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Später mal abschalten …

Warnzeichen RadioaktivitätDer Artikel Kasse machen vor dem Ausstieg im früheren Nachrichtenmagazin verdeutlicht, warum die Oppositionsparteien (inklusive der SPD, klar soweit?) nicht dem schwarz-gelben Atomausstiegsgesetz zustimmen sollten – es wäre nämlich ein deutlicher Rückfall hinter das durch den rotgrünen Atomkonsens festgelegte Ausstiegsszenario.

(Und die Kürzung der Solarförderung passt dann natürlich auch.)

Gehen die Lichter aus? III.

Inzwischen laufen nur noch vier Atomkraftwerke.

Spätestens damit ist bewiesen, dass diejenigen, die jahrelang den Betrieb jedes einzelnen der derzeit abgeschalteten 13 AKW als lebensnotwendig verteidigten, sich entweder geirrt oder aus Gründen gelogen haben.

Und eine dringende Warnung sei nochmals für jeden Medienkonsumenten ausgesprochen: wann immer in Zeitungen, Zeitschriften und im Fernsehen von »Experten« die Rede ist, die vor etwas warnen / etwas dringend fordern / etwas ganz und gar ausschließen o. ä., sollte vorsichtshalber davon ausgegangen werden, dass die Wahrheit gerade Urlaub feiert.

Gehen die Lichter aus? II.

Es »laufen derzeit nur noch fünf der insgesamt 17 deutschen AKWs, ohne dass es zu Versorgungsengpässen käme.« Weiterlesen: Da waren es nur noch fünf.

(Um es zu verdeutlichen: wenn die jetzt abgeschalteten AKW wieder ans Netz gehen, ist nicht Notwendigkeit, sondern sind andere Gründe dafür maßgeblich.)

Stromanbieter (spätestens) jetzt wechseln.

Atomkraft? – nein danke! ButtonWer (wie ich) lange Zeit zu schlunzig war, privat aus dem Verbrauch von Atomstrom auszusteigen, sollte (wie ich) das aktuelle Geschehen zum Anlass nehmen, auch mit der Stromrechnung abzustimmen.

Der Standardstrom der Stadtwerke Eutin, bei denen wir Kunden sind, ist zusammengesetzt aus »21,2% (24,9%) Kernkraft, 48,9% (57,8%) fossilen und sonstigen Energieträgern sowie 29,9% (17,3%) erneuerbaren Energien […]. Damit sind 426 g/kWh (508 g/kWh) CO2-Emissionen und 0,00118 g/kWh (0,0007 g/kWh) radioaktive Rückstände verbunden« [Zahlen in Klammern kennzeichnen den bundesweiten Durchschnitt und beziehen sich auf das Basisjahr 2009; Zahlen SWE].

Heuer wusste ich ausnahmsweise mal, wo unsere letzte Stromrechnung lag und konnte Anbieter und Preise vergleichen. Ein erster Weg geht zu Atomausstieg selber machen. Auf dieser Seite finden sich Links zu überregionalen Anbietern.

Nach dem Motto »Think globally, act locally« habe ich dann mal bei unseren hiesigen Stadtwerken, die zu 100 % im städtischen Besitz sind, nachgesehen und stellte fest, dass diese einen Tarif (SWE Natur) anbieten, für den man Strom bekommt, der je zur Hälfte aus Wind- und Wasserkraft gewonnen wird. Die SWE, die selber kein Stromproduzent sind, kaufen diesen Strom wie die anderen Stromarten auf dem Strommarkt – entscheiden sich mehr Kunden der SWE für Ökostrom, bilden die SWE dieses Kaufverhalten nach. Es wird also auf dem Strommarkt die Nachfrage verändert. (Eine weitere Überraschung war, dass der Tarif bei unserem jährlichen Familienverbrauch von 3700 kWh sogar ein paar Euro günstiger ist als der bisherige.)

Der Tarifwechsel hat inklusive Unterschrift keine Viertelstunde gedauert. Künftig ist unser Haushalt atomstromfrei.

Japan.

Minamisanriku ist eine Stadt, die ich bis heute nicht kannte. Sie hatte etwa so viele Einwohner wie Eutin: 17.300. Zehntausend von ihnen sollen in der Flutwelle, die Japan traf, verschwunden, zu Tode gekommen sein. Ein schicksalhaftes Unglück, furchtbar: so viele, die noch hätten leben wollen; kaum zu ermessen, was dies für die Davongekommenen bedeutet.

In Videoschnipseln sehe ich Hochhäuser wanken und obdachlos Gewordene stoisch ihr Leid ertragen, Wellen Stadtviertel beseitigen und wortloses Leid.

Und ein Atomkraftwerk explodieren.

(Und urplötzlich ist der April 1986 wieder da, ein Jahr vor meinem Abitur, es nieselte sanft; später sagte man, der Regen sei gefährlich. Und so vieles wurde gefährlich in den nächsten Tagen, uns so viel durfte man lernen über Windrichtungen, Milch, Becquerelwerte, Pilze und Atomtechnik. Wer auch nur ein Quentchen Grips hatte in diesen Tagen, musste ein für allemal wissen, dass Atomkraftwerke zu gefährlich sind für unsere Welt.)

Das von Atomkraftwerken ausgehende Risiko ist – anders als der Tsunami – kein Schicksal, sondern es wird von bestimmten Menschen gewollt und von bestimmten Menschen gemacht. Die abgefeimte Kaltschnäuzigkeit (hinter der die Angst um Wahlergebnisse lauert), mit der Frau Merkel unsere Atomkraftwerke für sicher erklärt (als sei Japan ein industriefernes Entwicklungsland), lässt mich schaudern. Wer wider besseres Wissen derart blindwütig bekannte Fakten verdrängt, ist eine Gefahr für das Gemeinwesen.

Hoffen wir, dass es in Fukushima nicht zum Schlimmsten kommt. Und tun wir hier alles, damit deutsche Atomkraftwerke schnellstmöglich abgeschaltet werden.

Atom und Solar.

Bezüglich der von der Regierung verkündeten Unternehmensverlautbarungen über die Verlängerung der Reaktorlaufzeiten gegen jede nicht konzerneigene Vernunft würden andere möglicherweise bemerken, sie könnten »gar nicht so viel fressen, wie sie kotzen möchten« – und da ist ja einiges dran, so viel jedenfalls, dass ich über diese Mischpoke, die da in Berlin Politik persifliert, vor Ekel gar nicht schreiben kann; im The European jedenfalls wird die andere Seite der Rechnung aufgemacht, nämlich die Bedeutung für die Solarindustrie: Sargdeckel zu, Solarstrom tot.

KETTENreAKTION am 24.4.2010

Foto: Lars WinterDes Atomunfalls in Tschernobyl gedenkend und gegen die Pläne der schwarzgelben Regierung, den von der Mehrheit der Bevölkerung gewünschten und von rotgrün vereinbarten Atomausstieg aufzukündigen, demonstrierend, fanden sich gestern über 120.000 Menschen zusammen, um eine Menschenkette zwischen den maroden Meilern in Brunsbrüttel und in Krümmel zu bilden.

Das beste daran: Kind 1 war (samt Onkel und Tante und Freundinnen) dabei.

Atomausstieg war gestern. Heute ist Schwarz-Gelb.

Warnung vor RadioaktivitätWer von den geehrten Netzbürgern in den letzten Monaten ach so kritisch mit der SPD war (oder sie gar immer noch weiter runterschreibt, statt sich lohnendere Ziele zu suchen) und sie natürlich auch nicht gewählt hat, weil andere Parteien vermeintlich hipper waren, darf nun die erste Folge zur Kenntnis nehmen: Schwarz-gelb sagt Atomausstieg ab.

Wendland.

Als wir letztens auf der Rückfahrt von Freunden durchs Wendland kamen, wunderten sich die Kinder, was diese großen Kreuze da in der Landschaft sollten, und wir erklärten es ihnen.

Das wirklich Eigentümliche und Besondere daran allerdings ist schwierig erklärbar, nämlich, wie es sich tatsächlich verhält mit den Castor-Behältern und dem Zwischenlager und warum es häufig nicht gewusst wird. Dankenswerterweise hat das Qualitätsblog es aufgeschrieben. Zum (gern auch wiederholten) Nachlesen für uns Nicht-Wendländer.

(Wer's gern literarisch hätte, liest den von Quality auch referenzierten Artikel von Andreas Maier.)