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Gegen einen Gottesbezug in der Landesverfassung Schleswig-Holsteins.

Anlässlich der Diskussion um die Reform der Landesverfassung Schleswig-Holstein wurde vorgeschlagen, mit einer Formulierung wie »Der Landtag hat in Vertretung der schleswig-​​holsteinischen Bürgerinnen und Bürger in Verantwortung vor Gott und den Menschen auf der Grundlage der unver­letz­li­chen und unver­äu­ßer­li­chen Menschenrechte […]« explizit einen Gottesbezug in die Verfassung einzuschreiben. Der ursprüngliche überfraktionelle Vorschlag hingegen sieht eine solche Formulierung nicht vor.

Die Gründe für und wider werden im Landesblog recht verständlich aufgeführt – und so bleibt dem Bürger noch, (ggf. nach Lektüre der Begründung) die Petition gegen den Gottesbezug zu unterschreiben.

Nach BibTeX nun BibLaTeX.

In meinem Unterricht arbeite ich mit Material – Texte, aber auch Abbildungen – aus verschiedensten Quellen; das Unterrichten per Schulbuch habe ich nie so richtig geübt, und so müssen immer wieder Arbeitsblätter erstellt werden.

Für die Schülerinnen und Schüler (S) soll dabei erkennbar sein, woher das jeweilige Material stammt. Schließlich möchte ich, dass auch in ihren Referatpapieren oder abzugebenden Hausarbeiten Quellen belegt werden – das sollte aber sinnvollerweise auch vorgelebt werden. Vielleicht aber ist die eine oder andere Quelle auch über den kurzen im Unterricht behandelten Ausschnitt hinaus nachlesenswert (und ja: ich glaube an S, die entsprechend handeln). Außerdem signalisiere ich so, dass die »Wahrheiten«, die da vorne verkündet werden, keine offenbarten, sondern auch nur erarbeitete sind: der L also ebenso wie die S daran arbeitet, sein Wissen zu erweitern (passt natürlich auch ins erkenntnistheoretische Curriculum: »Wahrheit« als des Irrtums letzter Stand).

Die Arbeitsblätter erstelle ich mit LaTeX, für die Bibliografie habe ich bislang BibTeX genutzt. Letzteres funktioniert zwar noch, wird aber abgelöst durch BibLaTeX (per Paket biblatex), das deutlich flexibler an die Nutzerwünsche anzupassen ist – unter anderem, weil für Zitationen und die erstellte Bibliografie unterschiedliche Stile gewählt werden können.

Weil das Erstellen der Bibliografie im Hintergrund abläuft, muss in der Praxis wenig verändert werden. Statt an der Stelle, an der später die Bibliografie erscheinen soll, per

\bibliographystyle{alphadin}
\bibliography{/Users/name/Documents/Schule/Sonstiges/literaturdatenbank}


den Zitierstil und den Speicherort der eigentlichen Bibliografiedatei anzugeben, geschieht dies nun mit den Zeilen

\usepackage[backend=biber,style=alphabetic]{biblatex}
\addbibresource{/Users/name/Documents/Schule/Sonstiges/literaturdatenbank.bib}


in der Präambel (statt biber kann auch bibtex8 verwendet werden, wenn biber nicht installiert ist) und dem Befehl

\printbibliography

am gewünschten Ort.

Den Stil alphadin, den ich mit BibTeX nutzte, gibt es in BibLaTeX nicht, stattdessen nutze ich zunächst alphabetic. Michael Domhardts din wiederum, dessen Bibliografiestil mir weitgehend zusagt, erzeugt, auch wenn man ihn mit dem Zitierstil alphabetic nutzt, nicht die in den Zitationen gebildeten Kürzel, sodass die Zuordnung Zitationskürzel – Quelle nicht offenkundig ist. So passe ich alphabetic mit einigen Änderungen an den gewohnten Stil an:

Abkürzungen wie ISBN, URL, DOI etc. werden in der erzeugten Bibliografie mit kleinen Kapitälchen geschrieben. Das halte ich für falsch, da es sich um Abkürzungen handelt, die nun einmal in Majuskeln gesetzt werden sollten. Auf Nachfrage bekomme ich in de.comp.text.tex von Rolf Niepraschk den Tip, die Zeile

\renewcommand*{\mkbibacro}[1]{#1}

zusätzlich einzufügen. Das ist zum einen in der Präambel möglich, kann aber, da es sich ja um eine grundsätzliche Entscheidung handelt, auch in der Stildatei geändert werden.

So kann bei dieser Gelegenheit eine Kopie der originalen alphabetic.bbx, der Stildatei, im lokalen texmf-Baum (beim Mac in /Users/name/Library/texmf) angelegt und mit einem eigenen Namen (in meinem Fall alphabetic-h) versehen (und entsprechend in der .tex-Datei referenziert) werden.

Weitere Änderungen habe ich aus Michael Domhardts din.bbx übernommen:

\DeclareNameAlias{default}{last-first}

statt

\DeclareNameAlias{author|editor|translator}{default},

denn bei einer alphabetischen Sortierung der Bibliografie nach Nachnamen ist es auch sinnvoll, den Nachnamen zuerst zu nennen.

Außerdem soll ein Doppelpunkt statt des Punktes nach dem Namen des Autors stehen sowie der Nachname durch Kapitälchen markiert werden. Hierzu füge ich aus Michaels Datei ein:

\renewcommand*{\labelnamepunct}{\addcolon\addspace}

\AtBeginBibliography{%
\renewcommand*{\mkbibnamelast}[1]{\textsc{#1}}% Nachnamen bei Autoren und Herausgebern in Kapitälchen
\renewcommand*{\multinamedelim}{\mbox{ }\addspace\addsemicolon\addspace}% Spatium und Semikolon als Autoren- und Herausgebertrenner
\renewcommand*{\finalnamedelim}{\multinamedelim}% Spatium und Semikolon als Autoren- und Herausgebertrenner
}


Auf diese Weise habe ich jetzt einen BibLaTeX-Bibliografiestil, der weitgehend dem alten BibTeX-alphadin entspricht.

Dank an Rolf und Michael sowie die anderen TeX-Gurus, die mir geholfen haben zu verstehen (denn es gibt auch eine hervorragende Dokumentation des biblatex-Autors Philipp Lehman (sogar eine deutsche Übersetzung derselben von Christine Römer und ihren Studierenden), diverse Erläuterungen von Dominic Waßenhoven etc.).

Gelesen. Wegehaupt.

Matthias Wegehaupt: Die Insel. Berlin: Ullstein, 2005.

Ein Tausend-Seiten-Roman verdient schon ein wenig mehr Worte als nur den lakonischen Eintrag »Gelesen«, umso mehr, wenn er letztlich gefällt.

Matthias Wegehaupt ist eigentlich Maler, und so erstaunt es auch nicht, dass die Hauptfigur des Romans, norddeutsch geprägt »Unsmoler« genannt, ebenfalls als Künstler auf einer kleinen Ostseeinsel sein Auskommen sucht. Über die 40 Jahre der DDR (und ein wenig darüber hinaus) bildet Wegehaupt das Leben auf der Insel in Miniaturen, Landschaftsbildern, Porträtserien ab und erfasst damit sowohl die Inselbewohner – Lütt Otto, dessen Pferd Unsmoler »totschmeißt«, Lüders, den Traktoristen, Elfriede als Postbotin und andere –, aber auch die neuen Herren der Insel: den »Inselchef« genannten höchsten Parteivertreter, den Mitarbeiter (der Staatssicherheit), die weiteren Angestellten des Objekts.

Themen sind die Umgestaltung der Insel über die Jahrzehnte als Zeichen der gewaltsamen Annektierung, die Auswirkungen auf die eng umgrenzte Inselgesellschaft, die dabei stellvertretend für die DDR insgesamt steht, das Verhalten der Bürger im Angesicht des zunehmend deutlicher werdenden Totalitarismus, die Spannung zwischen Bürger und Künstler sowie Künstler und Staatsgewalt (unter den besonderen Bedingungen der DDR, die sich ja als kulturfreundlich verstand), natürlich auch die zwischenmenschlichen Beziehungen, die Frage nach der Möglichkeit eines richtigen, mithin glücklichen Familienlebens im falschen und so fort.

Weitgehend realistisch erzählt Wegehaupt das Ganze, zumindest ohne gewollt wirkende Manierismen, lässt sich viel Zeit für die Schilderung der Geschichte; »Geschichte« meint hierbei in erster Linie tatsächlich dargestellte Zeitgeschichte, denn die Figuren bleiben weitgehend Charaktermasken (der Fischer, der Traktorist, der, Abschnittsbevollmächtigte, der Mitarbeiter …), allein bei Unsmoler selbst sowie dem benachbarten Künstlerpaar sind Anflüge von Entwicklung erkennbar. Eine Abkehr vom Realismus zeigt sich vor allem in den Nachahmungen von Unsmolers Naturerfahrungen, die für ihn Grundlage neuer Werke werden, aber auch gerade in der ersten Hälfte des Buches in humoristischen Zuspitzungen von Begebenheiten und ironisierenden Beschreibungen von Figuren und Sachverhalten.

Der Fokus scheint für Wegehaupt auf der Darstellung des Künstlercharakters selbst zu liegen, der sich als auf Ansprache hin umgänglich, aber von sich aus uninteressiert am gesellschaftlichen Verkehr zeigt, zeitweise – bedingt durch Schaffens- oder Blockadephasen – fast soziophob, auf seine Arbeit konzentriert, der sich sein Leben und damit auch seine Liebste (die diese Unbedingtheit letztlich flüchtet) unterordnen muss.

Obwohl der Inselchef der oberste Machthaber auf der Insel ist und Maßnahmen aller Art weitgehend auf seine Vorstellungen zurückgehen, wird er stets auch als kleines Licht im Staatsapparat gezeigt, das von Anfang an kaum eine Handlung allein aus eigenem Wollen vollzieht: fast immer richten sich seine Gedanken auf die höheren Hierarchiestufen, und je weiter die Erzählung voranschreitet, desto deutlicher wird des Inselchefs immerwährende existenzielle Angst, nun den entscheidenden Fehler begangen oder die wichtige Entscheidung unterlassen zu haben, was ihm von oben vorgeworfen werden könnte.

Die die Interessen des Einzelnen überrollende Gewalt im Namen einer übergeordneten Idee übrigens, die Wegehaupt über tausend Seiten sehr eindrücklich und gewiss nicht verharmlosend zeigt, wird im letzten Kapitel noch einmal relativiert: was dem Inselchef die schnurgerade volkseigene Betonpiste (und andere architektonische Fragwürdigkeiten) als Zeichen der Entwicklung und des Erfolges war, sind den ausschließlich am privaten Profit interessierten Investoren nach 1989 dann ebenso inselfremde Golfplätze, Bootshäuser und Jachten. Als Verkäufer für die Investoren indes tritt einer auf, den der Leser schon aus dem alten System gut kennt …

Und der Maler ist wieder fremd. –

Dass mein Exemplar des Buches den Stempel »Mängelexemplar« trägt, ist nicht dem Roman selbst, wohl aber dem Korrektorat anzulasten: nicht wenige Rechtschreib- und Kommafehler, auch vom Lektorat übersehene widersinnige versehentliche Vertauschungen von Figuren etc. zeigen, dass bei Ullstein zu wenig auf Qualität geachtet wird.

Der Roman selbst darf – auch als Gegenstück zu Tellkamps Der Turm – gern wieder entdeckt werden. (Danke für den Tip, Almut!)

Buch bei Amazon angucken.

Robin Williams (1951–2014).

Ja, natürlich schätze ich seine Paraderolle in Dead Poets Society. Die fröhlichen Passagen seiner Filme aber, in denen er clownesk seine Späße häufte, waren mir immer unheimlich, denn sie schienen so gar nicht dem Menschen zu entsprechen. Ein guter Schauspieler war er eben nur in seiner Melancholie.

Hier spielte einer um sein Leben, und wir haben zugesehen. –

»O Captain! My Captain!«

Rundbrief 46 (2014).

Der neue Rundbrief des Fachverbandes Deutsch im Deutschen Germanistenverband – Landesverband Schleswig-Holstein/Hamburg ist, nachdem er unseren Mitgliedern Anfang der Sommerferien zuging, nun auch online verfügbar. Erstellt natürlich wieder mit LaTeX (und Scribus fürs Titelblatt).

(Meinerseits diesmal nur mit zwei kürzeren Artikeln, die ich zuvor schon in diesem Blog veröffentlichte, worauf ich im Rundbrief folglich auch in Randnoten hinweise, die ihrerseits wieder einen Link auf die Artikel enthalten – hier drohen sich seltsame Schleifen zu formen …)

Gelesen. Granta 119.

Schon vor Ewigkeiten wollte ich mal ein Granta-Heft lesen, da die Kaltmamsell immer mal wieder Positives postet – zur Vorbereitung auf die diesjährige Englandfahrt also Granta 119 (2012): Britain (zum Beispiel mit einem überzeugenden Einblick in die Immigrationsgeschichte von Gary Younge anhand seines Kindheitsortes Stevenage – einer New Town ähnlich Milton Keynes, das wir uns im letzten Jahr mal beguckt haben, einer Geschichte um den Osteraufstand 1916 von Mario Vargas Llosa, einer Erzählung um einen Jungen und seinen Hund im Jagdgetriebe und so fort – alles Facetten britischer Gegenwart oder Vergangenheit). Insgesamt ein gutes Dutzend verschiedenster Erzähltexte, einige Gedichte und viele Fotos. Sorgsam zusammengestellt zu anregender Vielfalt, daher empfehlenswert.

Schwierige Literatur bei Flix.

Zum Lernfeldteil »Wertung von Literatur« bei den Buchhandelsauszubildenden, in dem wir uns zuletzt über Widerständigkeit von Literatur am Beispiel von Finnegans Wake unterhalten haben, gibt’s passende Nachbilder in Flixens Heldentagen, Folge 907.

Es sei (aber) auch noch einmal auf The Rights of the Reader hingewiesen.