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Virtuelles Museum der deutsch-dänischen Grenzregion.

Nach Renovierung neu eröffnet wurde das Virtuelle Museum der deutsch-dänischen Grenzregion, das nach Zielgruppen (z. B. Touristen, Schülerinnen und Lehrkräfte) und thematisch geordnet (z. B. Gesellschaft oder Kultur) den Zugriff auf informierende Texte und digitalisierte historische Zeugnisse eines früher zwischen Dänemark und Deutschland umkämpften Landstrichs erlaubt.

Das Ganze gibt’s natürlich auch auf Dänisch.

Gelesen. Auster.

Paul Auster: Winterjournal. Übertragen von Werner Schmitz. Reinbek: Rowohlt, 2011.

Schon lange begleitet Auster dich, gut ein halbes (wenn auch kurzes) Brett füllen seine Bücher in deinem Regal, und auch wenn es Zeiten gibt, in denen dich die Lektüre ärgert, kehrst du immer wieder mal zu ihr zurück. Nun, da du deine erste Gleitsicht- und deine erste Lesebrille erworben hast, um dich den Begleitumständen deines körperlichen Verfalls entgegen zu stemmen, ist ein guter Moment zum Lesen des Winterjournals gekommen: der (gar noch ältere!) Freund, der dir das Buch anlässlich der Weihnacht schenkte, hat eine gute Wahl getroffen.

Auster erzählt aus seinem Leben, und es gelingt ihm so, dass du, der du für Celebrity-Stalking wenig übrig hast, interessiert den Weg verfolgst und die verschiedenen Ordnungsprinzipien, derer sich Auster episodenhaft erzählend spielerisch bedient (mal entlang aller Wohnungen, mal entlang guter Gerichte, mal entlang bestimmter Erlebnisarten …) goutieren kannst. (Du kannst verstehen, warum diese Art des sinnierenden Erinnerns eifrigen Jungspunden langweilig erscheint. Kann halt nicht jeder immer alles in 140 oder 160 Zeichen erzählen wollen. Und auch einen guten Wein zu schmecken bedarf es jahrelanger Übung.)

Fast zum Schluss erzählt Auster, wie er mit seinem damaligen deutschen Verleger Michael Naumann Bergen-Belsen besucht, die Gedenkstätte, in dem dein Freund, der dir das Buch schenkte, schon seit Jahren dokumentierend seinen Dienst tut in der Erinnerung an die Opfer des Lagers, und an dem du bisher immer vorbeigefahren bist aus Scheu vor der Konfrontation, denn du weißt ja, was dich erwartet.

Buch bei Amazon angucken.

10 Jahre – einige ungeordnete Gedanken.

Vor zehn Jahren hatte ich am 3. Oktober offenbar etwas Zeit übrig und schrieb daher meinen ersten Eintrag in dieses Blog; er begann nicht mit »Hallo Welt!«, sondern mit »Nun, ein Tagebuch.« –, nicht ahnend, dass die Bezeichnung eines Blogs als »Tagebuch« von einigen Bloggern geradezu als Affront empfunden würde ...

Unter der Überschrift »Warum ein Blog?« schrieb ich damals:

Seit einiger Zeit nutze ich meine Homepage sowohl zu privaten als auch zu beruflichen Zwecken: zur Verbreitung von Informationen und Aufgaben (an Schülerinnen und Schüler) sowie als Speicherplatz für Dateien, auf die bestimmte Personen oder auch ich selbst zu bestimmten Zeiten zugreifen können sollen.

Immer wieder kommt es jedoch zu der Situation, dass Informationen, Gedanken, URLs etc., die für den einen oder anderen von Belang sein könnten, auf meinem Schreibtisch verloren gehen: es lohnt sich nicht, sofort eine eigene WWW-Seite zu schreiben, die dann auch noch verlinkt werden muss, daher wird sie erst einmal beiseitegelegt und in einem gelegentlichen Aufräumanfall dem Orkus anheim gegeben.

Diese Inhalte sollen nun eingehen in Den Großen Datenspeicher, auf dass sie dem von Nutzen sein können, der etwas damit anzufangen weiß.

Die WaybackMachine hat die Seite zur Kenntnis genommen: im ursprünglichen RUL-Design und etwas später, angepasst an den Rest meiner Site (der inzwischen im Blog aufgegangen ist).

Wenn ich mein Blog betrachte, sehe ich Interessen in den Vordergrund treten und nach einiger Zeit wieder in den Hintergrund rücken – ein Beispiel ist die Beschäftigung mit den verschiedenen TeX-Spielarten. Mein erstes Posting dazu findet sich 2006, dann begleitet das Blog die Einarbeitung in TeX. Heute, da jedes Arbeitsblatt, das ich an Schüler verteile, geTeXt ist (und die wesentlichen Templates dafür erstellt, Pakete bekannt sind), ich daher täglich mit TextMate als Editor, Skim als Betrachter, BibDesk als Literaturverwaltung und MacTeX als TeX-Distribution arbeite, ist das Schreiben darüber nicht mehr wichtig.

Die Form des Blogs lernte ich bei den Großen von damals kennen: Industrial Technology & Witchcraft, dem Cartoonisten, und zuvörderst beim Schockwellenreiter.

Jeden Tag ein eine riesige Menge an meist techniklastigen Nachrichten: es ist schon einigermaßen erstaunlich, was Jörg, als ich mit dem Bloggen begann, ja schon drei Jahre lang betrieb – noch erstaunlicher und beeindruckender als das heute vielleicht als Retweeten bezeichnete und damit selbstverständlich gewordene Weitertransportieren von Meldungen aus unterschiedlichen Quellen waren allerdings immer seine kulturhistorischen und lokalgeschichtlichen längeren Exkurse; auch die technischen Erläuterungen rund um Radio Userland waren für mich hilfreich (wie übrigens auch die eine oder andere direkte Hilfe per E-Mail).

Mit der Entdeckung der Blogs verbunden war die der RSS-Feeds als Instrument der Publikation und der Lektürehilfe – bei Radio Userland war der Aggregator gleich eingebaut, später habe ich mit NetNewsWire ein geeignetes Leseprogramm gefunden.

(Technik überhaupt: Radio Userland und PageSpinner, WordPress, zur Zeit Serendipity als Blogsoftware, der Übergang von statischen, tabellenbasierten zu CSS-definierten fluiden Layouts, HTML- und zuweilen auch PHP-Gefrickel …)

Dem Vorbild geschuldet war es auch mein Ziel, möglichst viele interessante Seiten im Netz zu finden, sich aufmerksam zu machen auf neue Inhalte etc., auch entstand in diesen Jahren ein relativ enges Netzwerk an Bloggern, die sich gegenseitig förderten, kommentierten, möglichst häufig verlinkten.

Rasch wurde jedoch auch deutlich, dass anderenorts betriebenes Hochleistungsbloggen und hier zentrales Familienleben sich gegenseitig ausschließen – so nahm die Frequenz der Postings ab. In einem durch die Verbreitung des Bloggens schärfer werdenden Wettbewerb um schneller, aufgeregter, provokanter, häufiger etc. mitzutun, zudem auch noch zu kämpfen um eine zunächst noch knappe, aber fordernde Leserschaft, war nicht in meinem Sinne.

Die Spezialblogs waren eine weitere interessante Entwicklung; so gab es eben bald nicht nur Einzelhändler- und Bestatter-, Fernfahrer- und Personenbeförderungs-, sondern eben auch Lehrerweblogs – die freiwillige thematische Selbstbeschränkung ist meine Sache aber nicht, wer will, abonniert eben nur eine Rubrik meines Blogs (und sei’s das ausgegliederte, weil über TrailRunner erzeugte Laufblog).

Auch andere Blogbetreiber bemerkten, dass die bald wachsende Anspruchshaltung der Blog-Konsumenten fragwürdig ist vor dem Hintergrund, dass ein Blog zunächst ein Geschenk ist desjenigen, der andere teilhaben lässt: eine freiwillige Leistung. Derlei Ungeduld ist nicht begründbar, denn meinem RSS-Reader ist es egal, ob er 300 oder 400 Quellen abgrast – er wird das eine Posting, das der Blogautor nach einem Jahr der Stille schreibt, nicht verpassen …

Zur Selbstbestimmung in einem großartigen Medium gehört auch die Muße, Leben genießen zu können ohne den Gedanken an die Verwertung im Blog. Das »Ich möchte lieber nicht« Bartlebys ist die wahre Autarkie.

In Zeiten von Klout und Google AuthorRank, von Abmahnanwälten, Facebook und Spambots habe ich manchmal auch gar keine Lust mehr mitzuschreiben am Netz (es gibt ja genügend anderes zu tun). An anderen Tagen macht’s wieder Laune.

Mal sehen, was wird.

Stephen Fry und die katholische Kirche.

Lief schon durch alle wichtigen Blogs – es sei also nur kurz hingewiesen auf dieses Video (das ich erst einmal in Ruhe hören musste, bevor ich's weitergebe) eines Vortrags von Stephen Fry im Rahmen der intelligence²-Debatte um die These »The Catholic Church is a force for good in the world«. [Via nerdcore]

Gechichte.

»24 Prozent [von was? – Der Setzer] empfinden Schlesien und Ostpreußen noch immer als deutsch«, weiß der Spiegel und hofft damit einen weiteren bunten Ableger unter die Käufer zu bringen.

Zum einen gibt es Fragen, die sollte man in Umfragen nicht stellen lassen, will man als Nachrichtenmagazin ernstgenommen werden. Und zum anderen gehört zu einer solchen Frage auch eine Lokalisierungsaufgabe, die vermutlich gezeigt hätte, dass von den genannten 24 Prozent allenfalls 50 Prozent wissen, wo diese ehemals deutschen Gebiete lagen ...

<strike>K</strike>Grass!

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In der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek in Kiel ist noch bis zum 30. Januar 2006 die heute eröffnete Ausstellung eines Schulprojekts zu Günter Grass' Novelle Im Krebsgang zu besichtigen.

Gezeigt werden Exponate aus Grassens Archiv, die den auch dokumentarischen Wert des Buches verdeutlichen – etwa zeitgenössische Zeitungsberichte zum Mord an Gustloff, zur Geschichte des Schiffes "Wilhelm Gustloff", zum Untergang und späteren Forschungen, ferner Zeitzeugenberichte und Briefwechsel – als auch von den Schülerinnen und Schülern des Fachgymnasiums Technik gefertigte Schaubilder, Interviewfilme mit Zeitzeugen wie mit dem Autor und vieles mehr.

Eine reichhaltige Ausstellung, die den Besuch lohnt.

Brecht und die Historie.

Im Deutsch-GK 12 werde ich morgen mit der Behandlung von Brechts Trommeln in der Nacht beginnen, einem frühen und in der Schule selten gelesenen Werk vor dem Hintergrund des Spartakusaufstandes.

Vielfältiges Material zum historischen Hintergrund liefert das Deutsche Historische Museum in seinem Lebendigen virtuellen Museum online (LeMo): unter vielem anderen einen Überblickstext zur Revolution von 1918/19 und einen speziellen zum Spartakusbund.

Von hohem Wert auch Ergänzungen wie die zum (hochinteressanten!) Kollektiven Gedächtnis gehörende Aufzeichnung aus dem Tagebuch des jüdischen Fabrikanten Oskar Münsterberg (1865-1920) zum Spartakusaufstand.

Erzählte Geschichte.

Ein faszinierendes Schulprojekt: Unsere Großeltern 1945. »Das Projekt entstand im Herbst 1999 recht spontan aus der gewöhnlichen Unterrichtssituation heraus als Hausaufgabe: Fragt doch mal Eure Großeltern über das Kriegsende 1945.« [Der Schockwellenreiter]

Meine Großmutter schrieb dazu in ihren Erinnerungen: »War [...] krank geschrieben und lag in meiner Unterkunft [in Neustadt in Holstein] im Bett; der Arzt kam 2 mal täglich. Vom Bett aus konnte ich die englischen Kriegsflugzeuge sehen, hörte sie schießen, und die Dachziegel fielen, ja rasselten runter. Man sah richtig den Piloten, so niedrig flogen die Biester.

Am 3. Mai hatten sie dann die Cap Arcona versenkt; die Menschen von überall her, die überlebten, kamen zu uns ins Krankenhaus. Unsere Patienten lagen auf Stroh, die Flüchtlinge lagen in Krankenbetten; es starben viele.

In Läden wurden geplündert, ganze Stoffballen mitgenommen, auch meine Arbeitskolleginnen deckten sich ein.

Am 6. Mai bin ich dann mit einer Arbeitskollegin zu Fuß den Bahngleisen nach zu ihrem Elternhaus nach Hasselburg gegangen. Den Koffer, der echt schwer war, ließ ich noch da, als ich am nächsten Tag zu Fuß nach Cismar weiterging. Den Koffer holte ich ein paar Tage später mit Pferd und Wagen vom Hof. Ich war noch so krank, daß ich buchstäblich mit der Tür ins Haus fiel.

Das war das Kriegsende: krank und ohne Arbeit.«