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Erörterungen im Deutschunterricht (und im Abitur).

Zu Thomas Raus Artikel Mit dem Erörtern werde ich nicht richtig warm schrieb ich in etwa:

Gehe mir Deiner Haltung zum Thema völlig d’accord. Im Zentralabitur hatten wir als Lehrkräfte die zwei Alternativthemen auszuwählen, zwischen denen die S ihrerseits wählen durften. Das moderne-Medien-Essaythema (genauer: Fernsehen vs. YouTube) haben wir sofort ausgeschlossen, dafür u. a. das Goethes Faust betreffende ausgewählt. Zwar scheint zunächst einmal Faust schwieriger als der modernde-Medien-Kram, doch bei Faust wissen wir unsere S durch Wissen und Verständnis gewappnet: das Thema ist vorbereitet, sie haben gelernt und sie sollten Gutes schreiben können. Zu YouTube vs. Fernsehen, aus dem hohlen Bauch behandelt, wird es schwierig für die S, wirklich Sinnvolles zu schreiben, das über eigene Befindlichkeiten hinausgeht …

Urheberrecht und Deutschaufsätze.

Zu Herrn Raus Artikel Aus welchen Jahren stammen aktuell lieferbare Bücher (bei Amazon)? schrieb ich in etwa:

Dass sich die S mit diesem Thema gut genug auskennen, um Stellung nehmen zu können, kann man wohl nicht verlangen: dazu ist es zu komplex und – trotz der Bedeutung für alltägliche Sachverhalte – zu unwichtig (es ist ja nur Hintergrund für spürbare Auswirkungen). Deutschunterrichtlich wäre auch nicht die Sache im Vordergrund, sondern das Arbeiten mit Informationen in Texten.

Kompetenzorientiertes Arbeiten könnte demnach so aussehen, dass – wie Laura schon vorschlägt – eine Sammlung von Informationen gegeben wird, mit denen dann gearbeitet wird – Texterörterung eben.

Noch interessanter wäre: eine zeitliche Ausweitung der Abiturprüfung, die Hineingabe eines umfangreichen Konvoluts aus sehr unterschiedlichen Quellen (Lobby, Bürgerrechte, Politik, Technik, Juristen, unterschiedliche Betroffene etc.), die dann ausgewertet und auch im Hinblick auf ihre Verlässlichkeit, sachliche Richtigkeit, Argumentationsstrategie etc. beurteilt werden müssten.

Praxisnahe Alternative dazu: Rechner mit Netzzugang (ich sehe Ministerialbeamte schnappatmen) und die Aufforderung, sich in den nächsten drei Stunden umfangreich zu informieren, bevor dann der Aufsatz geplant und geschrieben wird … schwierig natürlich für die Korrigierenden, aber durch Vorarbeit und das Entwerfen eines kompetenzorientierten Korrekturbogens sicher machbar.

(Dass ich von Aufsätzen allgemein so rasch auf Abituraufsätze komme, liegt daran, dass diese Osterferientage der Korrektur derselben gehören.)

Schule und einige ihrer Funktionen.

Was Schule für Gesellschaft leisten soll, ist theoretisch ja recht gut erfasst, es soll mein Thema heute nicht sein. Ein Blogeintrag von Don Alphonso allerdings (schon ein paar Tage älter (der Eintrag), aber ich lese ja auch gern Bücher, die nicht zu den ganz aktuellen und momentan angesagten gehören) führt mich zu anderen Gedanken. Don Alphonso schreibt:

Ich bin ein sehr, sehr fauler und phlegmatischer Mensch. Ich glaube, das hat mit meiner Schulzeit zu tun, denn dieses frühe Aufstehen, in die Schule gehen und dort den Vormittag zu vergeuden, hat mir damals einfach den Stecker aus jeder Art von Ehrgeiz gezogen. Diese erste Hürde, diese Qual, und dazu noch diese Lehrer, das war alles kein Anreiz. Wenn ich nach Hause gekommen bin, habe ich mich sofort mit einem Buch nach oben verzogen. Das war ganz wunderbar. Ich habe gelesen und gelesen und vergessen und wurde sehr unwillig, was Lernen anging.

Ist das eigentlich eine Anklage an Schule? Eher wohl nicht.

Es zeigt sich hier ein Muster der Argumentation, dass vermutlich ein jeder von sich selbst kennt: was ich erreiche, erreiche ich selbstverständlich aus eigener Kraft, was jedoch ich an schlechten Eigenschaften besitze und an Mängeln bemerken muss, geht auf das Konto der Eltern, der Verhältnisse und im besonderen Maße der Schule. Selbstwertdienliche Verzerrung.

Wird der Vormittag als »Vergeudung« empfunden, so ist das natürlich keine Aussage über die tatsächlich vorhandene Qualität von Unterricht. Möglicherweise haben sich die Lehrkräfte Don Alphonsos nach Kräften gemüht – aber es sind eben Lehrer, und solche gelten den Heranwachsenden nicht unbedingt als Rollenmodell; in der unübertrefflichen Arroganz des gerade Volljährigen weiß man einfach, dass alles, was die erzählen, nur Dummfug sein kann. Schade, wenn nicht wenigstens einer dabei gewesen ist, den man hat mindestens als Gegner ernst nehmen können. (Und ja, ich weiß, dass es auch andere Sichtweisen auf Schule gibt.)

Was aber Schulzeit eröffnet (und für mich ist das ein Argument für die Verlängerung, nicht für die Verkürzung von Schulzeit), ist ein Maß an Muße, das im Leben (abgesehen von der Zeit des Ruhestands) nie wieder erreicht werden wird, und eine Möglichkeit sozialen Lebens, die ebenfalls recht unvergleichlich ist. Da unsere S dies auch wissen, ist uns Lehrkräften klar: sie sind nicht in erster Linie des lehrplangemäßen Lernens wegen in der Schule. Das wiederum heißt nicht, dass mindestens informell nicht doch eine Menge gelernt wird, denn das Zurechtrücken in peer groups und zwischen Animositäten und Vorlieben, dabei berieselt von einem steten Strom an intellektuellen Anregungen, aus dem das eine oder andere Häppchen aufgeschnappt wird, ist gewiss der Bildung des Menschen zuträglicher als die folgende Zeit der Lehrjahre, die keine Herrenjahre seien, der Bachelor-Semester, die kein freies Studium mehr darstellen, und der Arbeitszeit, die in der Ausrichtung auf feste Stellen und kernige Karrieren nurmehr wenig Zeit für Blicke auf die außerhalb des vorgezeichneten Pfads liegenden Möglichkeiten lassen.

Wenn ich nach Hause gekommen bin, habe ich mich sofort mit einem Buch nach oben verzogen. Das war ganz wunderbar. Ich habe gelesen und gelesen und vergessen und wurde sehr unwillig, was Lernen anging.

Vielleicht ist es gerade das, was Schule zeigen soll: Du musst Deinen Weg finden. Wenn die Schulbücher nichts für Dich sind, lassen wir Dir genügend Zeit, um das Deine zu finden. Mehr Zeit, als Du in Deinem Leben je wieder haben wirst. Du bist »unwillig, was Lernen angeht«? Macht nichts: so wie Lernen in der Schule und anderswo nicht erzwungen werden kann (es gibt nicht Freieres als das Lernen), so kannst Du Dich andererseits gar nicht dagegen wehren, etwas zu lernen, wenn es Dir wahrlich gefällt. Es ist uns egal, was Du lernst. Wir sind froh über die, die nicht nur brav repetieren, sondern Neues beitragen können.

(Hm. Nicht ganz fertig, der Eintrag. Aber er lag schon länger hier herum. Und da ich heute wieder sinnend auf Abiturklausuren schreibende S blickte, deren Gedanken in anderen Stunden gewiss überall waren, nur nicht in der Schule, ist heute vielleicht ein guter Tag zum Veröffentlichen.)

Klammerbemerkung.

Eine solche macht man, wenn man nicht weiß, wohin man gucken soll vor lauter Arbeit. Ich hatte das ja vorher schon einmal angesprochen, aber dieser Januar ist insgesamt wirklich kein erholsamer.

Nach den Essays kamen die Zensuren: ja, Zensuren geben (in diesem Fall für die Halbjahreszeugnisse am Beruflichen Gymnasium) macht richtig Arbeit und dauert wirklich lange, wenn man nicht vergessen will, dass eine Zahl für ein halbes Jahr Anstrengung stehen soll. Nebenbei habe ich drei halbe Klassensätze EDV-Arbeiten (Textverarbeitung) korrigiert und begonnen, die Vorschläge für das schriftliche Abitur vorzubereiten, die am Montag in einer Woche fertig sein sollen.

Ich habe dieses Jahr Prüflinge (P3) sowohl in Deutsch als auch in Philosophie. Pro Fach müssen drei Vorschläge ans Ministerium geschickt werden, das diese dann begutachtet und zwei zurückschickt, von denen die S sich am Tag ihrer Prüfung dann einen aussuchen dürfen.

Diese Vorschläge müssen den Einheitlichen Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung (EPA) entsprechen, mithin neben der eigentlichen Aufgabe und im Regelfall einem Textauszug, über den geprüft wird, auch noch ausformulierte Erwartungen enthalten, die dann zum Beispiel verdeutlichen sollen, worin der Unterschied zwischen »hinreichend differenzierten« und »umfassend differenzierten« Leistungen der S liegt.

Heute habe ich deshalb nicht – wie eigentlich geplant – die neue Buddenbrooks-Verfilmung gesehen, sondern stattdessen eine (!) der Aufgaben geschrieben.

Ach so: und all das steht hier nur, damit ihr wisst, warum auch ich momentan wenig blogge, obwohl es viel zu sagen gibt.

Projektpräsentation und Presse.

Über die Präsentation des Projekts »Berufsschule Eutin – damals und heute« haben die LN einen gleichnamigen Artikel verfasst, der es an Oberflächlichkeit nicht mangeln lässt.

Nicht nur ist die Leiterin der Projektarbeit – Kerstin Schröder – nicht genannt, obwohl sie viel Arbeit in die Präsentation gesteckt hat und diese ohne sie gar nicht entstanden wäre, darüber hinaus hat die Pressevertreterin nicht zugehört: schon im ersten Drittel, bevor sie wieder verschwand, weil die Fotos im Kasten waren, hätte sie erfahren können, dass es einen »Kurs für das Fachabitur« an unserer Schule nicht gibt, sondern wie an jedem beruflichem Gymnasium nur eine abgesehen von einem berufsorientierenden Fach normale Oberstufe, die zum Abitur führt, zur allgemeinen Hochschulreife, die unsere Abiturienten genauso wie die der allgemeinbildenden Gymnasien zur Aufnahme eines beliebigen Studiengangs berechtigt.

Und dass man einen Artikel nicht mit einer beiläufigen unwichtigen Tatsache noch beendet, nur weil noch ein paar Anschläge frei sind, sollen sie bis dahin auch wissen.

Gelesen.

Christa Wolf: Medea. Stimmen. München: dtv, 2004.

Nein, Christa Wolfs Bücher mochte ich nur selten: sie schienen mir zu gewollt bedeutsam, ihr Ton sprach mich nicht an. Es waren zu sehr Bücher einer Zeit, in der zwischen den Zeilen gelesen werden wollte, in der Autoren dieses Bedürfnis erfüllten, indem sie dunkel raunten. – Unfair? Klar, aber ein paar Vorurteile darf man pflegen.

Da ich nun heute noch eine Fortbildung zum künftigen Zentralabitur besuchen werden, in dem das Buch eine der Pflichtlektüren darstellt, bin ich gestern mit wenig Begeisterung ans Lesen gegangen. Was soll ich sagen?: es ist ein großes Buch, ein wirklich Gutes. Es geht um den Wert des Einzelnen in der Gesellschaft, die Zumutungen des Machtgeschäfts, die Macht der vermeintlich stillen Masse, Ehrlichkeit, Hellsichtigkeit, die hier wörtlich verstandene Leiche im Keller – und das alles vor dem Hintergrund des hier gründlich gewendeten Medea-Mythos. Es ist ein Schauerroman und Politkrimi, eine Darstellung der Funktion des Außenseiters gegenüber den Etablierten, ein schmerzlich deutliches Buch. – Lesen!

Buch bei Amazon angucken.

Abiturrede mit LaTeX.

Wenn man dazu verurteilt erwählt wird, als Vertreter der Lehrerschaft eine Abiturrede halten zu müssen dürfen, dann tut man gut daran, das hedonistische Element des Vorhabens nicht zu sehr in den Hintergrund geraten zu lassen. Mein Motivationsschub sollte es sein, parallel zum Entwerfen der Rede meine spärlichen LaTeX-Erfahrungen mal wieder aufzufrischen.

Ein Grund dafür war meine kürzliche Entdeckung des XeTeX-Systems, das in Zusammenhang mit den in Mac OS X vorhandenen Systemschriften und anderen OpenType-Fonts ganz besondere Möglichkeiten (außergewöhnliche Ligaturen, Variationen gleicher Buchstaben in einem Text etc.) zulässt, die in Word und Konsorten verborgen bleiben. XeTeX ist über Gerben Wierdas i‑Installer zu bekommen, hinterher müssen nur noch einige Einstellungen in TeXShop verändert werden. Bislang scheint es mir jedoch einer gänzlich anderen Syntax wegen eher eine Alternative, nicht aber eine Ergänzung zu einem LaTeX-System zu sein.

Neu entdeckt (nicht dass es wegen einer Handvoll Literaturangaben wirklich notwendig gewesen wäre) habe ich für mich BibTex mit dem Mac-Frontend BibDesk, das eine komfortable Verwaltung auch für GUI-Adepten wie mich zulässt und gleichwohl die .bib-Datei erzeugt, die die nahtlose Zusammenarbeit mit TeX erlaubt. (Eine Alternative könnte Books sein, das habe ich mir aber noch nicht genauer angesehen, da ich es ursprünglich für ein reines Buchverwaltungsprogramm hielt.)

Noch flugs die BibTeX Styles nach Norm DIN 1505 hinzugefügt (in meinem Falle alphadin.bst), schon läuft die automatische Verwaltung des Literaturverzeichnisses mit normgerechten Angaben. Schade, dass ich das Ganze nicht schon bei meinen Examensarbeiten gehabt habe, sondern noch mit Word arbeiten und daher jeden Eintrag ins Literaturverzeichnis manuell vornehmen musste.

Jetzt ist nur noch die Rede zu schrieben. 8-)