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Europäische Wirklichkeiten des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts im Spiegel digitaler Medienvielfalt.

Literatur aus Deutschland

Unser neues Unterrichtsvorhaben im Fach Deutsch (12. Jahrgang, erhöhtes Anforderungsniveau, d. h. 5 Wochenstunden) am Beruflichen Gymnasium, das sich auf dem beiliegenden Arbeitsblatt skizziert findet, nimmt die zweite Hälfte des neunzehnten und ein kleines bisschen des zwanzigsten Jahrhunderts in den Blick; wir lesen auf jeden Fall (neben passenden Kurztexten unterschiedlicher Provenienz) Fontanes Effi Briest (ich wollte ja zuerst nicht, bin aber inzwischen versöhnt) sowie Manns Buddenbrooks, eventuell noch Hauptmanns Die Ratten. Diese Werke behandeln wir gemeinsam auch im Unterricht.

Literatur aus Europa

Weil Literatur immer auch vom Miteinander der Kulturen lebt und das, was wir »Realismus« nennen, in anderen Ländern ganz anders aussieht, sollen die S auch mal links und rechts schauen und sich parallel in Zweier- bis Vierergruppen ein Werk aus der (im weitesten Sinne) europäischen Literatur der Zeit erarbeiten sowie zur Präsentation im Unterricht vorbereiten. Auch die Werke zur Wahl finden sich auf dem Arbeitsblatt.

Aufgabe

Die Aufgabe (siehe Arbeitsblatt) ist dabei in ihrer Vielgestalt durchaus anspruchsvoll. »Präsentation« heißt in diesem Zusammenhang »eine interessante und förderliche Doppelstunde gestalten«. (Die S kennen derlei aus dem letzten Halbjahr, in dem die S zu zweit jeweils eine oder mehrere Szene(n) aus dem Faust vorstellten).

Werkzeuge im Web 2.0

Was ich bislang auch noch nicht ausprobiert habe, ist der Aufgabenteil »Nutzung von mindestens drei Werkzeugen […] für unterschiedliche Teile Ihrer gemeinsamen Arbeit und/oder Gesamtpräsentation«, wobei ich auf die Liste der Werkzeuge im Web 2.0 (siehe Arbeitsblatt) hinweise. Die Werkzeuge habe ich kurz vorgestellt, doch wird im Unterricht kaum Zeit sein, sie öfter auszuprobieren: die EDV-Räume sind durch andere Kurse belegt, ein verlässliches WLAN und ebensolche Rechner sind selten verfügbar. Die Werkzeuge kollaborativen Tuns können und müssen also möglicherweise gleich beim Erarbeiten der Inhalte und Strukturen erprobt werden. Ich hoffe mithin auf die Kreativität und Findigkeit meiner Schülerinnen und Schüler.

10 Jahre – einige ungeordnete Gedanken.

Vor zehn Jahren hatte ich am 3. Oktober offenbar etwas Zeit übrig und schrieb daher meinen ersten Eintrag in dieses Blog; er begann nicht mit »Hallo Welt!«, sondern mit »Nun, ein Tagebuch.« –, nicht ahnend, dass die Bezeichnung eines Blogs als »Tagebuch« von einigen Bloggern geradezu als Affront empfunden würde ...

Unter der Überschrift »Warum ein Blog?« schrieb ich damals:

Seit einiger Zeit nutze ich meine Homepage sowohl zu privaten als auch zu beruflichen Zwecken: zur Verbreitung von Informationen und Aufgaben (an Schülerinnen und Schüler) sowie als Speicherplatz für Dateien, auf die bestimmte Personen oder auch ich selbst zu bestimmten Zeiten zugreifen können sollen.

Immer wieder kommt es jedoch zu der Situation, dass Informationen, Gedanken, URLs etc., die für den einen oder anderen von Belang sein könnten, auf meinem Schreibtisch verloren gehen: es lohnt sich nicht, sofort eine eigene WWW-Seite zu schreiben, die dann auch noch verlinkt werden muss, daher wird sie erst einmal beiseitegelegt und in einem gelegentlichen Aufräumanfall dem Orkus anheim gegeben.

Diese Inhalte sollen nun eingehen in Den Großen Datenspeicher, auf dass sie dem von Nutzen sein können, der etwas damit anzufangen weiß.

Die WaybackMachine hat die Seite zur Kenntnis genommen: im ursprünglichen RUL-Design und etwas später, angepasst an den Rest meiner Site (der inzwischen im Blog aufgegangen ist).

Wenn ich mein Blog betrachte, sehe ich Interessen in den Vordergrund treten und nach einiger Zeit wieder in den Hintergrund rücken – ein Beispiel ist die Beschäftigung mit den verschiedenen TeX-Spielarten. Mein erstes Posting dazu findet sich 2006, dann begleitet das Blog die Einarbeitung in TeX. Heute, da jedes Arbeitsblatt, das ich an Schüler verteile, geTeXt ist (und die wesentlichen Templates dafür erstellt, Pakete bekannt sind), ich daher täglich mit TextMate als Editor, Skim als Betrachter, BibDesk als Literaturverwaltung und MacTeX als TeX-Distribution arbeite, ist das Schreiben darüber nicht mehr wichtig.

Die Form des Blogs lernte ich bei den Großen von damals kennen: Industrial Technology & Witchcraft, dem Cartoonisten, und zuvörderst beim Schockwellenreiter.

Jeden Tag ein eine riesige Menge an meist techniklastigen Nachrichten: es ist schon einigermaßen erstaunlich, was Jörg, als ich mit dem Bloggen begann, ja schon drei Jahre lang betrieb – noch erstaunlicher und beeindruckender als das heute vielleicht als Retweeten bezeichnete und damit selbstverständlich gewordene Weitertransportieren von Meldungen aus unterschiedlichen Quellen waren allerdings immer seine kulturhistorischen und lokalgeschichtlichen längeren Exkurse; auch die technischen Erläuterungen rund um Radio Userland waren für mich hilfreich (wie übrigens auch die eine oder andere direkte Hilfe per E-Mail).

Mit der Entdeckung der Blogs verbunden war die der RSS-Feeds als Instrument der Publikation und der Lektürehilfe – bei Radio Userland war der Aggregator gleich eingebaut, später habe ich mit NetNewsWire ein geeignetes Leseprogramm gefunden.

(Technik überhaupt: Radio Userland und PageSpinner, WordPress, zur Zeit Serendipity als Blogsoftware, der Übergang von statischen, tabellenbasierten zu CSS-definierten fluiden Layouts, HTML- und zuweilen auch PHP-Gefrickel …)

Dem Vorbild geschuldet war es auch mein Ziel, möglichst viele interessante Seiten im Netz zu finden, sich aufmerksam zu machen auf neue Inhalte etc., auch entstand in diesen Jahren ein relativ enges Netzwerk an Bloggern, die sich gegenseitig förderten, kommentierten, möglichst häufig verlinkten.

Rasch wurde jedoch auch deutlich, dass anderenorts betriebenes Hochleistungsbloggen und hier zentrales Familienleben sich gegenseitig ausschließen – so nahm die Frequenz der Postings ab. In einem durch die Verbreitung des Bloggens schärfer werdenden Wettbewerb um schneller, aufgeregter, provokanter, häufiger etc. mitzutun, zudem auch noch zu kämpfen um eine zunächst noch knappe, aber fordernde Leserschaft, war nicht in meinem Sinne.

Die Spezialblogs waren eine weitere interessante Entwicklung; so gab es eben bald nicht nur Einzelhändler- und Bestatter-, Fernfahrer- und Personenbeförderungs-, sondern eben auch Lehrerweblogs – die freiwillige thematische Selbstbeschränkung ist meine Sache aber nicht, wer will, abonniert eben nur eine Rubrik meines Blogs (und sei’s das ausgegliederte, weil über TrailRunner erzeugte Laufblog).

Auch andere Blogbetreiber bemerkten, dass die bald wachsende Anspruchshaltung der Blog-Konsumenten fragwürdig ist vor dem Hintergrund, dass ein Blog zunächst ein Geschenk ist desjenigen, der andere teilhaben lässt: eine freiwillige Leistung. Derlei Ungeduld ist nicht begründbar, denn meinem RSS-Reader ist es egal, ob er 300 oder 400 Quellen abgrast – er wird das eine Posting, das der Blogautor nach einem Jahr der Stille schreibt, nicht verpassen …

Zur Selbstbestimmung in einem großartigen Medium gehört auch die Muße, Leben genießen zu können ohne den Gedanken an die Verwertung im Blog. Das »Ich möchte lieber nicht« Bartlebys ist die wahre Autarkie.

In Zeiten von Klout und Google AuthorRank, von Abmahnanwälten, Facebook und Spambots habe ich manchmal auch gar keine Lust mehr mitzuschreiben am Netz (es gibt ja genügend anderes zu tun). An anderen Tagen macht’s wieder Laune.

Mal sehen, was wird.

Schule und Facebook.

Jan-Martin Klinge wirbt in seinem Halbtagsblog für die Präsenz von Schulen bei Facebook. Auch weil wir uns bei der derzeit gerade in der Umsetzung befindlichen Neukonzeption unserer Schulhomepage aus guten Gründen gegen die Facebookintegration entscheiden haben, schrieb ich dazu in etwa:

Das sehe ich anders. Gründe gegen Facebook – im Unterschied zum »freien« Netz – gibt es genug, und Schule hat die Aufgabe, die kritische Unterscheidung zwischen unterschiedlichen Medien zu fördern. Das muss in der Konsequenz auch heißen, dass bestimmte Medien mit Informationen gefüttert und andere bewusst ignoriert werden. Eltern, Schülerinnen und Schüler und andere Interessenten können, auch wenn sie sich normalerweise nur bei Facebook wohl fühlen, auf eine Website der Schule im freien Netz wechseln – umgekehrt gilt dies nicht.

Allerdings stimme ich mit dem Halbtagsblogger überein, dass ein Verbot von Facebookseiten natürlich unsinnig ist.

Weitere Artikel zu Facebook in diesem Blog.

Einladungen zu Kiva.

Schon seit längerer Zeit befinden sich um die 100 US$ aus unserem Familienvermögen (Hüstel.) in steter Ausleihe an Menschen, die in fernen Ländern ihre Unternehmungen durch Kleinkredite finanzieren müssen – ich schrieb bei Gelegenheit darüber.

Momentan gibt’s auf Kiva eine begrenzte Menge an gesponserten Verleihaktionen, die dazu dienen, das Prinzip ausprobieren zu können, ohne eigenes Kapital zu riskieren. Wer mag, fühle sich also hiermit eingeladen.

(Auf Kiva Deutschland wird das Prinzip auch in unserer Sprache erklärt; Reiner Luyken hat einen seiner Kredite ein Jahr lang beobachtet.)

Urheberrecht und Deutschaufsätze.

Zu Herrn Raus Artikel Aus welchen Jahren stammen aktuell lieferbare Bücher (bei Amazon)? schrieb ich in etwa:

Dass sich die S mit diesem Thema gut genug auskennen, um Stellung nehmen zu können, kann man wohl nicht verlangen: dazu ist es zu komplex und – trotz der Bedeutung für alltägliche Sachverhalte – zu unwichtig (es ist ja nur Hintergrund für spürbare Auswirkungen). Deutschunterrichtlich wäre auch nicht die Sache im Vordergrund, sondern das Arbeiten mit Informationen in Texten.

Kompetenzorientiertes Arbeiten könnte demnach so aussehen, dass – wie Laura schon vorschlägt – eine Sammlung von Informationen gegeben wird, mit denen dann gearbeitet wird – Texterörterung eben.

Noch interessanter wäre: eine zeitliche Ausweitung der Abiturprüfung, die Hineingabe eines umfangreichen Konvoluts aus sehr unterschiedlichen Quellen (Lobby, Bürgerrechte, Politik, Technik, Juristen, unterschiedliche Betroffene etc.), die dann ausgewertet und auch im Hinblick auf ihre Verlässlichkeit, sachliche Richtigkeit, Argumentationsstrategie etc. beurteilt werden müssten.

Praxisnahe Alternative dazu: Rechner mit Netzzugang (ich sehe Ministerialbeamte schnappatmen) und die Aufforderung, sich in den nächsten drei Stunden umfangreich zu informieren, bevor dann der Aufsatz geplant und geschrieben wird … schwierig natürlich für die Korrigierenden, aber durch Vorarbeit und das Entwerfen eines kompetenzorientierten Korrekturbogens sicher machbar.

(Dass ich von Aufsätzen allgemein so rasch auf Abituraufsätze komme, liegt daran, dass diese Osterferientage der Korrektur derselben gehören.)

Steve Jobs (1955–2011).

Screenshot der Apple-HomepageSteve Jobs ist tot.

Seit 1992 nutze ich für selbstgesteuertes computergestütztes Tun ausschließlich Apple-Rechner. Sie haben mir das Arbeiten mit Computern (und dem Netz) vereinfacht und angenehm gemacht, waren stets funktionierende Werkzeuge in ästhetisch ansprechender Form.

Jobs' Denken war dem der meisten weit voraus – er war alles andere als bloß ein genialer Verkäufer. Er hat schon gehandelt, als andere noch nicht einmal gesehen haben.

Thanks, Steve.

Google+ III: Google und das eigene Blog.

Bei Hokey heute in Reaktion auf einen Artikel bei Herrn Larbig ein Plädoyer für das Blog.

Ich stimme zu. Natürlich wäre es, wie MAW Spitau schrieb, möglich, das im eigenen Blog veröffentlichte auch über Google+ zu senden – ob es dann allerdings in einem Monat oder einem Jahr noch auffindbar ist, ist gänzlich von den Launen Googles abhängig. Da zahle ich lieber ein paar Euro für den verlässlichen Hoster als mit üppig viel Daten an soziale Netzwerke.

Google+ nutze ich, wie vorher in meiner Facebook-Versuchphase auch, als einen Kanal zur Bekanntgabe eines Eintrags im Blog – umgekehrt ist dies für mich nicht vorstellbar (aus Gründen – siehe zum Beispiel Kristian Köhntopps Cloud und diesen Artikel). Da andere Autoren aber anders entscheiden, kann die Aufnahme eines Autors in einen Google-Kreis im Vergleich zu einem Blog-Abonnement inhaltlich unterschiedliche Feeds bedeuten. Bislang habe ich allerdings noch kein Beispiel kennen gelernt, in dem der Google-Feed einer Person einen Qualitätsgewinn gegenüber dem Blog derselben Person bedeutet hätte – im Gegenteil: der Googlestream ist voller Albernheiten. Das ist ja auch alles mal ganz lustig, und vielleicht seid Ihr es von Twitter auch so gewohnt, aber mein Newsreader liefert mir bislang bessere Inhalte als der Google-Stream (so sehr ich den Stream als Phänomen schätze).

Google+ II.

Erste Applikationen ermöglichen das Synchronisieren von Postings in Facebook und Google+, mithin doppeltes Posten mit einfachem Aufwand. Ökonomisch gedacht. Noch besser wäre es natürlich, es gäbe noch ein drittes oder viertes Netzwerk dieser Art, so würde der Aufwand pro (Drei- bzw. Vierfach-) Posting noch weiter sinken …

(Auch der Leser müsste hier natürlich nachrüsten. Eine Software zum Erkennen und Ausfiltern von derlei Doppelpostings ist vonnöten! – Dass es das alles schon gab bzw. in Form von Usenet, Newsreadern und Crosspostingfiltern nach wie vor gibt, und zwar zum großen Teil öffentlich finanziert und damit ohne den Zwang, mit personenbezogenen Daten zu zahlen, daran sei hier nur kurz erinnert ...)

Tatsächlich allerdings genügen bislang zwei große Netzwerke (wobei bei Google + vermutlich mehr oder minder dieselben Akteure miteinander verbunden sind, die sich auch auf Facebook schon befreundeten) offenbar nicht, um im Bewusstsein knapper Ressourcen die Aufgabe eines der beiden Accounts zu verabreden. Stattdessen muss es erneut mehr sein, was das Online-Leben würzt.

Ein großer Teil der Netzprominenten begreift sich als Teil einer kritischen Öffentlichkeit, zeigt sich aber den gleichen Versprechungen des ewigen Wachstums erlegen wie andernorts die praktischen und theoretischen Ökonomen.

»Für lange Äußerungen habe ich mein Blog, Facebook nutze ich wegen meiner Verwandten in Übersee, für kurze nahm ich bislang Twitter, aber nun habe ich ja auch noch Google+.« – Äußerungen ähnlicher Art sind nicht selten unter den Onlinern, im Regelfall belegen sie gehorsames Reagieren des Konsumenten auf das, was ihm von der Wirtschaft angeboten wird, in der offenbar nie hinterfragten Annahme, dies alles müsse auch genutzt werden.

Nehmen wir an, ein Blog / eine Homepage / ein Facebook- / Twitter- / Google+-Account sei eine Basis für die Publikation eigener Gedanken und als solche grundsätzlich sinnvoll, so gibt es keinen vernünftigen Grund, derlei Accounts anzuhäufen (wo wäre festgelegt, dass ein Blog nur Beiträge, die länger sind als 140 Zeichen, beherbergen darf?). Vielmehr sprechen mindestens zwei Gründe dagegen: zum einen der Ressourcenaufwand anderenorts (Energie, Land, was auch immer …), zum anderen aber auch der Ressourcenaufwand der eigenen Person: als Christian Spannagel, bis zu diesem Schritt Verfechter möglichst intensiven medialen Netzwerkens aus der radikalen Vernetzung ausstieg, habe ich dies für eine mutige (und später ja auch begründete) Entscheidung gehalten. Christian schrieb damals: »Rein netzwerktheoretisch betrachtet führte dies […] zu einer Knotenüberlastung.«

Der Einzelne hat nur begrenzte Möglichkeiten der Interaktion mit Gedanken anderer, er braucht auch Ruhe, Einkehr, Muße, um zu bedenken, was er erfahren hat. Stets nur auf Empfang und Sendung zu sein, funktioniert nicht, und schon gar nicht im fordernden Übermedium Internet.

Dies nicht zu beachten könnte einer der Gründe dafür sein, dass der »Diskurs im Netz« flacher wird, wie Jürgen Fenn ausführt.

Comicliebhaber gucken hier.