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Aufgaben eines Lehrers

Vorbemerkung

Diese Seite habe ich vor so einigen Jahren geschrieben. Inzwischen habe ich eine Abteilungsleitung übertragen bekommen, was zu einigen Veränderungen geführt hat und meinen jetzigen Aufgabenbereich deutlich weniger repräsentativ macht. (Was Abteilungsleiter_innen so tun, beschreibe ich bei anderer Gelegenheit einmal.) Zu Dokumentationszwecken (und weil sie offenbar gern gelesen wird) lasse diese Seite im Netz.

Auf dieser Seite stelle ich im Interesse größerer Transparenz diejenigen Aufgaben zusammen, die ich als Lehrer habe.

Die Zusammenstellung ist nicht als Lamento gemeint – vielmehr wollte ich bei den häufigen Gelegenheiten, bei denen ich über die Faulheit des Lehrers schlechthin unterrichtet werde, nicht mehr immer einzeln etwas erwidern müssen, sondern in beeindruckender Coolness auf diese Seite verweisen können. Sie ist also eine defensive Reaktion, keinesfalls ein Angriff auf andere Berufsgruppen, die auch ihr Bündel zu tragen haben.

In der gesellschaftlichen Diskussion werden die Leistungen des Lehrers nicht anerkannt. Ganz grundsätzlich wird dem Lehrer erst einmal jegliche Kompetenz abgesprochen. Das ist eigentümlich, denn ich käme nie auf die Idee, Kanalbauer, Friseurinnen, Hebammen, Tischler oder welche Berufsgruppe auch immer pauschal zu verdammen; stattdessen bin ich froh, dass es sie gibt – selbst wenn ich mit einzelnen Vertretern der genannten Gruppen schlechte Erfahrungen gemacht habe, gehe ich doch generell von der Leistung der in diesen Berufen Arbeitenden aus. Unverdaute möglicherweise demütigende Schulerlebnisse jedoch scheinen den meisten Menschen eine solche Haltung den Lehrern gegenüber unmöglich zu machen. So dient diese Seite der Aufklärung über das, was ich – just wie der Tischler so gut wie eben möglich – beruflich mache.

Zu den unbestrittenen Vorteilen des Lehrerberufs gehört die Vielseitigkeit: es wird nie langweilig. Das ist großartig. Der Beruf ist aber unbestritten auch fordernd: ein Lehrer hat – wie viele freie Berufe auch – keinen definierten Feierabend. Wenn ein Lehrer nach Hause geht, ist die Arbeit nicht zu Ende. Ein komplett freies Wochenende ist über das Jahr die Ausnahme, es gibt auch Wochenenden ohne freien Tag.

Ich muss 25 Unterrichtsstunden erteilen. Fast alle unten genannten Aufgaben, die nicht Unterricht sind, gehen von der unterrichtsfreien Zeit ab. Für einige wenige werden wird ein Teil der aufgewendeten Zeit pauschal von der Stundenverpflichtung abgezogen, dies vermerke ich in der Aufstellung. Wichtig also ist: unterrichtsfreie Zeit ist nicht Freizeit.

Das Maß an echter Freizeit ist sehr unterschiedlich. Es gibt Wochen, in denen ich deutlich über 50 Zeitstunden arbeite: regelmäßig immer dann, wenn im Beruflichen Gymnasium Arbeiten zu korrigieren sind oder im Berufsschulbereich ein Block sich dem Ende zuneigt und an einem Wochenende drei oder vier Klassenarbeitssätze abzuarbeiten sind.

Dagegenzusetzen sind die Ferien: Lehrer haben viel unterrichtsfreie Zeit. Viele der außerunterrichtlichen Aufgaben müssen jedoch genau dann abgeleistet werden. Für die Vorbereitung neuer Unterrichtsreihen etwa ist in der Schulzeit keine Zeit. Insgesamt habe ich – inklusive Ferien – ganz bestimmt nicht mehr Freizeit als der durchschnittliche Arbeitnehmer auch – mein (hochgeschätztes!) Privileg ist es, dass ich einen Teil der Arbeit zeitlich frei einteilen und zu Hause erledigen kann.

Aufgaben in Stichworten

Unterricht

  • Unterricht in den Fächern Deutsch, Philosophie, Politik (entfällt künftig), Buchhandelsbetriebslehre und EDV
  • Kontrolle der Anwesenheit der Schülerinnen und Schüler
  • Klausurenaufsicht

Unterrichtsfreie Zeit

  • Sprecher der und Mitarbeit in der Projektgruppe »QM in der Schule« (-1 Stunde) (Projekt beendet)
  • Mitarbeit in der Projektgruppe »Informations- und Kommunikationskonzept« (-0,5 Stunde) (Projekt beendet)
  • Mitarbeit in der Projektgruppe »Schulentwicklungstag«
  • Mitarbeit in der Projektgruppe »Schulprogramm« (Projekt beendet)
  • Betreuung der Websites der Beruflichen Schule des Kreises Ostholstein in Eutin sowie der Außenstelle Landesberufsschule Bad Malente (-1 Stunde)
  • Konferenzen (Klassen- und Zeugniskonferenzen; Schulkonferenz; Dienstversammlungen, Lehrerkonferenz, Personalversammlung, Bildungsgang-, Team- und Fachkonferenzen)
  • Zusammenarbeit mit Kollegen zum Beispiel an schulinternen Curricula bzw. Stoffverteilungsplänen etc.
  • Erteilen schulinterner Fortbildungen
  • Leitung der Schulkonferenz
  • Leitung der Fachkonferenz Deutsch
  • Leitung der Fachkonferenz Philosophie / Religion (turnusgemäß an einen Kollegen abgegeben)
  • Elternabende
  • Kontakt zu Branchenverbänden halten (Besuch von Mitgliederversammlungen etc.)
  • Pausenaufsichten
  • Bibliotheksdienst (entfällt künftig)
  • Unterrichtsvorbereitungen (Unterrichtsablaufplanung, Recherchieren, Nachdenken, Lesen, Herstellung von Kopiervorlagen, Kopieren, Besorgung von Materialien etc.)
  • Prüfungsvorbereitungen (Abitur, Abschlussprüfungen)
  • Arbeiten, Klausuren, Abschlussarbeiten und Abiturklausuren zusammenstellen und korrigieren (ggf. zweitkorrigieren), vorher Musterlösungen formulieren / Erwartungshorizonte stecken
  • Gewichtung von Leistungen und Festlegen von Noten
  • Schreiben von Zeugnissen und Zertifikaten
  • Weitere Verwaltungsarbeit im Zusammenhang mit Karteikarten, Klassenbüchern, Entleihlisten etc.
  • Elterngespräche – in der Schule oder telefonisch von zu Hause aus
  • S-Gespräche – in der Schule oder telefonisch von zu Hause aus
  • Klassenfahrten – Vor- und Nachbereitung, Durchführung
  • Fahrten zwischen zwei Schulstandorten
  • Fortbildungen zu verschiedenen Themen (siehe auch Liste meiner Fortbildungen)
  • Landes- und bundesweite Lehrplanarbeit
  • Informelle Weiterbildung im Bereich der oben genannten Fächer
  • Vorbereitende Arbeit mit Berufspraktikanten und Lehrkräften in Ausbildung
  • Regelmäßige Erste-Hilfe-Auffrischungskurse

Geschrieben von Hanjo | am