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Gelesen. Stevenson.

CoverRobert Louis Stevenson: St. Ives. Übersetzt von Andreas Nohl. München: Hanser, 2011.

Nicht nur sind die Klassiker-Ausgaben bei Hanser ein sprachlicher Genuss ohnegleichen, auch lassen sie ob der feinen herstellerischen Qualität hoffen, dass der Wandel des sorgfältig gemachten Buches zu einer beliebig wirkenden Menge Einsen und Nullen auf einem elektronischen Lesegerät noch eine Weile auf sich warten lassen möge. Ja, die Informationen der Geschichte hätte ich auf per E-Book-Reader aufnehmen können – aber wem geht es bei der Lektüre von Klassikern um Informationen?

Digitale-Schulbuecher.de ist in echt ja eigentlich eine hervorragende virale Marketingmaßnahme für das gedruckte Buch.

Die gemeinsame Plattform der Schulbuchverlage ist online und natürlich habe ich sie auch gleich ausprobiert. Hinterher versuchte ich zunächst, die Erfahrung zu verdrängen. Andere sind da klüger und stellen sich ihren Traumata:

Damian Duchamps schreibt einen langen Artikel über die Erfahrungen, die man beim Testen durchleben darf – und ich habe kommentiert:

Read the Printed Word!
Ich habe mich eine halbe Stunde mit dieser Plattform beschäftigt (bin also nicht so weit gekommen wie Du) und weiß nun, dass mindestens ein Jahr vergehen wird, bevor ich ihr versuchsweise noch einmal eine halbe Stunde schenke.

Der primäre Gedanke beim Entwurf des Verkaufstresens war offenbar der der Sicherung vor unberechtigten Kopien. Geld gebe ich aber nur für Produkte aus, die mit dem Gedanken an möglichst vielseitige und einfache Nutzbarkeit entworfen wurden. Solange ein E-Book schlechter ist als ein echtes (obwohl es den technischen Möglichkeiten nach viel besser sein könnte), ist es seinen Preis nicht wert.

Buchprojekt »Tomorrow can wait«.

Es liegt auf der Vorspeisenplatte: »Das Blog von Moni, Gedankenträger, gibt es schon immer. Und seither lese ich es.«

Weil ich dies so unterschreiben kann, bin ich ebenfalls interessiert an ihrem Buchprojekt, das sie per Kickstarter zu verwirklichen hofft. Damit’s nicht bei der Hoffnung bleibt, sollst Du ein paar Dollar investieren.

Von wegen »Digital Natives« …

da machen wir uns immer Gedanken, wie wir die S, die doch angeblich so netzaffin seien, erreichen könne – und dann hat zum Beispiel »Muffin«, die inzwischen als Bloggerin ganz auf unserer Spur ist, über das Buch (!) aus der Bibliothek (!) zum Bloggen gefunden

Pflegt Eure Schulbüchereien (die gern auch Medienzentren heißen dürfen), Eure Stadt- und Kreisbibliotheken!

Urheberrecht und Deutschaufsätze.

Zu Herrn Raus Artikel Aus welchen Jahren stammen aktuell lieferbare Bücher (bei Amazon)? schrieb ich in etwa:

Dass sich die S mit diesem Thema gut genug auskennen, um Stellung nehmen zu können, kann man wohl nicht verlangen: dazu ist es zu komplex und – trotz der Bedeutung für alltägliche Sachverhalte – zu unwichtig (es ist ja nur Hintergrund für spürbare Auswirkungen). Deutschunterrichtlich wäre auch nicht die Sache im Vordergrund, sondern das Arbeiten mit Informationen in Texten.

Kompetenzorientiertes Arbeiten könnte demnach so aussehen, dass – wie Laura schon vorschlägt – eine Sammlung von Informationen gegeben wird, mit denen dann gearbeitet wird – Texterörterung eben.

Noch interessanter wäre: eine zeitliche Ausweitung der Abiturprüfung, die Hineingabe eines umfangreichen Konvoluts aus sehr unterschiedlichen Quellen (Lobby, Bürgerrechte, Politik, Technik, Juristen, unterschiedliche Betroffene etc.), die dann ausgewertet und auch im Hinblick auf ihre Verlässlichkeit, sachliche Richtigkeit, Argumentationsstrategie etc. beurteilt werden müssten.

Praxisnahe Alternative dazu: Rechner mit Netzzugang (ich sehe Ministerialbeamte schnappatmen) und die Aufforderung, sich in den nächsten drei Stunden umfangreich zu informieren, bevor dann der Aufsatz geplant und geschrieben wird … schwierig natürlich für die Korrigierenden, aber durch Vorarbeit und das Entwerfen eines kompetenzorientierten Korrekturbogens sicher machbar.

(Dass ich von Aufsätzen allgemein so rasch auf Abituraufsätze komme, liegt daran, dass diese Osterferientage der Korrektur derselben gehören.)

Zum digitalen Schulbuch, ...

einem Vorschlag von gleich8, schrieb ich

Die sozialen Probleme, die Du schilderst, sind Realität. Andererseits habe ich auch schon viel von Ideen und Anregungen aus (Lehrer- und anderen) Blogs profitiert und selbst auch das eine oder andere öffentlich gemacht. Es gibt also – wenn auch bei einer Minderheit – durchaus die Bereitschaft, gemeinsam an einer Sache zu arbeiten.

Dass ich selbst nicht häufiger Unterrichtsdinge, die ich ja sowieso produziere, verfügbar mache, hat einen einfachen Grund: kaum eine meiner Stunden funktioniert ohne urheberrechtliches geschütztes und insofern nicht einfach weitergebbares Material – ob’s nun für einen stummen Impuls durch ein projiziertes Photo oder einen zu bearbeitenden Text oder was auch immer ist (Schulbücher in meinen Fächern Deutsch und Philosophie funktionieren genauso). Und während ich durchaus Motivation verspüre, Unterrichtspraxis in Teilen öffentlich zu machen, verspüre ich so gar keine Motivation, mich mit diesen rechtlichen Regelungen auseinandersetzen zu müssen und / oder gar wegen Nichtbeachtung mit finanziellen Forderungen konfrontiert zu sehen.

Dummerweise sind Skripte wie meines zur Metaphysik nur wenig hilfreich, wenn die darin angeführten Texte erst wieder aus allen möglichen Quellen zusammengesucht werden müssen …


(Leicht redigiert.)

Passig und die Bücher.

Kathrin Passig, aus Versehen mal Bachmannpreisträgerin geworden (vgl. hier und öfter), sinniert im Merkur über das Ende des Buchs in der Schrumpfform des Geldbäumchens.

Plappernd beredt sucht die Autorin Gründe, wieso – weil es ihr so gegangen – auch der Rest der Leserwelt die Lust am Objekt Buch zugunsten neuer Lesegeräte verlieren müsse. (Damit widerlegt sie ihres willenlos mäandernden Textes wegen nebenbei ihre eigene These, elektronisch vermittelte Literatur komme immer fix auf den Punkt.)

Einen wesentlichen Vorteil des elektronischen Buchs stelle beispielsweise das Wegfallen des exhibitionistischen Charakters der Lektüreauswahl dar: da dem Lesegerät nicht mehr anzusehen ist, was sich darin verberge, könne sie nun unbeobachtet und daher ungestraft allerorten blöde Bücher lesen.

Da Passig ja dem hemmungslosen Subjektivismus anheimgefallen ist, schreibe auch ich so: meine Krimisucht habe ich nie verbergen zu müssen geglaubt. Auch soziale Ausgrenzung meine ich deswegen nicht wirklich erfahren zu haben. Wenn ich aber zu beurteilen hätte, ob derjenige, der sich in der Kneipe durch plakativ präsentiertes Adornolesen positiv zu profilieren glaubt oder diejenige, die ihr Sein durch ein elektronisches Gadget samt Ildikó-von-Kürthy-E-Book aufwertet, fragwürdiger im Tun sei, hätte ich wohl kaum Schwierigkeiten. Setzte ein weiterer sich zu dem bislang einsamen Kneipengast, wäre im ersten Fall der Anknüpfungspunkt des Gesprächs vermutlich ein inhaltlicher (es würde beispielsweise die Relevanz des Autors erörtert im Angesicht der Tatsache, dass er doch schon tot sei und auch schwierig geschrieben habe etc.), im zweiten ein formaler (geiles Teil, so'n iPad, mache was her, wie viel Gigabyte habe es denn, ah, es sei die große Version, Mensch, Mensch, …). Auch hier würde ich bei aller Vorsicht gegenüber der Notwendigkeit eines intellektuellen Werts von Kneipengesprächen generell dazu neigen, die erste Variante vorzuziehen, denn sie eröffnet zumindest die Chance, dass über mehr gesprochen wird als nur über Technikgeraffel, dessen Halbwertszeit mit allen zum Beispiel auch ökologischen Folgen deutlich kürzer ist als selbst eines von-Kürthy-Bandes.

Offenbar hat Passig inzwischen auch ein Problem mit ihrer Konzentrationsfähigkeit: »Vor allem meine Toleranz für Füllmaterial in Texten hat internetbedingt nachgelassen. Da ein Buch eine bestimmte Mindestlänge haben muss, ist Füllmaterial im Buch gebräuchlicher als in Onlineveröffentlichungen.« Das stimmt. Informationen können viel kürzer präsentiert werden als es gnadenlose Schwafler vergangener Zeiten wagten, denen die Leser alternativlos ausgeliefert waren: »Mann liegt auf Sofa.«, »Paar Typen gehen durch Dublins Kneipen. Molly nicht.«, »Wer der Pflicht folgt, muss hinterher auf Steinen sitzen.« – das sind so Sätze, die locker 1500 Seiten Lektüre ersparen können.

Es gab immer Leute, die nach dem Abebben ihrer Sturm-und-Drang-Phase jugendlichen Massenlesens schließlich gereift lieber in Illustrierten geblättert haben als sich erneut auf Bücher einzulassen. Daran ist nichts Schlechtes. Früher allerdings haben sie dies nicht zum gesellschaftlichen Ideal erhoben.

[An dieser Stelle breche ich ab. Wegen gebotener Kürze.]

Über das Lesen.

Schon im Februar las ich im Lanier. Erst jetzt – da die deutsche Ausgabe erschienen ist – habe ich die Lektüre beendet. Warum so spät?

Das Buch besteht aus fünf Teilen mit bis zu fünf Kapiteln; die einzelnen Kapitel sind überdies in kleine Abschnitte unterteilt, die meist weniger als eine Seite ausmachen. Der Stil Laniers ist – obwohl seine Grundthese klar wird – eher assoziativ, und so passiert es dem Leser leicht, dass er (und ich sehe das nicht negativ) abschweift und das Buch auch mal in Gedanken zur Seite legt, um der Hecke beim Wachsen oder dem Kaminfeuer beim Flackern zuzusehen. So geschieht es allerdings nicht nur dem Lanier (wenn auch Sachbüchern generell eher als Romanen).

Zeitungen, Zeitschriften und andere Bücher kommen hinzu und so bildet sich neben dem Lesesessel (und/oder im Arbeitszimmer) ein Kultursediment, das nur unter Schwierigkeiten wieder gänzlich aufzulösen ist. Manchmal gerät ein Buch auf diese Weise längere Zeit in Vergessenheit, neue Lektüren nehmen den Platz der alten ein; überraschend tauchen zuweilen die vernachlässigten wieder auf. Manchmal wird man an die Lektüre erinnert, angestoßen, sie doch fortzusetzen. Und so ganz gemächlich geschieht es dann auch.

An unterschiedlichen Orten im Haus liegen begonnene Lektüren. Einige werden bald, andere irgendwann, wenige vielleicht nie wieder zur Hand genommen.

Es gibt Menschen, die lesen immer ein Buch zur Zeit. Ist die Lektüre beendet, darf das nächste Buch begonnen werden. Für so etwas bin ich zu undiszipliniert.