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London 2015 – Tag 2.

2015-07-23_110417Zu Tag 1.

Schon zuhause hatte ich per Google Maps erkundet, dass Hampstead Heath ganz in der Nähe unserer Wohnung lag, einen Ausdruck mit einer Strecke dorthin erstellt, den ich zur Orientierung mitnehmen konnte, sodass ich mich, als ich um 6.30 Uhr erwachte, nur noch rasch zum Laufen kleiden und dann starten konnte.

Wie üblich verirrte ich mich schon nach wenigen Straßen, weil ich in Gedanken versunken irgendeine winzige Abzweigung nicht bedacht hatte, sodass ich auf das ausnahmsweise mitgetragene Smartphone zurückgreifen musste. Auf diesem findet sich die App Here, die löblicherweise die Navigation auch ohne Netzverbindung zulässt (wenn man die entsprechenden Karten beispielsweise vorab im heimischen WLAN herunterlädt), und die mir, der ich keinen Orientierungssinn mitbekommen habe, nicht nur in dieser Situation sehr hilfreich zur Seite stand.

2015-07-23_103501Nach dem Lauf (hier die Karte) inklusive einem Blick vom Parliament Hill auf die Innenstadt sowie einem geruhsamen Frühstück mit Toast und Frank Cooper’s Fine Cut Oxford Marmalade (tatsächlich ist sie aus Orangen gefertigt) machten wir uns auf den Weg zu den Camden Markets und tranken bei einem Straßenbarista auch mal einen Kaffee unterwegs.

2015-07-23_112447Handel wird mit allem möglichen und unmöglichen Schnickschnack getrieben, in Ladengeschäften, Hallen (Camden Lock Market) sowie früheren Stallgebäuden (Stables Market). Insgesamt ist das Angebot so überwältigend, aber auch so deutlich touristenorientiert, dass der Eindruck zwar interessant ist, allerdings kaum zum Kaufen einlädt. Zudem füllten sich die Märkte im Laufe unserer Anwesenheit noch weiter, sodass wir nach ausreichend langem Stöbern den Massen auswichen.

2015-07-23_170341Wir sind dann durch den Regent’s Park in die Baker Street spaziert, haben dort die lange Schlange vor dem Sherlock-Holmes-Museum betrachtet; statt uns dort anzustellen (ohnehin die falsche Hausnummer!), sind wir lieber in die Savile Row flaniert, wo wir den Herrenschneidern in den Souterrain-Werkstätten bei ihrem Handwerk zusehen konnten – was mit doppeltem Genuss geschieht, wenn man auf einen gemeinsamen Kinobesuch von Kingsmen – The Secret Service zurückblicken kann.

2015-07-23_171023Ein weiteres durch Kind 2 festgelegtes Ziel war der »Megastore« des Fachgeschäfts für »Cult Entertainment«, ForbiddenPlanet. Im Erdgeschoss findet sich hier eine Sammlung käuflicher Devotionalien zu allen Film- und Fernsehserien, die sich in den letzten Jahrzehnten eine konsumtechnisch ausreichend große Zielgruppe sichern konnten, seien es Breaking Bad, Harry Potter, StarWars, Big Bang Theory, Supernatural oder was auch immer. Das Merchandising war auf allen Gebieten sehr einfallsreich und wir Provinzler haben schon sehr gestaunt, was für Unfug man anbieten kann, wenn der Bezug für den_die Käufer_in stimmt. Das gesuchte Poster allerdings war nicht vorrätig und sollte erst vielleicht in einigen Tagen nachgeliefert werden.

Viel interessanter jedoch war das Untergeschoss, in dem das Gleiche in Buchform wiederholt wurde: Nerdliteratur und Comics in allen Facetten und in flabbergastierender Auswahl für beiläufige Fans und insistierende Spezialisten. Recht froh war ich um die Ausdauer der sich noch im Angebot verlierenden Familienmitglieder, weil im Laden ein Aushang ein besonderes Event ankündigte, das ich zunächst gar nicht für realistisch annahm, weil ich vom entsprechenden Buchprojekt noch nicht gehört hatte: A. L. Kennedy sollte ihren Beitrag zum Doctor-Who-Universum signieren! Die A. L. Kennedy? Ja, die A. L. Kennedy!

2015-07-23_180505Für mich natürlich ein Grund, doch ein Buch zu erwerben, obwohl ich Bücher zu Fernsehserien aus Gründen gar nicht schätze – aber wann hat man schon einmal die Gelegenheit, ein paar Worte mit A. L. Kennedy zu wechseln (was während des Signierens problemlos möglich war, weil der Andrang gegen Null tendierte: nie bildete sich auch nur der Anflug einer Schlange zum Anstehen; offenbar divergierten die Güte des Angebots und die aus dem Publikum des Ladengeschäfts sich ergebende Teilmenge an Interessierten)?

2015-07-23_130154Nachdem auch diese Station abgehakt war, sind wir zur tube, haben nahe unserer Unterkunft das Angebot des nahen Sainsbury’s local erkundet und sodann mit Basmatireis, Sharwoodsauce und Mango- und Ananasstücken aus dem Frischeregal um viele Eindrücke reicher ein rasches und notwendiges Abendessen bereitet.

Später Lektüre und Pirates of the Caribbean I in English.

Zu Tag 3.

Gelesen. Eco.

Umberto Eco: Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana. München: Hanser, 2004.

Dieser Eco-Roman war mir bislang entgagen – nun stieß ich auf ihn, weil er in irgendeinem Sekundärtext zu Comics erwähnt wurde. Der Protagonist behandelt seinen unfallbedingten Gedächtnis- und Identitätsverlust, indem er durch die Lektüre seiner Kinder- und Jugendliteratur (mithin meistenteils Comics und Triviales) seine Erinnerung wiederzufinden versucht.

»In den nächsten Tagen fragte ich mich, wie gespalten das Ich eines Kindes gewesen sein mußte, das den Nachrichten von nationaler Glorie ausgesetzt war und gleichzeitig über den Londoner Nebel phantasierte, in dem es Fantomas begegnete, der sich mit Sandokan schlug, in einem Hagel von rostigen Nägeln, die den wohlerzogen-perplexen Landsleuten von Sherlock Holmes die Brust durchbohrten und die Arme und Beine abtrennten – und nun erfuhr ich, daß mir in denselben Jahren das Radio als Lebensideal einen wenig anspruchsvollen Buchhaltertyp präsentierte, der nur vom stillen Glück eines Häuschens im Grünen träumte.« (Ebd., 188)

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Gelesen.

Austin Mitchelson und Nicholas Utechin: Sherlock Holmes: Die Erdbebenmaschine. München: Xenos, 1977.

»Fanfiction« würde man diese Art von Literatur heute wohl nennen: neue Geschichten um alte Helden.