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Digitale-Schulbuecher.de ist in echt ja eigentlich eine hervorragende virale Marketingmaßnahme für das gedruckte Buch.

Die gemeinsame Plattform der Schulbuchverlage ist online und natürlich habe ich sie auch gleich ausprobiert. Hinterher versuchte ich zunächst, die Erfahrung zu verdrängen. Andere sind da klüger und stellen sich ihren Traumata:

Damian Duchamps schreibt einen langen Artikel über die Erfahrungen, die man beim Testen durchleben darf – und ich habe kommentiert:

Read the Printed Word!
Ich habe mich eine halbe Stunde mit dieser Plattform beschäftigt (bin also nicht so weit gekommen wie Du) und weiß nun, dass mindestens ein Jahr vergehen wird, bevor ich ihr versuchsweise noch einmal eine halbe Stunde schenke.

Der primäre Gedanke beim Entwurf des Verkaufstresens war offenbar der der Sicherung vor unberechtigten Kopien. Geld gebe ich aber nur für Produkte aus, die mit dem Gedanken an möglichst vielseitige und einfache Nutzbarkeit entworfen wurden. Solange ein E-Book schlechter ist als ein echtes (obwohl es den technischen Möglichkeiten nach viel besser sein könnte), ist es seinen Preis nicht wert.

Buchprojekt »Tomorrow can wait«.

Es liegt auf der Vorspeisenplatte: »Das Blog von Moni, Gedankenträger, gibt es schon immer. Und seither lese ich es.«

Weil ich dies so unterschreiben kann, bin ich ebenfalls interessiert an ihrem Buchprojekt, das sie per Kickstarter zu verwirklichen hofft. Damit’s nicht bei der Hoffnung bleibt, sollst Du ein paar Dollar investieren.

Urheberrecht und Deutschaufsätze.

Zu Herrn Raus Artikel Aus welchen Jahren stammen aktuell lieferbare Bücher (bei Amazon)? schrieb ich in etwa:

Dass sich die S mit diesem Thema gut genug auskennen, um Stellung nehmen zu können, kann man wohl nicht verlangen: dazu ist es zu komplex und – trotz der Bedeutung für alltägliche Sachverhalte – zu unwichtig (es ist ja nur Hintergrund für spürbare Auswirkungen). Deutschunterrichtlich wäre auch nicht die Sache im Vordergrund, sondern das Arbeiten mit Informationen in Texten.

Kompetenzorientiertes Arbeiten könnte demnach so aussehen, dass – wie Laura schon vorschlägt – eine Sammlung von Informationen gegeben wird, mit denen dann gearbeitet wird – Texterörterung eben.

Noch interessanter wäre: eine zeitliche Ausweitung der Abiturprüfung, die Hineingabe eines umfangreichen Konvoluts aus sehr unterschiedlichen Quellen (Lobby, Bürgerrechte, Politik, Technik, Juristen, unterschiedliche Betroffene etc.), die dann ausgewertet und auch im Hinblick auf ihre Verlässlichkeit, sachliche Richtigkeit, Argumentationsstrategie etc. beurteilt werden müssten.

Praxisnahe Alternative dazu: Rechner mit Netzzugang (ich sehe Ministerialbeamte schnappatmen) und die Aufforderung, sich in den nächsten drei Stunden umfangreich zu informieren, bevor dann der Aufsatz geplant und geschrieben wird … schwierig natürlich für die Korrigierenden, aber durch Vorarbeit und das Entwerfen eines kompetenzorientierten Korrekturbogens sicher machbar.

(Dass ich von Aufsätzen allgemein so rasch auf Abituraufsätze komme, liegt daran, dass diese Osterferientage der Korrektur derselben gehören.)

Wie geht’s weiter mit der Schule? (3)

Zu den Erkenntnissen Herrn Raus von der Digilern 2012 schrieb ich in etwa:

Danke für die Eindrücke und mitgeteilten Erkenntnisse (in deren Nähe sich meine auch befinden).

Nur noch ein paar Gedanken: Die Realität zeigt, dass das – »Es ist völlig egal, was die meisten Teilnehmer, mich eingeschlossen, wollen oder denken. Entscheidungen fallen anderswo« wahr ist. Andererseits haben schon Generationen Lehrkräfte (nicht immer zum Besten der Schule) gezeigt, dass es ihnen völlig egal ist, was anderswo gewollt oder gedacht wird – die Entscheidung fällt in ihrem Unterricht. Das ist sehr ärgerlich, wenn anderswo Gutes gewollt wird und der Grund für das Beharrungsvermögen in Bequemlichkeit liegt. Ich kenne aber (auch und gerade aus der Lehrerblogosphäre) eben auch viele gute Beispiele, bei denen Lehrkräfte kreativ drauflosprobieren und eine Menge Gutes dabei passiert. Nutzen wir doch unsere Freiheiten!

Ein Smartboard habe ich gerade gestern wieder auf einer Fortbildung in Aktion gesehen. Es musste (wegen Rechnerwechsels) mehrmals kalibriert werden (eine Angelegenheit von einer Minute für einen smartboardkompatiblen Menschen, eine Verzögerung von mehreren Minuten, die vom »nur mal schnell zeigen« abhält, für alle anderen …) und verführt den das Board Bedienenden dazu, sich nur mit dem Board zu unterhalten, da ja alle Bedienelemente dort sind …

Das digitale Schulbuch scheint mir auf eine Katastrophe zuzulaufen - was aber in der Natur der E-Booksache (wie die Verlage es sich vorstellen) liegt: lade ich einen freien Text für 0 Euro auf meinen virtuellen Kindle herunter, kann ich mit dem Text außer Lesen genau gar nichts anstellen. Ich möchte aber mit ihm arbeiten, ihn kopieren, auseinanderpflücken, bei Wordle zu hübschen Wortwolken werden lassen können … stellt aber Amazon ihn zur Verfügung, bezahle ich die Leistung des Zurverfügungsstellens mit seiner Unbrauchbarkeit. So arbeiten letztlich auch alle Verlage. Weil das Buch (in seiner alten Form) so enorm praktisch war, fallen die unnötigen Einschränkungen umso mehr auf. Grummelgrummelgrummel.

Wikis in der Schule.

Zu kubiwahns Artikel Wiki im Unterricht – ein paar Versuche schrieb ich:

Generell halte ich Wikis auch für das am deutlichsten unterschätzte (computergestützte) Werkzeug für die Schule. Dass ich weniger damit arbeite als ich möchte, hängt auch mit der noch zu verbessernden Verfügbarkeit zusammen: wenn man das Wiki zu einer das Lernen begleitenden Plattform machen möchte, bedarf es der dauernden Verfügbarkeit – um nur kurz etwas zu zeigen, möchte ich nicht in den Computerraum gehen (was in den meisten Stunden wegen Auslastung desselben auch gar nicht möglich ist), und ich möchte nicht 80 Minuten Unterricht im Computerraum machen, nur weil ich 10 Minuten ein Arbeitsergebnis zeigen/bearbeiten/was auch immer will.

Gerade das Überarbeiten finde ich als Deutschlehrer am interessantesten, denn der Prozess, der sonst vollkommen verborgen bleibt, wird durch die Versionsgeschichte transparent und nachvollziehbar.

Das einzige Wiki allerdings, das – abgesehen von frühen Versuchen – bei meinen S auch über Jahre genutzt wird, sind die Seiten des Schulwikis zur Internationalen Literatur (in kleinerem Maßstab zur Zukunft des Buchhandels), das meine Buchhandelsauszubildenden mit Inhalten befüllen – aber auch dort steht der diese Leistung fordernde Lehrer dahinter.«

Gelesen. Brandt.

Jan Brandt: Gegen die Welt. Köln: Dumont, 2011.

Buchpreisträgerbücher wollte ich ja eigentlich nicht mehr lesen, seit Verlage mit so etwas wie der Mittagsfrau Geld verdienen wollen. Nun habe ich aber schon das zweite für den Buchpreis nominierte Buch gelesen und bin wiederum angetan.

Zunächst war ich ja ein wenig grantig: wie kann ein Jungautor einen Roman über ein Städtchen in der norddeutschen Provinz schreiben und die Frechheit besitzen, es Jericho zu nennen, wo doch zumindest der Klang des Wortes dem Jerichow Cresspahls gehört? Aber sei's drum; das Buch ist natürlich ein ganz anderes, das zudem den Anklang an das biblische (!) Jericho nachvollziehbar begründet, und in vielem sehr beeindruckend ist – nicht so sehr in den Referenzen an Schullektüren von Biedermann und die Brandstifter bis zum Besuch der alten Dame, sondern vielmehr in der Schilderung sehr unterschiedlicher Lebensweisen und Interessengebiete, die die vielen wichtigeren und unwichtigeren Figuren prägen. Der Autor kann erzählen – und der Werdegang des Protagonisten, der sich vom Mitläufer zum Ausgestoßenen entwickelt, ist eindrucksvoll grausig normal beschrieben ...

Mithin: eine Leseempfehlung.

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