie (12) starten; außerdem werden wir im 13. Jahrgang in Vorbereitung auf das Abitur mit einem vertieften ethischen Thema, gesellschaftlichen Fragestellungen und Fragen der Medienphilosophie (leider wieder keine philosophische Ganzschrift ...) befasst sein.

Im Buchhandel unterrichte ich zum letzten Mal das Lernfeld »Weitere Warengruppen erschließen« nach altem Lehrplan; der nächste Durchgang an Auszubildenden darf im Unterricht den neuen kompetenzorientierten Lehrplan, an dessen Erstellung ich mitarbeiten durfte, auf seine praktische Eignung überprüfen … wir werden sehen.

Darüber hinaus habe ich mir aus dem Fortbildungsangebot des IQSH schon ein paar Fortbildungsangebote ausgesucht, die ich besuchen möchte, damit ich auch etwas außerhalb meines Unterrichts dazu lerne.

Gegenwartsliteratur im Deutschunterricht.

Meinem Deutsch-Grundkurs im 13. Jahrgang werde ich anempfehlen, die nächste Lektüre nicht im Klassenverband zu lesen, sondern stattdessen zu zweit oder zu dritt an einem Buch zu arbeiten und dieses dann den MitS zu präsentieren.

Halbjahresthema ist »Produktion, Rezeption und Wertung von Literatur und Medien«, daher werden wir im literarischen Teil Gegenwartsliteratur in den Blick nehmen.

Bislang habe ich (aus verschiedenen Gründen) folgende Texte ausgewählt:

Uwe Timm: Die Entdeckung der Currywurst
Klaus Modick: Bestseller
Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt
Markus Werner: Am Hang
Christoph Hein: Frau Paula Trousseau
Juli Zeh: Adler und Engel vermutlich doch eher Spieltrieb
Christoph Ransmayr: Der fliegende Berg
Monika Maron: Endmoränen
Steffen Kopetzky: Grand Tour oder die Nacht der Großen Complication
Katja Lange-Müller: Die Letzten. Aufzeichnungen aus Udo Posbichs Druckerei
Frank Schätzing: Der Schwarm

Es sind also schwierige und weniger schwierige Texte, Bestseller und wenig massenkompatible, aber immer Texte von gewisser Qualität (wer noch Anregungen für interessante Taschenbücher hat: immer her damit!).

Nun geht's an die Planung der Erarbeitungsbegleitung: mehr oder weniger konkrete Aufträge? Mehr oder weniger Hilfen? Mehr oder weniger Kriterien für die Vorstellung im Kurs? Etc. (Macht Laune.)

[Update 2.2.2009: Streichungen und Ergänzungen der obigen Liste sind auf Gespräche hier und anderenorts zurückzuführen.]