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Mal wieder: Klassengrößen.

Zu Hokeys lesenswertem Artikel Die Klassengröße: Der Output ist’s, was zählt schrieb ich:

Danke für die ausführliche Gegendarstellung (zu der ich schon gar keine Lust mehr hatte), die ich so unterschreibe.

Auch wird in solchen Artikeln gern davon ausgegangen, dass Aussagen der Lehrkräfte unerheblich seien. Das Faktum, dass das Unterrichten in einer kleineren Klasse für Lehrkräfte meist angenehmer ist (mehr Zeit für die einzelnen S, allgemein geringerer Lärmpegel, weniger Störungen (die Vorrang haben), Möglichkeiten, methodisch zu variieren etc.), wird mit statistischen Aussagen beiseite gewischt, also ignoriert.

Die Aussage »l’enfer c’est les autres« (die Hölle, das sind die anderen) stammt aus dem Drama eines Lehrers, der möglicherweise seine S sehr genau beobachtet hat und wusste, was es für die introvertierteren Lernenden bedeutet, tagtäglich viele Stunden mit etlichen Gleichaltrigen eingesperrt zu sein.

Unter meinen S sind stetig mehr, die psychische Probleme haben (und auch das hat Gründe), auf die man sehr viel mehr als möglich eingehen müsste, für die der Unterschied beispielsweise zwischen gerade noch erträglichen 20 MitS und zu unerträglicher Enge führenden 30 MitS durchaus signifikant ist … für einen Landesrechnungshof, für eine Gesellschaft, für die Durchsetzungsvermögen eine Tugend ist, die Schwächen aber als Laster wertet, zählen derlei Argumente natürlich genau Null.

Europäische Wirklichkeiten des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts im Spiegel digitaler Medienvielfalt.

Literatur aus Deutschland

Unser neues Unterrichtsvorhaben im Fach Deutsch (12. Jahrgang, erhöhtes Anforderungsniveau, d. h. 5 Wochenstunden) am Beruflichen Gymnasium, das sich auf dem beiliegenden Arbeitsblatt skizziert findet, nimmt die zweite Hälfte des neunzehnten und ein kleines bisschen des zwanzigsten Jahrhunderts in den Blick; wir lesen auf jeden Fall (neben passenden Kurztexten unterschiedlicher Provenienz) Fontanes Effi Briest (ich wollte ja zuerst nicht, bin aber inzwischen versöhnt) sowie Manns Buddenbrooks, eventuell noch Hauptmanns Die Ratten. Diese Werke behandeln wir gemeinsam auch im Unterricht.

Literatur aus Europa

Weil Literatur immer auch vom Miteinander der Kulturen lebt und das, was wir »Realismus« nennen, in anderen Ländern ganz anders aussieht, sollen die S auch mal links und rechts schauen und sich parallel in Zweier- bis Vierergruppen ein Werk aus der (im weitesten Sinne) europäischen Literatur der Zeit erarbeiten sowie zur Präsentation im Unterricht vorbereiten. Auch die Werke zur Wahl finden sich auf dem Arbeitsblatt.

Aufgabe

Die Aufgabe (siehe Arbeitsblatt) ist dabei in ihrer Vielgestalt durchaus anspruchsvoll. »Präsentation« heißt in diesem Zusammenhang »eine interessante und förderliche Doppelstunde gestalten«. (Die S kennen derlei aus dem letzten Halbjahr, in dem die S zu zweit jeweils eine oder mehrere Szene(n) aus dem Faust vorstellten).

Werkzeuge im Web 2.0

Was ich bislang auch noch nicht ausprobiert habe, ist der Aufgabenteil »Nutzung von mindestens drei Werkzeugen […] für unterschiedliche Teile Ihrer gemeinsamen Arbeit und/oder Gesamtpräsentation«, wobei ich auf die Liste der Werkzeuge im Web 2.0 (siehe Arbeitsblatt) hinweise. Die Werkzeuge habe ich kurz vorgestellt, doch wird im Unterricht kaum Zeit sein, sie öfter auszuprobieren: die EDV-Räume sind durch andere Kurse belegt, ein verlässliches WLAN und ebensolche Rechner sind selten verfügbar. Die Werkzeuge kollaborativen Tuns können und müssen also möglicherweise gleich beim Erarbeiten der Inhalte und Strukturen erprobt werden. Ich hoffe mithin auf die Kreativität und Findigkeit meiner Schülerinnen und Schüler.

Achtung! Schulen gefährden Deine Zukunft!

Bei Nico Lumma liest man, das Bildungsbürgertum gefährde unsere Zukunft. Wie begründet er diese steile These? – Beispielsweise mit Argumenten wie diesem:

»Das deutsche Bildungssystem aber bleibt [im Gegensatz zur sich rasch wandelnden nichtschulischen Welt] fest in seinen Traditionen aus der Bismarck-Zeit stecken« – wer mit diesem Satz die Wirklichkeit an deutschen Schulen beschreiben will, hat sich seine Augen offenbar an zu kleinen Smartphonebildschirmen verdorben. Eine ganze Schulform (die Hauptschule) ist weggebrochen, neue Schulformen sind hinzugetreten; 1950 gab es eine Studienberechtigtenquote von 5%, um die Zeit von Lummas Abitur herum lag sie bei 30%, inzwischen bei fast 50% [Quelle] – wie kann man angesichts solcher Fakten und Zahlen vermuten, nichts habe sich an Schule geändert?

(Das angeführte »Bildungsbürgertum« übrigens halte ich in dieser Hinsicht für eine Schimäre: Eltern (gleich welcher sozialen Provenienz) wollen die beste Bildung für ihr Kind, weil sie vermuten, dass dies am ehesten (materiellen) Erfolg im späteren Leben verspricht. Wenn die beliebteste Schulform, das Gymnasium, ab morgen nicht mehr Latein, sondern, wie am Schluss des Artikels angedeutet, Javascript anböte, bliebe das Gymnasium gleichwohl die beliebteste Schulform. Es geht nicht um Bildung, sondern um Geld. Und mit »Bildungsbürgertum« hat das gar nichts zu tun.)

Nico Lumma zitiert Sir Ken Robinson beispielsweise mit dem Satz »All children start their school careers with sparkling imaginations, fertile minds, and a willingness to take risks with what they think.« – Wir alle wissen, dass sich dies im Laufe der Schulzeit ändert. Wem allerdings das Prinzip des Multitaskings vertraut ist, dem sollten monokausale Erklärungen (weiter Robinson: »Education is the system that’s […] stifling the individual talents and abilities of too many students and killing their motivation to learn.«] auch zu wenig sein.

Ja, auch ich bin der Meinung, unser Schulsystem sei noch nicht optimal aufgestellt (wir arbeiten daran). Aber Unlust an der Schule ist zumindest zeitweise auch eine soziale Verpflichtung für Schülerinnen und Schüler. So wie es zur Entwicklung junger Menschen gehört, sich über selbstgewählte Musik, Klamotten, Freunde zu definieren, ist es auch notwendig, die erwachsenendominierte Institution Schule bis auf die eine hervorragende Ausnahmelehrkraft, die von allen geliebt wird, abzulehnen.

Am beruflichen Gymnasium kommen Schülerinnen und Schüler zu uns, die die schlimmsten pubertären Wirren schon hinter sich haben. Sie kommen freiwillig und sie haben bei uns die Möglichkeit, sich noch einmal ganz neu zu entwerfen. Dazu gehört auch, dass einige einen Ehrgeiz entwickeln, der, so muss ich neidvoll anerkennen, mir in meiner Schulzeit vollkommen fremd gewesen ist. Sie wollen lernen. Sie wollen wissen, wie sie in einem Fach gut sein können. Sie wollen am Wissen arbeiten.

(Ich weiß nicht, ob sie Fontane, den wir jetzt gerade lesen, jemals wieder brauchen werden. Die S lesen alle zusammen Effi Briest. Sie haben sich dafür (und gegen Frau Jenny Treibel) entschieden. Bei meiner erneuten, zunächst unwilligen (Effi war mir immer fern) Lektüre von Effi Briest stelle ich fest, dass es mir besser gefällt als erwartet, ich lese Stellen, die mir bei den ersten Lektüren nicht so aufgefallen waren, neu und anders, in der Lektüre passiert etwas mit mir. Dies erhoffe ich mir auch für die Schüler – und ich bin sicher, dass es denjenigen S, die offen sind für derlei Eindrücke, ähnlich geht.)

Nico Lumma wirft abschließend ein düsteres Bild an die Wand:

Wenn wir so weiter machen, dann können wir uns vielleicht noch auf das Land der Dichter und Denker berufen, spielen nur im 21. Jahrhundert keine Rolle mehr. Wollen wir das? Wie bekommen wir diesen Knoten durchschlagen, wie finden wir Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft und wie sorgen wir dafür, dass unsere Schulen die Kinder und Jugendlichen sich wirklich ändern? Ich glaube, dass die Forderung nach einer Programmiersprache als zweite Fremdsprache ziemlich genau klarmacht, was sich ändern muß. Javascript ist den Schülern näher als Latein, ob die Lehrer es wahrhaben wollen oder nicht.

Mit dem letzten Satz maßt sich der Autor an, mit seinem Bild von Welt für »die Schüler« sprechen zu können. Er urteilt jedoch aus einer Wahrnehmung von Welt heraus, die wesentlich aus dem Netz besteht – das ist für die meisten S trotz Facebooknutzung nicht der Fall. Statt Schule besser zu machen (viele Wahlmöglichkeiten, Entdeckung und Entwicklung eigener Schwächen und Stärken etc.) möchte er nur einen Zwang (Latein) durch einen anderen (Javascript) ersetzen. Da die Altsprachler (aus gutem Grund) ihr Fach verteidigen werden, wird auch diese Forderung nur zu einer weiteren Aufblähung des ohnehin schon viel zu großen Fächerkanons führen …

Die Zukunftsgefährdung sehe ich mithin im Geschehen nicht – auch wenn ich mir so manches Mal eine Beschleunigung des Entwicklung wünsche. Ich denke aber auch immer an die Menschen, die das Netz in der heutigen Form konzipiert und gebaut haben: sie alle haben im konventionellen Schulsystem Denken gelernt oder wurden zumindest nicht davon abgehalten. Dramatisierung (Wir werden alle sterben!!Einself!) ist nicht angemessen.

Nee, Nico, das nervt: Pauschalurteile auf dem Niveau von Bildzeitungsschlagzeilen bringen die Schule nicht weiter. Engagiere Dich lieber im Elternverein, sorge dafür, dass die Schule Deiner Kinder vernünftig auch mit modernen Medien ausgestattet ist (daran mangelt es uns hier!), stell Dich als Co-Teacher zur Verfügung, verändere konkret, unterstütze die Lehrer, die unter prekären bildungsinfrastrukturellen Bedingungen gute Schule machen wollen. Hau nicht drauf, sondern hilf uns.

Diktattexte und Rechtschreibung.

Anlässlich der Vorstellung von Diktattexten bei meinem Kollegen schrieb ich:

Passagen wie »wie weise, weiße Skihasen« kennzeichnen Texte dieser Art aber auch als groben Unfug: sie lassen den Text in die Sinnlosigkeit abdriften (inwiefern sollte Skifahrern Weisheit eigen sein? Wieso sind die »Skihasen« (»Skihasen«! Gute Güte!) alle weiß? (Wurden uniforme Skianzüge verteilt? – Etc.)). – Nee, nee, ein Kind, das derart traktiert mit sofortiger Orthographieverweigerung reagiert, darf meiner tief empfundenen Sympathie sicher sein. :-)

In Bezug auf das Lernen von zu unterscheidenden, aber ähnlichen Phänomenen (z. B. weise vs. weiße) lässt das Ranschburg-Phänomen die Gegenüberstellung unklug erscheinen. In der Situation einer Klassenarbeit erlaubt die Häufung von Zweifelsfällen zwar das rasche Abprüfen (relativ unaufwendig wird eine Note erzeugt), inwieweit die so erzeugten Ergebnisse allerdings etwas über die alltägliche Rechtschreibkompetenz aussagen, bleibt offen.

(Diktate schreibe ich mit meinen S nicht, da ich nur in der Oberstufe unterrichte. Tatsächlich muss ich mir daher gar keine Gedanken über sinnvolle Diktattexte machen. In Aufsätzen würde ich S, die in Rechtschreibung Schwächen zeigen, gern nur die erste Seite korrigieren – das reicht meist für einen Eindruck, und genug zu berichtigen ist auch.

Häufig bemerke ich aber auch, dass den S auf der/den ersten Seite(n) relativ wenige Fehler unterlaufen, sich die Fehlerfrequenz zum Ende der Arbeit aber erhöht. Ist es richtig, ihnen das anzukreiden (was mit der vollständigen Zählung aller Fehler passiert) oder muss ich nicht eigentlich erkennen, dass eine relativ hohe Rechtschreibkompetenz vorhanden ist, diese aber mit dem Zeitdruck zugunsten des zu vermittelnden Inhalts zurücktritt, zurücktreten muss?)

Wochenende.

Aufstehen reguliert auf 8.45 Uhr – später ruiniert den Alltagsrhythmus (man wird alt).

Am Samstag natürlich laufen (Karte), abends mit Freunden ein neues Spiel – Agricola – kennengelernt (gefällt!). Ansprechender Wein aus unserem Degustierservice-Paket: Roches d’Aric. Sonntag Pellkartoffeln mit Pfifferlingsrahm (mit Resten der zweiten Flasche Wein).

In freien Minuten: über Unterrichtseinheit Realismus (ff.) nachgedacht und Stichworte notiert. Fontanes Jenny Treibel würde ich gern weiterhin lesen, zudem Raabe? Otto Ludwigs Zwischen Himmel und Erde? Fanny Lewalds Jenny? (Nur noch als E-Book …) Gern hinterher Übergang zur Moderne – Buddenbrooks (aus der Zeit gefallen)? Hauptmanns Die Ratten (Schülervorschlag)? Zündende Idee für Schülerbeteiligung? (Schule will Europschule werden. Vielleicht einen Blick über die deutsche Literatur hinaus?)

Nebenbei die didaktische Jahresplanung für drei jetzt noch zwei weitere Lernfelder im Buchhandel (gemäß neuem Lehrplan) erledigen.

Klausurenplan fürs zweite Halbjahr entwerfen.

Das Kommunalwahlprogramm der SPD Eutin will auch geschrieben werden und der Entwurf für den nächsten Rundbrief des Fachverbandes Deutsch im Deutschen Germanistenverband ist ebenfalls fällig …

Zwischendurch mal einen Spaziergang durch den Schnee.

Digitale-Schulbuecher.de ist in echt ja eigentlich eine hervorragende virale Marketingmaßnahme für das gedruckte Buch.

Die gemeinsame Plattform der Schulbuchverlage ist online und natürlich habe ich sie auch gleich ausprobiert. Hinterher versuchte ich zunächst, die Erfahrung zu verdrängen. Andere sind da klüger und stellen sich ihren Traumata:

Damian Duchamps schreibt einen langen Artikel über die Erfahrungen, die man beim Testen durchleben darf – und ich habe kommentiert:

Read the Printed Word!
Ich habe mich eine halbe Stunde mit dieser Plattform beschäftigt (bin also nicht so weit gekommen wie Du) und weiß nun, dass mindestens ein Jahr vergehen wird, bevor ich ihr versuchsweise noch einmal eine halbe Stunde schenke.

Der primäre Gedanke beim Entwurf des Verkaufstresens war offenbar der der Sicherung vor unberechtigten Kopien. Geld gebe ich aber nur für Produkte aus, die mit dem Gedanken an möglichst vielseitige und einfache Nutzbarkeit entworfen wurden. Solange ein E-Book schlechter ist als ein echtes (obwohl es den technischen Möglichkeiten nach viel besser sein könnte), ist es seinen Preis nicht wert.

»Dieses Ideal namens Schule«.

Gern mal lesen: den nachdenklichen Artikel von Thomas Gigold zum Ideal namens Schule.

(Ein Vorteil, den Lehrkräfte mit Kindern genießen, ist, dass sie Schule nicht nur als Handelnde, sondern (streng grammatikalisch gemeint, latürnich) auch als mittelbar Leidende erfahren. Und so vielleicht einen Anlass mehr haben, ihr Handeln stets zu reflektieren und zu Lernendes auf Weltstimmigkeit und Schülerrelevanz zu überprüfen …)

Schleswig-Holstein im Bildungsmonitor.

Den letzten Platz hat Schleswig-Holstein zugewiesen bekommen beim Bildungsmonitor 2012 der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Naturgemäß hat dies in Schleswig-Holstein für gelinden Aufruhr gesorgt – allerdings sollte man bei der Analyse und Wertung der Ergebnisse stets bedenken, dass der Auftraggeber der Studie keineswegs ein neutraler Bildungsbeobachter, sondern Lobbyverein ist.

Genaueres berichtet Melanie Richter im Landesblog. Auch die Kommentare sind lesenswert.

Reflexion im Schulalltag.

Herr Larbig lädt ein zur Blogparade »Reflektierende Praktiker« – »Frage an LehrerInnen: Wer führt zur Unterstützung eigener Praxisreflexion ein Arbeitsjournal? Oder: Wie sieht eure ReflexionsROUTINE aus?« und alle, alle kommen.

Nein, kein Arbeitsjournal, das geführt wird, nein, keine Reflexionsroutine im Sinne eines etablierten Rituals.

Ab & zu anlässlich der Halbjahreszäsur entscheide ich mich mal wieder, einen der vielen Rückmeldebögen zu verwenden, die sich bei mir inzwischen angesammelt haben. Allerdings habe ich aus den Ergebnissen noch nie etwas Erstaunliches erfahren – sowohl in negativer als auch in positiver Hinsicht: sind mir bestimmte Aspekte der unterrichtlichen Gestaltung nicht so gut gelungen wie ich es mir vorgestellt habe, bekomme ich doch im Alltag eine ganz unmittelbare Rückmeldung, wenn ich in die Gesichter der S sehe, wenn ich beobachte, wie sie ihre Arbeit aufnehmen (z. B. unwillig-genervt statt freudig-motiviert). Und wenn’s klasse läuft, bemerke ich es auch ohne Bogen (für die dem Zählen Verhafteten unter Euch: natürlich sind es belegbare Indizien, die eine gute Stimmung, förderliche Lernatmosphäre etc. erkennen lassen. Es ist zu hoffen, dass der L sich die notwendige Sensibilität erhält, diese wahrzunehmen). Die Nivellierung durch Betrachtung längerer Zeiträume in Rückmeldebogen lässt wichtige Einzelbeobachtungen ganz verschwinden, eine wichtige Außenseiterrückmeldung wird zum statistisch nicht signifikanten Ausreißerwert. Eine Rückmeldung durch S nach einem Halbjahr sagt möglicherweise mehr über die S als über den Unterricht aus. Mir scheint die unmittelbare Kommunikation, das alltägliche Sichvergewissern durch Nachfragen im Unterricht und die Etablierung einer Kultur des offenen Dialogs zielführender als Rückmeldebogen.

Auf meinen Festplatten gibt es inzwischen selbst erstellte Arbeitsbogen zu vielen Unterrichtsreihen mit vielen verschiedenen Wegen des Abbiegens in unterschiedliche Richtungen. Die handschriftlichen Notizen allerdings, die ich zu einigen Stunden vorab anfertige, verschwinden meist wieder mit dem sommerferienbeginninitiierten Aufräumwahn. Schade, eigentlich. Muss besser werden.

Zur Überarbeitung von Unterrichtsreihen jedoch: was beim letzten Mal nicht gut lief, kann beim nächsten Mal trotzdem das Richtige sein. Zuweilen unterrichte ich zwei Lerngruppen mit identischen Unterrichtsvorhaben – steuert die eine bereitwillig und zufrieden auf einen Stillarbeitsauftrag zu, will die andere lange im UG diskutieren; in der einen Lerngruppe gelingt ein Unterrichtsvorhaben, in der anderen scheitert es (wobei »scheitern« bei langjährig tätigen Lehrkräften ja nicht bedeutet, dass S über Tisch & Bänke gehen, sondern dass man selbst das parallel zur Unterrichtsausführung entstehende ad-hoc-Reflexion evozierende Gefühl hat, es laufe nicht so gut wie es sollte). Auch insofern ist das unmittelbare und aktuelle Erspüren des richtigen Weges eher das Ziel als die vermeintlich in Vorausplanung zu optimierende Überstunde (glücklicherweise habe ich zur Zeit keinen Referendar, der anderes glauben soll).

Ein Grund, warum es passieren kann, dass ich im Lehrerzimmer in mich versunken vor mich hin ins Leere starre: ich denke noch mal drüber nach (manchmal bin ich natürlich auch einfach müde).

Seit einiger Zeit laufe ich zweimal pro Woche (öfter klappt aus Zeitgründen nicht). Die Stunden, die ich beim Laufen zubringe, sind mir auch für die Arbeit wichtig. Nicht nur bemerke ich Zipperlein an/in diesem oder jenem Teil vornehmlich des Bewegungsapparates, die sich durch Weiterlaufen auf diese oder jene Art weiterentwickeln und schließlich meist verschwinden, nicht nur sehe ich Rehe, Fruchtstände des Aronstabs und genieße die Bewegung in frischer Luft und im Freien, in Wald und Feld, sondern auch so manche Begebenheit aus dem schulischen Alltag wird noch einmal durchdacht und eingeordnet. Ganz in Ruhe und ohne Ablenkung.

Hm. Wenig Systematisches, was als Tipp weiter gegeben werden könnte. Aber Philosophielehrer sind ja ohnehin schon fachspezifisch geschädigt in steter Reflexion befangen …

Rundbrief 44 des Fachverbandes Deutsch.

Auch der Rundbrief (44) 2012 des Fachverbands Deutsch im Deutschen Germanistenverband – Landesverband Schleswig-Holstein steht nun zum Download zur Verfügung.

Wie sich von selbst versteht, bekommen Mitglieder des Verbands eine fein gedruckte Version, die noch viel schöner ist. (Es gibt eine Informationsseite zur Anmeldung im Fachverband mit diversen Kommunikationswegen.)

Außer dem üblichen Editorial vom Redakteurssetzer (oder wie das heißt) gibt’s meinerseits diesmal eine gedruckte Fassung der hier regelmäßig Mitlesenden schon bekannten Kurzserie zur Liebe, dem Leben und der Lyrik sowie einen kleinen Artikel zu Tiny Tales.

(Der Rundbrief ist natürlich wieder gesetzt in LaTeX, Titelseite mit Scribus.)