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Neue Essay-Themen: Eggers, Seneca, Mau, Yiying, Lewis, Watterson.

Die Essay-Themen des offiziellen Wettbewerbs kamen für meinen 13. Jahrgang zu spät, daher suchte ich mir eigene.

Hier sind die Themen dieses Halbjahres zum Nachlesen. (Am beliebtesten als Ausgangspunkt für den eigenen Essay war das Eggers-Zitat.)

Rückblick Schuljahr 2015/16

Nun, da ich schon wieder den ersten Wochenstundenplan fürs nächste Schuljahr verschickt habe, ist es auch Zeit für einen kurzen Rückblick:

Das letzte Schuljahr war für mich ein besonderes, weil ich, wie erwähnt, Anfang Februar mit einer neuen Aufgabe betraut wurde, was zu Veränderungen im Aufgabenbereich führte.

Dies führte zunächst leider dazu, dass ich zum Halbjahr meinen Deutschkurs und zum Schuljahreswechsel zwei Philosophiekurse am Beruflichen Gymnasium an Kolleginnen abgegeben musste. Für mich hat das den Charakter des Unfertigen, es lässt mich nicht zufrieden auf das bislang Erreichte zurückblicken.

Umso mehr freute es mich, dass ich in meiner neuen Funktion von allen Seiten Unterstützung bekam, was den Wechsel erleichterte. Gleichwohl kam im ersten halben Jahr einiges auf mich zu, was die Zeit der Übergabe im Nachhinein zuweilen als zu kurz erscheinen ließ. Zu den Aufgaben des Außenstellenleiters gehört Schreibtischarbeit: im Zentrum derselben stehen Stundenpläne (eine Woche im Voraus; aus Gründen jede Woche neu!), Blockpläne (alle fünf bis sechs Wochen drei Wochen vor dem Beginn des nächsten Blocks: wer unterrichtet welche Inhalte mit wie vielen Stunden?) und der Jahresblockplan (jährlich ein Jahr im Voraus; wann kommen welche Klassen?); dazu Zwischen- und Abschlussprüfungsplanung (Aufsichten und Räume; Zuordnung der Schüler_innen). Auch die Aufteilung der Schüler_innen in Klassen (wobei soweit wie möglich die Wünsche der Ausbildungsbetriebe berücksichtigt werden) und die Vorbereitung der fristgerechten Einladung muss erledigt werden; andere (meist E-Mail-) Korrespondenz fordert weitere Zeit. Hinzu kommen Dokumentationspflichten wie beispielsweise Stundenabrechnungen, die an die Hauptstelle weitergegeben werden.

Was jedoch viel interessanter (und auch stärker fordernd) ist, ist die Voraussetzung des Ganzen, nämlich der kommunikative Aspekt dieser Arbeit: wenn es gut laufen soll, müssen Entscheidungen, die beispielsweise in die Pläne eingehen, wie auch Vorstellungen und Wünsche der Kolleg_innen vorab besprochen werden, sodass es möglichst selten unangenehme Überraschungen gibt.

(Dass diese nicht ganz zu vermeiden sind, liegt in der Natur der Sache: weil wir eine Landesberufsschule mit Blockunterricht sind, kommen Schüler_innen aus ganz Schleswig-Holstein zu uns; wegen der Entfernung zum Wohnort übernachten viele von ihnen im der Schule angeschlossenen Internat. Die Auszubildenden sind also sowieso da, und das ist ein wesentlicher Grund dafür, möglichst wenig Unterricht ausfallen zu lassen – analog zum Grundschulmodell als so eine Art verlässlicher Berufsschule (ein zweiter: die Auszubildenden werden ja für den Unterricht von der Arbeit im Ausbildungsbetrieb freigestellt. Wenn dann also kein Unterricht stattfindet, müssten die Schüler_innen in den Betrieb – das wiederum ist eben der Entfernungen wegen nicht praktikabel …). Zu den unangenehmen Überraschungen für die Kolleg_innen kann also gehören, am Morgen des bislang unterrichtsfrei vorgestellten Tages um 7 Uhr vom Abteilungsleiter angerufen und zum Unterricht gebeten zu werden.)

Das durch Absprachen, Zurufe, Teambesprechungen, Dokumentationen etc. miteinander am Gelingen der gemeinsamen Aufgabe Landesberufsschule Arbeiten ist es, was mir sehr gefällt. Hierbei muss ich mir, weil dem am Schreibtisch Arbeitenden unwillkürlich, aber unzutreffend der Eindruck entsteht, er werde durch mit einem Anliegen Hereinkommende gestört, auch immer wieder verdeutlichen: eben dieses kommunikative Arbeiten ist das Entscheidende – auch wenn am nicht fristgerecht erstellten Plan sehr viel deutlicher sichtbar würde, dass eine Aufgabe nicht erledigt wurde. –

Repräsentative Arbeit ist da natürlich auch: innerhalb der Schule (gegenüber Kolleg_innen aus anderen Abteilungen, in Sitzungen der Abteilungsleitenden etc.), aber auch nach außen (in Zusammenarbeit mit Ausbildungsbetrieben und den IHK, auf Entlassungsfeiern der Absolventen etc.).

Ein Nachteil des Ganzen ist es (noch viel mehr als sowieso beim nicht anonymen Lehrer_innenbloggen), dass ich hier nur wenig berichten darf, denn es gilt fast immer: je deutlicher es sich um eine Abteilungsleitungsaufgabe handelt (möglicherweise auch: je interessanter es für die Mitlesenden sein könnte), desto wahrscheinlicher ist, dass hier nicht davon erzählt werden darf.

Erlaubt ist natürlich, das eigene Tun zu reflektieren – und zu dem gehört nach wie vor überwiegend die Arbeit mit den Schüler_innen. Und hier ist mir vor allem im letzten Halbjahr das innovative Moment im Hinblick auf den Unterricht zu kurz gekommen. Die Sicherheit, die ich durch langjährige Routine im Unterrichten gewonnen habe, lässt mich zwar zuverlässig das Soll erfüllen, aber damit es mir selbst mehr Freude bereitet, muss ich hier künftig wieder stärker arbeiten und Neues probieren.

Wie geht’s weiter mit der Schule? (4)

Bob Blume hat Zweifel. Und weil ich meine, das ist gut so, schrieb ich in etwa in sein Blog:

Die Begeisterung über das digitale Werkzeug verebbt, der Wert des analogen Tuns wird wieder entdeckt: was für ein wertvoller Moment!: Du hast die Fähigkeit zum Arbeiten mit dem Neuen und das Wissen, um es sinnvoll einsetzen zu können. Was willst Du mehr?: genau dahin möchtest Du die S doch auch bringen. Und dazu wirst Du Deinen Teil beitragen können, indem Du Dich für die Vorbereitung der Stunden auf den gesamten Fächer der Möglichkeiten besinnst.

Heilslehren zeitigten schon immer im besten Falle fragwürdige Resultate. Bedachtsamkeit rulez.

Ich habe so einige Kolleg_innen, die nach wie vor dicke Ordner voller ausschließlich analog vorhandener Materialien von hier nach dort schleppen, Collagen anfertigen lassen und Kärtchen an Pinnwände stecken. Ich habe keinerlei Veranlassung zu glauben, dass ihr Einfluss auf Wissen und Können der Schüler_innen geringer sein könnte als meiner, nur weil ich gern mit MacBook und Beamer arbeite und nie auf die Idee käme, eine Mindmap gemeinsam mit Schüler_innen anders als per XMind zu basteln. Unter anderem übrigens deshalb, weil dieselben Lehrkräfte in anderen Stunden Projektunterrichte leiten und Veranstaltungen organisieren lassen, während ich ganz popelig einfach nur einen Text auf Papier präsentiere.

Wir Lehrkräfte kennen pubertäre Selbstüberschätzung, die nichts gelten lässt als die eigene Weltsicht, doch ganz gut. Im Regelfall ist sie bei Lehrer_innen fehl am Platze.

Was ist eine berufliche Schule?

Anlässlich mir gerade wieder zu Ohren gekommener Missverständnisse stelle ich fest, dass offenbar gerade unter Kolleginnen und Kollegen am Gymnasium unzutreffende Vorstellungen existieren, was denn nun so eine Berufliche Schule sei. Das ist verständlich, weil Gymnasiallehrer, die sich nicht unterwegs mal verirren, im Regelfall nur Gymnasium und Universität kennen lernen. So ähnlich ging es mir auch: als nach meiner Ausbildung zum Gymnasiallehrer keine Stellen mit meiner Fächerkombination frei waren, bewarb ich mich an meiner jetzigen (beruflichen) Schule, kannte das System aber gar nicht. Als ich dann eingestellt wurde, brauchte ich so einige Zeit, bis ich die Strukturen überblicken konnte.

Ich möchte daher hier kurz einmal vorstellen, wie eine solche Schule aufgebaut sein kann, und ich werde immer wieder auf unsere Schule zurückgreifen (und auf diese verlinken, stelle aber ausdrücklich fest, dass dieser Artikel keine offizielle Information darstellt!): zum einen, weil ich sie am besten kenne, vor allem aber, weil sie als Schule im ländlichen Raum nicht so stark spezialisiert ist wie so manche großstädtische Schule und daher vielgestaltiger ist als diese.

Unsere Schule beispielsweise versammelt unter ihrem organisatorischen Dach in vier Schulgebäuden (ein Hauptstandort und drei Außenstellen (500 m, 6 bzw. 35 km entfernt)):

  • die eigentliche Berufsschule für gewerbliche oder kaufmännische Berufe (verpflichtender Unterricht, den die Auszubildenden während ihrer dualen Berufsausbildung besuchen – entweder an ein bis zwei Berufsschultagen pro Woche oder aber im Blockunterricht für 5 oder 6 Wochen pro Schulhalbjahr)

  • berufsvorbereitenden Unterricht (z. B. für schulpflichtige S, die bislang noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben (Ausbildungsvorbereitendes Jahr) und für S, die das erste Ausbildungsjahr ganz in der Schule verbringen (Berufsgrundbildungsjahr))

  • Berufsfachschule Typ I (ein- bzw. zweijährige fachbezogene Schulbildung für S mit Hauptschulabschluss, die zum Mittleren Schulabschluss führen kann)

  • Berufsfachschule Typ III (zu Berufsabschlüssen führende fachlich ausgerichtete schulische Bildungsgänge, deren Voraussetzung entweder der Hauptschul- oder der Realschulabschluss ist)

  • Fachoberschule (Klasse 12) (führt für S mit besonderen Eingangsvoraussetzungen zur Fachhochschulreife)

  • Berufliches Gymnasium (führt die S, die eine Sekundarstufe I absolviert haben, zum Abitur, also zur Allgemeinen Hochschulreife)

  • die Berufsoberschule (13. Klasse) führt zu einer fachgebundenen, unter bestimmten Bedingungen auch zur allgemeinen Hochschulreife

Daneben existieren noch kleinere Bildungsgänge, zum Beispiel Abendunterricht für Auszubildende, die sich während ihrer Ausbildungszeit die Fachhochschulreife erarbeiten.

Die Lehrkräfte unterrichten nie in allen Schularten, sondern stets nur in zweien oder dreien – beispielsweise arbeite ich seit einigen Jahren mit einem Schwerpunkt auf meinen Fächern Deutsch und Philosophie am Beruflichen Gymnasium (das ist ausschließlich Sekundarstufe II, also Oberstufe), aber weiteren Stunden im Berufsschulunterricht, vor allem für Buchhändler an der Landesberufsschule (Blockunterricht für alle Buchhandelsauszubildenden Schleswig-Holsteins).

Der größte Teil der Lehrkräfte an berufsbildenden Schulen hat einschlägige berufliche Vorbildung, also im Regelfall mindestens eine Ausbildung absolviert, deshalb sind unsere Referendarinnen und Referendare meist auch ein paar Jahre älter als die an allgemeinbildenden Schulen. Daneben gibt es so einige Seiteneinsteiger, die ursprünglich beispielsweise aus technischen oder naturwissenschaftlichen Studiengängen stammen und danach häufiger mehrere Jahre in der sogenannten freien Wirtschaft arbeiteten. Gerade am Beruflichen Gymnasium ist der Anteil der Lehrkräfte, die ursprünglich für das Lehramt am Gymnasium studierten, sehr hoch.

Habt Ihr noch Fragen?