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Wie geht’s weiter mit der Schule? (4)

Bob Blume hat Zweifel. Und weil ich meine, das ist gut so, schrieb ich in etwa in sein Blog:

Die Begeisterung über das digitale Werkzeug verebbt, der Wert des analogen Tuns wird wieder entdeckt: was für ein wertvoller Moment!: Du hast die Fähigkeit zum Arbeiten mit dem Neuen und das Wissen, um es sinnvoll einsetzen zu können. Was willst Du mehr?: genau dahin möchtest Du die S doch auch bringen. Und dazu wirst Du Deinen Teil beitragen können, indem Du Dich für die Vorbereitung der Stunden auf den gesamten Fächer der Möglichkeiten besinnst.

Heilslehren zeitigten schon immer im besten Falle fragwürdige Resultate. Bedachtsamkeit rulez.

Ich habe so einige Kolleg_innen, die nach wie vor dicke Ordner voller ausschließlich analog vorhandener Materialien von hier nach dort schleppen, Collagen anfertigen lassen und Kärtchen an Pinnwände stecken. Ich habe keinerlei Veranlassung zu glauben, dass ihr Einfluss auf Wissen und Können der Schüler_innen geringer sein könnte als meiner, nur weil ich gern mit MacBook und Beamer arbeite und nie auf die Idee käme, eine Mindmap gemeinsam mit Schüler_innen anders als per XMind zu basteln. Unter anderem übrigens deshalb, weil dieselben Lehrkräfte in anderen Stunden Projektunterrichte leiten und Veranstaltungen organisieren lassen, während ich ganz popelig einfach nur einen Text auf Papier präsentiere.

Wir Lehrkräfte kennen pubertäre Selbstüberschätzung, die nichts gelten lässt als die eigene Weltsicht, doch ganz gut. Im Regelfall ist sie bei Lehrer_innen fehl am Platze.

Lars Gustafsson (1936–2016).

Gustafssons Bücher gehören zu meinen langjährig Vertrauten; seine Pentalogie »Risse in der Mauer« habe ich einzeln, nachdem ich vor vielen Jahren die Wollsachen geschenkt bekam, mehrfach gelesen, auch der beispielsweise in Herr Gustafsson persönlich dargestellten Verbindungen zur deutschen Literaturszene der sechziger und siebziger Jahre wegen. Das seltsame Tier aus dem Norden und andere Merkwürdigkeiten ist nach wie vor besonders und empfehlenswert.

Seinem Schreiben war stellenweise Eitles nicht fremd, gleichwohl war die Lektüre intellektuell anregend, weil philosophisch unterfüttert. – Seine späteren Romane waren mir weniger nahe; sie schienen mir bei aller eher zunehmenden souveränen Routiniertheit des Schreibens weniger wichtig.

Zur Zeit lese ich anderes, doch eine Erinnerungslektüre steht an.

Es ist ein Jammer. Aber »wir fangen noch mal an. Wir geben nicht auf«.

– Ein Nachruf von Wolf Lepenies.

Gelesen. Alameddine.

Rabih Alameddine: Eine überflüssige Frau. Übertragen von Marion Hertle. München: Louisoder, 2016.

Eine Beiruter ehemalige Buchhändlerin und heimliche Übersetzerin reflektiert ihr Leben und die sie prägende Literatur. (Gleich wieder einige Titel auf die Leseliste gesetzt.) – Einige Zitate:

»Literatur, die alles erklärt, macht Leser dumm.« (Ebd.,152)

»Jemand hatte in mein Zuhause geschissen. Ich besorgte mir eine Kalaschnikow.« (Ebd., 47)

»Ich habe viele Neurosen meiner Schriftsteller, aber nicht ihre Talente.« (Ebd., 180)

»Die Höflichkeit ihres Vaters, die schon fast an Extravaganz grenzte.« (Ebd., 190) –

Vorbildliches Lektorat des in meinem Regal bislang nicht vertretenen Louisoder Verlags. Ungewöhnlich strukturiertes Schutzumschlagpapier. Lesebändchen, fadengeheftet.

Buch bei Amazon angucken.

Gelesen. Schlingensief.

Christoph Schlingensief: So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein! – Tagebuch einer Krebserkrankung. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2009.

Schlingensief liest Beuys:

Und jetzt kommen die Sätze, die mich [Schlingensief] so beeindruckt haben: »Immer positiv reden, nicht urteilen. Manchmal muss man natürlich auch ein paar harte Worte sagen, aber nach Möglichkeit soll man sich davor hüten.«

Wenn man das alleine schon mal ernsthaft angehen würde, wenn man diese Uteils- und Bewertungsmaschine abschalten könnte, wäre doch schon viel gewonnen. (Ebd., 136 f.)

Hat natürlich mit Schule nichts zu tun.

Windows 10 und Nvidia GeForce 7300 SE / 7200 GS.

(Nein, versprochen: Windows-Inhalte gibt’s hier auch künftig nur allerseltenst, wenn ich mir mal etwas merken muss, weil Schulen aus mir völlig unerfindlichen Gründen immer noch mit diesem crap arbeiten, weil’s ja vermeintlich billiger ist. Mein ausführlich geübtes inneres Zetern hier bitte selbsttätig imaginieren und einfügen. Danke.)

Windows 10 läuft in der virtualisierten Umgebung in Parallels Desktop auf meinem Mac völlig problemlos (alle Bitte-beobachte-mich-Optionen auf nein stellen hilft), und so habe ich es auch auf meinem Arbeits-PC auf dem schulischen Schreibtisch installiert.

Soweit läuft alles (bis auf dass Installationsschlüssel von Microsoft-Programmen neu eingegeben werden müssen – aber wer bei Microsoft kann schon ahnen, dass auf PCs ordnungsgemäß lizensierte Office-Programme zu finden sind?) – nur der Grafikkartentreiber wird durch einen generischen Treiber von Microsoft ersetzt, der keinerlei aktuelle Auflösungen bereithält und daher für das Arbeiten unbrauchbar ist (aber wer bei Microsoft kann schon ahnen, dass wir keine Röhrenmonitore mehr nutzen?).

Die im System vorgesehenen Methoden des Treiberupdates helfen nicht, Nvidias Onlinetool findet keine zu aktualisierenden Treiber (verrät mir aber immerhin, dass mein Rechner eine GeForce 7300 SE oder 7200 GS verbaut hat), und für die Grafikkarte werden absatzorientierter Geschäftspolitik wegen ihres Alters wegen offenbar auch keine Windows-10-Treiber programmiert.

Nach Herumlesen in diversen Foren auf der Schattenseite des Internets habe ich die Lösung hier gefunden: es hilft die Neuinstallation des alten Treibers, der auf dieser Informationsseite zu finden ist, und seinen Dienst klaglos auch unter Windows 10 tut.

Und nun wieder zu den angenehmen Dingen des Lebens.

Neue Essay-Themen: Immanuel Kant, John Gray, Marc Aurel, Laurie Penny, Guoan Shiyuan, Albert Einstein, Roger Willemsen.

Damit ich in den Osterferien etwas zu lesen (und leider auch zu benoten) habe, bekamen meine Philosophiekurse im 12. Jahrgang wieder die obligatorische Essayaufgabe, für die sie gut drei Wochen Bearbeitungszeit hatten. Gestern habe ich die Texte der Schüler_innen eingesammelt, nun darf ich die Lektüre beginnen.

Hier sind die Themen dieses Halbjahres zum Nachlesen.